4. Dezember 2008, 12:27 Uhr

Deutsche halten ihr Geld zusammen

Kein Auto, kein Urlaub: Der Wirtschaftsabschwung wirkt sich deutlich auf den Konsum der Bundesbürger aus. Laut einer Umfrage wollen fast 50 Prozent größere Anschaffungen zurückstellen. Das Ergebnis spielt den Befürwortern von Konsumgutscheinen in die Hände.

Düstere Zukunftsaussichten für 2009: Die Mehrheit der Deutschen befürchtet, dass es ihnen im neuen Jahr wirtschaftlich schlechter geht©

In der Rezession verzichten immer mehr Deutsche auf geplante Autokäufe, Restaurantbesuche und teuren Urlaub. Laut einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young unter 3000 Verbrauchern verändern die Bürger angesichts der Wirtschaftskrise zum Teil drastisch ihr Konsumverhalten. 47 Prozent der Befragten wollen größere Anschaffungen wie einen Autokauf verschieben, ergab die am Donnerstag in Stuttgart vorgestellte Studie.

Angst um den Arbeitsplatz

Jeder Dritte verzichtet häufiger auf den Gang ins Restaurant oder knappst Geld beim Urlaub ab. 20 Prozent fürchten zudem um ihren Arbeitsplatz. Krisengewinner seien besonders Discounter und Anbieter im Niedrigpreissegment, sagte Ernst & Young-Partner Peter Schommer.

Die Umfrage dürfte der Debatte um die Ausgabe von Konsumgutscheinen neue Nahrung verschaffen. Während ein solches Konzept in Teilen der SPD auf Zustimmung stößt, hat sich die Union bislang einstimmig gegen die Verteilung von Gutscheinen zur Ankurbelung der Binnennachfrage ausgesprochen.

Die Erwartung der Bundesbürger wird laut der Ernst & Young-Umfrage besonders für 2009 immer pessimistischer: 61 Prozent der Befragten geht davon aus, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland verschlechtert. Angesichts der drohenden tiefsten Rezession seit Gründung der Bundesrepublik erwartet jeder Dritte der Befragten, dass sich auch die eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation negativ entwickelt. Nur noch 48 Prozent halten ihren Arbeitsplatz für "sehr sicher".

"Die Finanzkrise ist zu einer realen Wirtschaftskrise geworden, die die Industrie mit großer Wucht getroffen hat - die Arbeitnehmer stellen sich darauf ein, dass dies auch Auswirkungen auf die Beschäftigung haben wird", sagte Schommer. Die größten Sorgen um ihren Job machen sich Geringverdiener und Singles sowie kinderlose Paare. Fast jeder dritte Arbeitnehmer mit einem Einkommen von unter 25.000 Euro sieht seinen Arbeitsplatz gefährdet - von den Personen, die mehr als 50.000 Euro pro Jahr verdienen, sorgt sich nur jeder 13. um die Sicherheit seines Arbeitsplatzes.

Die Zukunftsängste führen zu deutlichen Sparanstrengungen: Zwei von drei Verbrauchern achten laut der Umfrage stärker auf den Preis, und 45 Prozent kaufen häufiger bei Discountern. "Vor allem Familien mit Kindern und Personen mit niedrigen bis mittleren Einkommen wollen insgesamt den Gürtel enger schnallen und kaufen verstärkt bei Discountern ein", heißt es in der Studie. Trotz aller Sorgen will aber die Hälfte der Befragten nicht auf gelegentlichen Luxus verzichten.

Die Daten wurden auf Basis einer telefonischen Befragung durch das Marktforschungsinstitut Valid Research aus Bielefeld im November 2008 ermittelt. Befragt wurden 3000 Verbraucher über 18 Jahre aus ganz Deutschland.

Umfrage zu Konsumgutscheinen stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges würde sich ein Fahrrad kaufen. Angenommen, Sie bekämen einen Konsumgutschein in Höhe von 500 Euro, den sie in den kommenden vier Wochen einlösen müssten: Welches Produkt würden Sie kaufen? Einen Flachbildschirm, eine Weihnachtsgans, ein paar Schuhe oder etwas ganz anderes? Die Konsumgutscheine werden vermutlich an einen Eigenanteil gekoppelt sein, sie müssen also einen Teil Ihres privaten Geldes dazu tun. Daher die zweite Frage: Wieviel würden Sie freiwillig obendrauf legen? 100, 200 oder gar 500 Euro? Schreiben Sie an aktion@stern.de. Wir werten Ihre Antworten aus und werden sie veröffentlichen.

DPA
 
 
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KOMMENTARE (10 von 22)
 
idontkehr (05.12.2008, 14:21 Uhr)
Neue Impfung: wirtschaftskrise
Das muss man sagen, soweit ist die Rezession ein reines Medienprodukt. Wären doch ein paar Banken pleite gegangen (vielleicht sogar weniger, weil die Leute ihr Geld nicht abgezogen hätten...). Ein paar Arbeitsplätze verloren gegangen. Aber Auswirkungen auf die Wirtschaft hätte die Bankengeschichte vielleicht kaum gehabt soweit, wenn nicht alle Panik schieben würden. Wir hätte uns über die tollen Spritpreise gefreut und jeden Monat allein schon deshalb merh Geld im Portmonnaie gehabt. Die Krise wird uns geimpft. Und nun machen alle schön mit. Ich will damit nicht sagen, dass es eine Möglichkeit gegeben hätte, dass es anders abläuft in der heutigen Medienwelt, doch die Ursachen sind doch wohl dort zu suchen. Machen wir weiter schön Panik! Basteln wir uns eine Wirtschaftskrise! Und Bingo: eine Krise, und das so schnell. Na, haben uns die Medien doch gleich gesagt. :-) Na, ich kann leider nicht mitmachen beim Sparen - ich habe ein Kind. Da macht Krise hin oder her keine Unterschied soweit.
.
PS: dank der schönen Spritpreise müssten die Leute momentan sogar etwas mehr im Beutel haben, oder?
Eisenbaer (04.12.2008, 19:50 Uhr)
Die Dinger "Gutscheine" zu nennen...
...ist sehr lustig. Denn eigentlich handelt es sich dabei doch nur um Schuldscheine, die spätestens von unseren Kindern zu bezahlen sind, und dann mit Zins und Zinseszins.

Und wer verdient als Einziger an dem ganzen Spuk? Na, genau jene Klientel, die uns die jetzt dampfende Sch...e auch eingebrockt hat.

