HOME

100 Milliarden Steuerzuschuss - und doch ist die Rente nicht sicher

Bald zahlt der Bund 100 Milliarden im Jahr in die Rentenkasse ein. Tendenz steigend. Doch Älterwerden und Bundeszuschuss wären kein Problem, wenn ein anderer Trend nicht die Rentenkasse austrocknen würde.

So wünschen sich viele den Ruhestand - aber werden sie ihn sich auch leisten können?

So wünschen sich viele den Ruhestand - aber werden sie ihn sich auch leisten können?

Die Rentenkasse ist ein ungeliebtes Kind der Republik. Die Rentner schimpfen über niedrige Bezüge, die jüngeren Generationen über zu hohe Beiträge – sie fürchten noch geringere Renten als heute, wenn sie an der Reihe sind. Dabei sind die tatsächlichen Leistungen der weit besser als ihr Ruf – das liegt auch daran, weil der Steuerzahler kräftig zubuttert. Zumindest sieht es auf den ersten Blick so aus. 91 Milliarden Euro überweist der Bund in diesem Jahr an die Rentenkasse – das macht fast ein Drittel der Auszahlungen aus. Ein enormer Betrag. Bei keiner anderen Form der Alterssicherung kann man mit einem Drittel Staatszuschuss rechnen. Aus der Rolle des Big Spenders kommt der Staat auch nicht so schnell heraus, wie die Finanzplanung des Bundes berechnet hat. Im Jahr 2020 rechnet man mit 103,5 Milliarden Zuschuss. Im Jahr 2030 sind etwa 135 Milliarden fällig – bezogen auf ein prognostiziertes Gesamtvolumen der Rente von 400 Milliarden.

Hohe Zuschüsse für die Rente

Die Zuschüsse des Bundes setzen sich im Wesentlichen aus derzeit den 44 Milliarden es allgemeinen Zuschuss zusammen und 24 Milliarden, die pauschal sogenannte versicherungsfremde Leistungen abgelten sollen. Hinzu kommen weitere kleinere Subventionen. Der Begriff "versicherungsfremde Leistungen" umfasst die Zahlungen, die aufgrund von Eingriffen des Gesetzgebers geleistet werden müssen, denen aber keine oder keine ausreichende Einzahlungen gegenüberstehen. Die sogenannten Mütterrenten gehören dazu.


Versicherte bezahlen die Sozialpolitik 

Über die wirkliche Höhe der versicherungsfremden Leistungen streiten sich die Experten – sicher ist allerdings, dass sie die Rentenkasse stark belasten und der pauschale Zuschuss die Zahlungen nur teilweise ausgleicht. Zu einem guten Teil müssen also die Beitragszahler und nicht die Steuerkasse die Kosten sozialer Wohltaten aufbringen. Je nach Berechnung und politischem Lager wurde die Summe der versicherungsfremden Leistungen schon 2011 auf 58 bis 93 Milliarden Euro taxiert. Schon der kleinere Satz macht deutlich, dass der Staatszuschuss im Wesentlichen die Folgen der ergänzenden Sozialgesetzgebung begleicht.

Solange die Wirtschaft brummt ...

Angesichts der steigenden Zuschüsse raufen sich konservative Kommentatoren die Haare und fragen, wer soll das bezahlen? Tatsächlich steigt der Finanzbedarf der Rentenkasse in etwa um drei Prozent pro Jahr. Doch das sind nominale Zahlen und darum bleibt die auch in Zukunft bezahlbar. Seit dem Jahr 2000 belief sich die Inflationsrate auf Werte von 0,4 Prozent (2009) und 2,6 Prozent (2008), das reale Wirtschaftswachstum lag zuletzt bei 1,9 Prozent. Setzt sich diese Entwicklung einer geringen Inflationsrate und eines kleinen, aber doch stabilen Wachstums fort, bleibt die Rente sicher. Solange der Anteil der Rentensummen an der Wirtschaftsleistung stabil bleibt, bleibt die Rente auch bezahlbar – mit welchem Finanzierungsmodell auch immer.

Schlechte Löhne bedeuten geringen Beiträge

Ob das bisherige Modell auch in Zukunft greift, hängt jedoch primär von der Entwicklung der Lohnsumme in Deutschland ab, weil die Beiträge von den abhängigen Beschäftigen und den Arbeitgebern aufgebracht werden. Gut bezahlte, regelmäßige Arbeit in Vollzeit lässt die Einnahmen sprudeln, unstetige Beschäftigung, Mini-Jobber und viele Teilzeitkräfte führen zu geringen Einnahmen. Die unmittelbare Gefahr der Rentenkasse droht daher nicht von der Demografie. Das Älterwerden der Gesellschaft wäre durchaus zu schultern, wenn die erwerbstätigen Beitragszahler angemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt würden. Die Vergangenheit zeigt aber, dass eine gute Wirtschaftslage keineswegs zu guten Löhnen führt. 

Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab es 1991 noch 28,9 Millionen Arbeitnehmer in Vollzeit, im zweiten Quartal 2016 waren es noch knapp 24,2 Millionen. Das sind 4,7 Millionen weniger, während die Bevölkerung in der gleichen Zeit um fast zwei Millionen zunahm. Zugleich stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten enorm. Und zwar von 6,3 Millionen auf mehr als 15 Millionen. Hierunter fallen nicht nur versicherungspflichtige Teilzeitjobs, sondern auch Mini-Jobber und ein Ein-Euro-Tätigkeiten. 

Mit der Agenda 2010 wurde in Deutschland der Niedriglohn-Sektor – kombiniert mit Teilzeitarbeit - massiv ausgebaut. Sollte sich dieser Trend des Wegfalls gut bezahlter Vollzeitstellen auch in Zukunft fortsetzen, dürfte die Rentenkasse im Jahr 2030 ernsthafte Probleme bekommen. 

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren