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Immer mehr Mastbetriebe: Das Ende vom Bauernhof-Märchen

Deutschland liebt Fleisch, seit Jahren ist der Konsum immens. Um die Nachfrage zu bedienen, steigt die Zahl der Großbetriebe. Gleichzeitig geben immer mehr kleinere Landwirte auf. Fleischfabriken statt Bauernhof-Idyll.

  Immer größere Fleischfabriken und immer weniger Bauernhöfe: Die Fleischproduktion ist längst eine Industrie. 

Immer größere Fleischfabriken und immer weniger Bauernhöfe: Die Fleischproduktion ist längst eine Industrie. 

In Deutschland wird immer mehr Fleisch von immer weniger Betrieben produziert. Die Fleischindustrie sei durch einen "tiefgreifenden Strukturwandel zu Lasten kleinbäuerlicher und mittelständischer Betriebe" geprägt, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten "Fleischatlas 2016" der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Entwicklung gefährde die Trinkwasserversorgung und gehe oftmals mit einer Missachtung des Tierwohls einher.

"Industrialisierung" der Tierzucht

"In den letzten 15 Jahren mussten bis zu 80 Prozent der Betriebe bzw. Bauernhöfe die Tierhaltung aufgeben, während gleichzeitig bundesweit bis zu 50 Prozent mehr Fleisch produziert wird", erklärte Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.

Massiv von der "zunehmenden Industrialisierung" betroffen ist demnach vor allem die Rinder- und Schweinezucht in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. "Der Trend zu Megamastanlagen geht weiter", ergänzte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Neue Mastanlagen würden vor allem dort gebaut, wo die Fleischindustrie bereits verwurzelt sei.

Auswirkungen auf die Umwelt

 In den Regionen seien die Ammoniak-Emissionen aus den Ställen und die Nitratwerte im Grundwasser schon heute sehr hoch, bemängelte Weiger. Zudem werde das Wohl der Tiere in den großen Betrieben in vielen Fällen nicht beachtet. Während 1994 in Deutschland noch 3,7 Millionen Tonnen Schweinefleisch produziert wurden, lag die Zahl 2014 demnach bereits bei 5,5 Millionen Tonnen. Prozentual gesehen noch stärker fiel demnach die Steigerung bei Hühnerfleisch aus: Sie stieg von 342.000 Tonnen 1994 auf 972.000 Tonnen 2014.

Deutsche würden mehr für Fleisch zahlen

Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung untersuchten in ihrem "Fleischatlas" die Fleischproduktion und den Fleischkonsum in den Bundesländern. Der Fleischkonsum deutscher Verbraucher entwickelte sich demnach in den vergangenen Jahren leicht zurück, blieb aber auf einem hohen Niveau: 2014 verzehrte jeder Deutsche pro Kopf demnach 38,2 Kilogramm Schweinefleisch, 11,5 Kilo Geflügel und 8,9 Kilo Rind. 2013 lagen die Werte demnach noch bei 38,5 Kilo (Schwein), 11,5 Kilo (Geflügel) und neun Kilo (Rind). Positiv werteten BUND und Heinrich-Böll-Stiftung, dass über 80 Prozent der Deutschen bereit seien, höhere Preise für Fleisch und Wurst zu bezahlen, wenn sie dadurch zu besseren Haltungsbedingungen der Tiere beitragen könnten.

kg/AFP
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