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9. November 2008, 12:45 Uhr

Anlageberatung Warum habt ihr uns um unser Geld gebracht?

Zoom

© stern-Infografik

Die Langenkämpers sagen, sie wussten nicht, wie ihr Geld angelegt wurde. Was Zertifikate sind, können sie nicht erklären. Wenn ihr Berater sie anrief und verkündete: "Es ist Geld frei", antwortete Karl-Heinz Langenkämper: "Dann schichten Sie um, aber ohne Risiko." Erst jetzt, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, sahen sie sich ihr Depot an und entdeckten, dass ihre Anlagen in den Abgrund trudelten.

Riskante Unwissenheit

Selbst schuld, könnte man sagen. Wer sich so naiv seinem Berater anvertraut, muss damit rechnen, über den Tisch gezogen zu werden. Leider sind nicht nur die Langenkämpers finanzielle Analphabeten: In Umfragen kann die Mehrzahl der Deutschen nicht erklären, was es mit dem Dax auf sich hat, dem Deutschen Aktienindex, der die Börsenkurse der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften abbildet.

Norbert Zipf, Betriebsrat bei der Landesbank Baden-Württemberg, kritisiert die Kunden: Immer öfter wollten sie Schnäppchen statt solider Anlagen. Die Dresdner Bank schreibt in einer Stellungnahme gegenüber dem stern zum Fall Langenkämper, das Ehepaar habe nach Anlagen mit mehr Ertrag gefragt. Belegen kann die Bank das allerdings nicht.

Norbert Zipf meint: "Kunden und Berater schaukeln sich gegenseitig hoch - schneller, höher, weiter. Wegen ein paar Cent mehr geht der Kunde zu einer anderen Bank." In kaum einem anderen Land Europas buhlen so viele Geldinstitute um die Gunst der Privatanleger. "Germany is overbanked", in Deutschland gebe es zu viele Banken, analysieren Rating-Agenturen. Gut für die Kunden: Sie werden mit Angeboten überschüttet, bekommen bei vielen Banken ein kostenloses Girokonto und werden in schicken Foyers freundlich empfangen. Schlecht für die Kunden: Die Banken trauen sich nicht, ihnen offen zu sagen, dass all die hübschen Werbeprospekte und Designermöbel irgendwer bezahlen muss - nämlich sie, die Kunden. Beratung ist kostenlos, wird immer noch suggeriert. Die Hypo-Vereinsbank fordert in ihrem Werbeslogan direkt dazu auf, ihr alle Gelddinge sorglos zu überlassen: "Leben Sie. Wir kümmern uns um die Details."

Auslese nach Kontostand

Wie das im Detail dann aussieht, kann Anja Meissner erzählen. Sie ist Beraterin in einer Filiale der Hypo-Vereinsbank in München. Dort herrsche ein "Zweiklassensystem", erzählt sie: Wer vermögend sei, kritisch und gut informiert, der werde einigermaßen seriös beraten. "Der Rest bekommt Standardprodukte aufgedrückt."

Anja Meissner hat von jedem ihrer Kunden ein Profil angelegt, fragt gezielt nach dem kranken Hund, der Einschulung der Kinder: "Dann fühlen sich die Leute individuell behandelt und vertrauen mir." Sie fasst es manchmal nicht, wie sehr sich Menschen in ihre Hände geben: "Die glauben alle noch an die Bank. Das ist so, als würde ich an den Weihnachtsmann glauben." Kunden, die sie mag, warnt Anja Meissner schon mal: "Kaufen Sie nichts, was Sie nicht verstehen. Ich bin von der Bank, ich vertrete nicht Ihre Interessen."

So einen ehrlichen Satz hätte sich Jonas Wolf* von seinem Berater bei der Citibank in Neuss auch gewünscht. Der 23-jährige Student hatte von seinen Eltern 12 000 Euro geschenkt bekommen, die er für seine Zukunft sparen wollte. Angelegt wurde das Geld in Lehman-Zertifikaten. Noch wenige Tage vor der Pleite der Bank hatte ihm sein Betreuer versichert, die Papiere seien sicher. Jetzt sitzt Jonas Wolf zusammen mit seiner Mutter dem Verkäufer gegenüber. Seine Schuhe sinken in einen weichen Teppich, die Wände schimmern leicht golden, der Raum ist in warmes Licht getaucht. Der Berater trägt Krawatte mit Goldstreifen. Zumindest die Verpackung stimmt im "Citibank Goldkunden-Bereich".

