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2007 Reloaded – droht eine neue weltweite Finanzkrise?

Hat das billige Geld der Nullzins-Jahre uns alle zu sorglos gemacht? Die französische Finanzaufsicht fürchtet, dass Aktien und Immobilien bei steigenden Zinsen "brutal" an Wert verlieren könnten.


Sollten die Kreditkosten steigen, wird es zu finanziellen Engpässen kommen.

Sollten die Kreditkosten steigen, wird es zu finanziellen Engpässen kommen.

Auf den ersten Blick geht es unser Wirtschaft blendend: ein solides Wachstum, geringe Arbeitslosenzahlen, unter Kontrolle  und stabile Exporte. Was soll da schon passieren?

Eine ganze Menge. Man sollte sich nur an die letzte 2007 erinnern.  Vor zehn Jahren geriet die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds. Auslösende Ursache waren faule Immobilienkredite in den USA – die Auswirkungen waren auf der ganzen Welt zu spüren. Diese Krise wirkt bis heute nach.

Deutliche Worte aus Frankreich

Nun hat die französische Finanzaufsicht AMF einen alarmierenden Risikobericht veröffentlicht, der ein ähnliches Szenarium in der nahen Zukunft für möglich hält. Der zentrale Satz lautet: "In dem Umfeld, in dem Jetzt, zählt eine brutale Neubewertung von Vermögenspreisen zu den großen Risiken." Was ist damit gemeint?  Die AMF fürchtet das Aktienkurse und Immobilien weltweit überbewertet sein können.

Die Dekade des billigen Geldes, in der die Zentralbanken Unsummen an Geld zu Billigzinsen in die Märkte drückten, habe die Marktteilnehmer sorglos gemacht. Geld hat nichts gekostet und so wurde es auch eingesetzt.

Drohender Wertverlust

"Brutale Neubewertung" heißt nichts anderes, als dass Aktien und Immobilienwerte pauschal schnell und deutlich an Wert verlieren könnten. Wichtige Signale gehen von den Notenbanken aus – mehrmals in kurzer Folge hat die US-Notenbank den Leitzins angehoben. Andere Notenbanken wollen diesem Beispiel folgen. Erklärtes Ziel ist es, dass die Ära des Billig-Geldes zu Ende geht. Viele Sparer haben die Null-Zins-Phase kritisch gesehen, als staatlich verordnete kalte Enteignung.

Finanzkrise: Das Streichholz im Benzinfass

Im Prinzip sieht auch die AMF moderate Zinserhöhungen als den richtigen Weg an, doch jede  "Zinserhöhung kann das Streichholz sein, das ins Benzinfass fällt", warnt die "Welt".  In den meisten Ländern ist die öffentliche und private Verschuldung in den letzten Jahren stark gewachsen. Scheinbar problemlos: Bei Zinsen nahe am Nullpunkt drücken auch die größten Schulden nicht. Der Schuldenberg wird sich bei steigendem Zinsniveau allerdings schmerzlich bemerkbar machen. Jedes Prozent mehr wird Staat und Haushalten die Kraft zum Atmen rauben. Anstatt zu investieren müssen dann erhebliche Mittel für den Schuldendienst abgezweigt werden. Das zarte Wachstum im EU-Raum könnte sich schnell in eine Rezession verwandeln. 

Am deutlichsten kann sich so ein Umschwung in Ländern mit überhitzten Immobilienmärkten zeigen. Hier kann es zu Schockreaktionen kommen. In Großbritannien sind alle Zutaten für diese potenzielle Abwärtsspirale vorhanden.  Dort sinken die Immobilienpreise bereits. Die Sonderbelastung durch den Brexit könnte wie ein Turbo auf die drohende Immobilienkrise wirken. Überbewertete , die mit einem Zins nahe Null finanziert wurden, können mit spürbaren Zinsen von den Eigentümern nicht mehr gehalten werden. Am Markt lassen sich die Preise aus der Sorglos-Phase nicht mehr erlösen. Geraten die Preise einmal ins Rutschen, gibt es so schnell kein Halten mehr – wenn zuvor der ganze Immobilienmarkt von der spekulativen Hoffnung auf immer schneller steigende Hauspreise angefeuert wurde. Und genau so ein Szenario hat die Krise 2007 ausgelöst.


Kra

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