Na, tolle Idee aber auch !!!
Aquarius2 (04.12.2008, 19:44 Uhr)
Wer war Gewinner, wer ist Verlierer?
Die Finanzkrise hat Ursachen.
Spekulanten und Hasardeure haben exorbitante Gewinne erzielt und dabei die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.
SPD-Politiker haben dafür in Deutschland den Weg bereitet.
Die Folgen baden nunmehr nicht die Steuervermeider, sondern die Steuerzahler aus.
Unverschämt ist es insbesondere, dass erst die Steuervermeider, vertreten durch FDP/CDU/CSU, den Staat durch Privatisierung und Steuersenkung arm machen und jetzt zur Tilgung der Verluste heranziehen wollen.
Nun wird der Begriff "Soziale Marktwirtschaft" durch die steuersparenden Leistungsträger vereinnahmt.
Nizzre (04.12.2008, 15:50 Uhr)
Erst den kleinen Selbständigen die Kunden verschrecken...
... und dann Konsum für die Belebung der Wirtschaft fordern.
Als kleiner Freiberufler spüre ich die Folgen des unseeligen Finanzkrisen-Katastrophen-Journalismus und der politischen Eiertänze hautnah.
Die Agenturen, die mich normalerweise gerne und gut beschäftigen - übrigens seit über 10 Jahren - wissen im Moment selbst nicht, was ihre Kunden, die Großunternehmen der Republik in den nächsten Monaten erwartet, also gibt es keine Etatzusagen, also gibt es für Freiberufler wie mich keine Arbeit.
Seit rund 3 Wochen nichtmal eine Wiederauflage oder ähnliches.
Also muss ich von meinen spärlichen Reserven leben - "der Aufschwung" war ja mehr so ein Gerücht und nicht geeignet, kleine Selbständige fett zu füttern.
Gleichzeitig haben - bis zum Sommer - die Banken, angetrieben von der EZB, die Kreditzinsen hoch getrieben, sind aber auch nach bereits der 3. Aufforderung immer noch nicht bereit, die Zinsen auch für ihre Endkunden zu senken.
Also: Wer bitte, soll mir - und meinen "Leidensgenossen" verwehren, wenn wir unser Restgeld, das nach Abzug der monatlichen Kosten überbleibt, zusammen halten?
Denn, wann sich die Lage entspannt und die Kunden wieder Aufträge vergeben, ist im Moment meiner Meinung nach wirklich noch nicht abzusehen.
Bis Ende Januar kann ich noch durchhalten... dann wird's eng.
Blacky007 (04.12.2008, 14:56 Uhr)
Wasn man nicht hat, kann man nicht zusammenhalten
WUndere mich immer wieder über unsere Medien und Politiker, die vom Sparen der Menschen reden. Viele kommen mit dem was sie im Monat haben, eben mal so über die Runden - die würden viel drum geben, wenn sie noch ein paar Euro übrig häten, die sie sparen können. Diese Konsumgutsciene sind -wie das meiste der Regierung- völliger Schwachsinn. Große Anschaffungen -wie etwa ein Auto- wird keiner mit 500 EUR eingehen. Es werden max. Elektrogeräte oder ein paar Klamotten gekauft. Profiteure davon werden die paar großen Unternehmen wie Media/Saturn, Kaufhof und Co sein - die dürfen sich dann einen Monat über mehr Umsatz freuen und im Nachfolgemonat ist die Flaute wieder da, wo sie heute auch schon ist. Da wird kein einziger Arbeitsplatz entstehen. Einzig eine mitel- bis langfristig ausgelgte Steuerrform wird sowohl den Binnenmarkt beleben, wie neue Arbeitsplätze schaffen, bzw. die vorhanden können erhalten bleiben. Zudem käme eine Senkung der MwSt, der Wegfall des Solis, die Bereinigung der progressiven Besteuerung und evtl. eine Senkung der MwsT bei Energie auf 7% allen Menscn zugute.
Sanjoaquin (04.12.2008, 14:44 Uhr)
Der HU-Joerges hat's schon gemerkt
Die Kommentare zu seinem Gastspiel im Kaufhaus wurden ziemlich schnell entfernt. Ich lach mich tot.
Kiezzabel (04.12.2008, 14:40 Uhr)
hahaha
"Die Deutschen halten ihr Geld zusammen"
was für'n Geld???
Und wenn ich welches hätte, würde ich jetzt auch warten und auf weiter sinkende Preise spekulieren. Ist doch völlig legitim!
mupfeline (04.12.2008, 14:30 Uhr)
Ich muss den Redakteur enttäuschen
von 800 Euro netto für eine 40Stunden-Woche sind schon seit Jahren keine Restaurantbesuche oder Urlaub mehr möglich. Und das wird sich mit diesen "Bezügen" auch nicht ändern ...
Josh67 (04.12.2008, 14:20 Uhr)
Wann merken auch die Journalisten
dass viele Leute kein Geld mehr haben zum ausgeben.
Hier wird immer so getan als ob die Masse der Bevölkerung Sparweltmeister sind.
Die meisten haben KEINE Geld zum sparen seit dem EURO und der neoliberalen Politik.
Hier werden Journalisten zu Erfüllungsgehilfen der verdummenden Propaganda der Lobbiisten.
Recherchieren Sie doch mal richtig, anstatt von DPA und Reuters abzuschreiben. Freie Medien, dass ich nicht lache!!!
Josh67 (04.12.2008, 14:14 Uhr)
Lächerlich
Ein enimaliger Gutschein wird nichts bringen.
Seit dem TEURO sind die Lebenshaltungskosten aufs doppelte gestiegen.
Raffgierige Konzerne haben Strom Gas und Wasser ebenfalls ständig erhöht u Ihre milliardengewinne den Aktinoären in den Ar... zu schieben.
Wir haben 100 Milliardäre in d-Land.
Lasst diese endlich mal vernünftige Steuern zahlen.
Weg mit der Agenda 2010!!!
Wenn ich einen "sicheren" Arbeitsplatz zu vernünftigem Lohn habe dann werde ich konsumieren!
Aber ein Gutschein hilft gar nix,das Geld verpufft.
Bildet endlich wieder Facharbeiter aus und gebt den Arbeitslosen die Chance auf Umschulung und Bildung.
Ab 40 Jahren will mich niemand mehr haben, aber ich soll bis 67 arbeiten bevor ich meine kümmerliche EURORente bekomme.
So geht das Land den Bach herunter.
Aber unsere durch und durch korrupten "Millionärsvertreter" kennen das Wort Volk gar nicht mehr.
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