So kompliziert wie möglich

Der Berater redet beruhigend auf Jonas Wolf und seine Mutter ein: "Ihre Zertifikate wurden über die holländische Tochter von Lehman vertrieben, die stand auf gesunden Füßen. Es kursieren Gerüchte, dass Sie bis zu 60 Prozent Ihrer Anlagen zurückerhalten." Alle diese Informationen sind falsch, und der Bankberater müsste das auch wissen. Die "holländische Tochter" von Lehman ist nur eine Vertriebsagentur, die Zertifikate kommen direkt von der Pleitebank aus den USA. Und wie viel zurückgezahlt wird, ist ungewiss. Jonas Wolf, den ein stern-Mitarbeiter inkognito zum Gespräch begleitet hat, wurde schlecht beraten, aber seinen Namen will er nicht nennen: "Ich stehe sonst als Idiot da."

Rolf Gruber* hat viele der Anlageideen entwickelt, die die Berater an die Kunden bringen sollen. Als Investmentbanker einer deutschen Großbank mischte der 33-Jährige chinesische und vietnamesische Aktien in Asienfonds und erfand neue Rohstoff-Investments. Kompliziert sollten die Produkte sein, denn je verschachtelter, desto mehr Gewinnmarge kann die Bank darin verstecken. "Aber bis neue Trends, wie etwa chinesische Aktien, beim Kunden ankamen, war die Blase schon riesengroß", sagt Gruber.

Zoom

Roswitha Langenkämper und ihr an multipler Sklerose erkrankter Mann Karl-Heinz verloren mehr als 40.000 Euro© Andreas Endemann

Im vergangenen Jahr schrieb er an Freunde und Bekannte, unter ihnen auch Unternehmer. Er warnte vor einem baldigen Crash, vor Bankenpleiten. Sein Arbeitgeber kündigte ihm. Rolf Gruber sitzt nicht mehr im lärmigen Frankfurter Großraumbüro zusammen mit 400 anderen Investmentbankern, sondern in seinem kleinen Wintergarten zu Hause im Sauerland. Er werde nie wieder als Investmentbanker arbeiten, sagt er. Er selbst würde nur noch ganz einfache Anlageprodukte kaufen, dazu ein bisschen Gold. "Dieses Kurzfrist-Denken ist vorbei. Die Bankenwelt besinnt sich." In den Tarifverhandlungen der Bankbranche fordern die Arbeitgeber, bei ihren Beratern einen größeren Teil des Gehalts an die Leistung zu knüpfen. Aber solange die Leistung darin besteht, möglichst vielen Kunden immer wieder neue teure Produkte aufzuschwatzen, wird sich nichts ändern in der Bankenwelt. Im Gegenteil.

Seitenwechsel

Matthias Krapp glaubt, dass die Banken die Zeitenwende immer noch nicht verstanden haben. Der 46-Jährige hat vor einem halben Jahr seinen Job als Kundenbetreuer bei einer Genossenschaftsbank gekündigt. An seinem letzten Arbeitstag umklammerte er das Abschiedsgeschenk seiner Kollegen - "eine hochwertige Aktentasche" - und heulte los. "Wie ein kleiner mutterloser Hund stand ich da, es war ein bisschen peinlich", sagt Krapp. Er hat ein nicht abbezahltes Haus, zwei Kinder. "Aber ich konnte so nicht weitermachen." Jetzt ist er selbstständig und berät Anleger gegen ein festes Honorar. Er sagt, endlich könne er seinen Kunden wieder in die Augen sehen: "Man muss sich entscheiden: Berater oder Verkäufer. Ein Mittelding gibt es nicht. ‚Ein bisschen schwanger‘ geht ja auch nicht."

Einige Banken versuchen ihn dennoch, den Mittelweg zwischen Vertriebs- und Kundeninteresse. Die kleine Quirin Bank zum Beispiel verzichtet auf pauschale Provisionen, verlangt dafür ein Monatshonorar und beteiligt sich am Anlageerfolg ihrer Kunden.

Die "Frankfurt School of Finance", das größte unternehmensübergreifende Fortbildungsinstitut für Bankkaufleute, setzt wieder auf mehr Fachwissen, sagt Geschäftsführer Ingolf Jungmann. Bei jungen Bankangestellten wurde in letzter Zeit hauptsächlich darauf geachtet, dass sie charmant auf Menschen zugehen können. "Da gab es Übertreibungen, jetzt wird wieder in Kompetenz investiert", sagt Jungmann. Auch beim Fach "unternehmerische Ethik" sieht er "Nachholpotenzial".

Gefährliche Grauzone

Verbraucherschützer fordern neue Gesetze, um Anleger besser zu schützen. Zwar gibt es bereits seit vergangenem Jahr eine europäische Richtlinie, genannt Mifid, die die Banken verpflichtet, ihre Kunden ordentlich zu informieren. Konsequent umgesetzt werden die Mifid-Regeln aber nicht. Und wenn ein Kunde falsch beraten wurde, gelingt es ihm meist nicht, das auch zu beweisen. Das Verbraucherministerium überlegt, die Beweispflicht umzukehren. Die Banken müssten dann belegen, dass sie fehlerlos beraten haben. Bis es so weit ist, raten Verbraucherzentralen den Kunden, ein Protokoll jedes Gesprächs zu verfassen und vom Berater unterschreiben zu lassen. Bei wichtigen Terminen sollte man einen Zeugen mit in die Bank nehmen.

Für die Langenkämpers aus Bottrop kommen diese Tipps zu spät. Als sie entdeckten, was man ihnen ins Depot gepackt hatte, seltsame Anlagen mit Namen wie "Global Champion Zertifikat" und "Bonus Barriere", als sie dann noch die fallenden Kurse sahen, gerieten sie in Panik und verkauften alles auf einen Schlag. Verzweifelt schob Roswitha Langenkämper an diesem Tag im Oktober den Rollstuhl ihres Mannes aus der Bank. Die Kurzschlussreaktion kostete sie mehr als 40.000 Euro, fast die Hälfte ihres angesparten Vermögens.

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 45/2008

Mitarbeit: Rolf-Herbert Peters, Joachim Reuter
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KOMMENTARE (10 von 28)
 
Eisenbaer (11.11.2008, 10:45 Uhr)
Was erwarte ich eigentlich von einem "Verkaufs-Berater"...
...eines Unternehmens: eine loyale Haltung gegenüber mir dem Kunden oder nicht eher die loyale Haltung gegenüber seinem Unternehmen, von dem dieser seinen Lebensunterhalt bezieht?

Diese Frage kann sich jeder leicht selbst beantworten, der bei irgendeiner Firma angestellt ist und nicht in die Firma des Kunden zu wechseln beabsichtigt.

Warum vermeinen aber so viele Mitbürger, dass es gerade bei den Banken und Versicherungen ganz anders sein sollte??????

Die gleichen leute, die im Schlußverkauf stundenlang an den Wühltischen kämpfen legen bei der eigenen finanziellen Vorsorge plötzlich eine Raffzahnmentalität an den Tag, dass sie einfach zum Opfer werden lassen muss. Denn mit dem gleichen Enthusiasmus, mit der sie nach Rabatt-Prozenten geifern, gieren sie auch nach Prozenten bei ihren Geldanlagen.

Klar, darauf angesprochen wollen die meisten nur ein solides Sparbuch. Leider nur haben sie Ansprüche an ein solches, die sich mit dieser Anlageform in keinster Weise aber realisieren lassen. Denn "Sparbuch" bedeutet immer noch: Rendite kaum über dem Inflationswert, wobei es nicht einmal sicher ist, dass die eigenen Anlagebeträge nach vielen Jahren Sparens noch den Wert haben, den sie zu ihrer Anlagezeit besaßen.

Ich kenne einige Leute, die einzig aus der z.T. selbstgeschürten Angst heraus, dass Ihr Sparbuch eines Tages "nichts mehr wert sein könnte" in halsbrecherische Finanzkonstrukte geflüchtet sind und jetzt mehr oder weniger vor dem Nichts stehen. Auch weil sie schlicht weghörten, dass sie nicht alle ihre Ersparnisse in diese Anlageform stecken sollten, sondern nur max. 20%-25%. Aber sie konnten schlicht gesagt die eigene Gier nicht zügeln... und haben nun den Salat.
GudrunHelga (11.11.2008, 10:39 Uhr)
Eigeninteresse
Der Beitrag ist sehr informativ. Insbesondere die Vertriebsstrukturen, die dem Außenstehenden normalerweise verborgen bleiben, werden erhellt.
Übrigens fand ich einen Beitrag, worin ersichtlich wird, dass die Citigroup die größte Gläubigerin von Lehman Brothers ist (vgl.http://www.bank-undkapitalmarkt.undrecht.info/Pleite_bei_Lehman_Brothers.html).
susolgi2004 (10.11.2008, 21:10 Uhr)
EXAKT!!!
Genau so, wie hier beschrieben, genau so ist die Realität.
Ich bin selber Bankkauffrau, und um ehrlich zu sein, habe ich schon sehr, sehr lange auf diesen Boomerangeffekt, wie ich ihn immer genannt habe, gehofft. Jetzt endlich ist die Diskussion ausgebrochen "dank" dieser furchtbaren Finanzkrise.
Ich finde es einfach ein Unding, wenn einem wirklich fähigen Berater, zwar nicht im direkten Wort aber zwischen den Zeilen sehr gut verständlich erklärt wird, wenn nicht in ausreichender Weise ein bestimmtes Produkt von ihm verkauft wird, dass dann sein Job auf dem Spiel steht. Wie soll man denn so mit freiem Kopf seiner BERATER- Tätigkeit nachgehen und kundenorientiert verkaufen??? Der Druck von oben ist unerträglich, die "kleinen" Berater bekommen Druck von ihren Vorgesetzten, die wiederum von den entsprechenden Gebietsleitern, und denen stehen die Regionalleiter wieder auf den Füßen. So zieht sich das bis oben hin durch... Und ganz oben stehen die, die so fern vom Tagesgeschäft in den Filialen der Banken entfernt sind, dass ihnen womöglich gar nicht klar ist, wie unerträglich die Situation "ganz unten" ist.
Es ist eine einzige Stress und Druck-Vertriebs-Pyramide. Und das ist- mit Verlaub gesagt, zum Kotzen!!! All das Beschriebene hat nichts damit zu tun, dass man einem normalen Alltags-Arbeits-Stress nicht gewachsen wäre, hier geht es um Psycho-Stress, der auf einen ausgeübt wird. Ich hoffe so sehr, dass sich endlich etwas ändert und die Bank-Berater wieder mit erhobenen Köpfen ihrem eigentlichen Beruf nachgehen können- Beraten und Bankprodukte wirklich entsprechend der Bedürfnisse und Vorstellungen der Kunden an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.
SABATA (10.11.2008, 16:35 Uhr)
Berater und Verantwortliche
Mal Realistisch ! Jeder der Geld hat um Anzulegen sollte sich doch auch selber
Informieren welche Anlage OK ist .
Nun Alles den Beratern und Banken sowie Versicherungen in die Schuhe zu schieben ist doch Billig .
Außerdem , die Politik und Aufsichtsbehörden , Vorstände haben doch seit Jahrzehnten die Verantwortung über Alles und werden Hoch bezahlt , frage ich mich wofür ?
Medley (09.11.2008, 19:31 Uhr)
Leben Sie. Wir ruinieren ihre Existenz
@Eboz
Die Langenkämpers wollten doch keine hohe Rendite, sondern eine sichere, risikolose Anlage. Ist im Artikel schwarz auf weiß nachzulesen.
@anjothe
Soso, sie glauben also kein Wort von dem was im Artikel steht...Dann lesen sie mal das:
"Praktiken der Bankberater
„Ich habe Sie betrogen“
von Melanie Bergermann, Wirtschaftwoche
In vielen Filialen deutscher Banken herrschen Zustände wie in einer Drückerkolonne. Jetzt packen Bankberater aus: Wie sie Kunden belügen, weil sie dem Vertriebsdruck, den Drohungen und Demütigungen ihrer Vorgesetzten nicht mehr gewachsen sind. Sie sind Opfer und Täter zugleich. Der Report über ein Tabuthema..............."
Link zum Artikel: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/ich-habe-sie-betrogen;1389647
leboz (09.11.2008, 16:58 Uhr)
auch für Langenkämpers
gilt der Satz "Trau, schau, wem". Das ist doch im übrigen bekannt. Wenn man eine hohe Rendite haben will, muß man ein hohes Risiko in Kauf nehmen.
makira (09.11.2008, 16:22 Uhr)
Einfluss
Solange die Banken sagen wo es lang geht, wird sich nichts daran ändern. Wenn man die Kapitalerträge genauso mit Steuern und Abgaben belegen würde, könnte der Staat in Geld schwimmen.
acitapple (09.11.2008, 15:06 Uhr)
erst besser machen...
dann über die bösen banker motzen. bei mir sitzen einige von denen, die sich von der front zurückgezogen haben, eben aus den genannten gründen. leider macht nicht jeder finanzberater den beruf nur aus spaß, ist also auf sein gehalt angewiesen um z.b. eine familie zu ernähren. schon mal daran gedacht, daß es nicht gerade einfach ist in so einer situation eine umschulung zu machen ?? oder daran, daß die leute bei der berufswahl keinen blassen schimmer davon hatten, wo sie da hineingeraten ? da läßt sich schön einfach motzen und alle über einen kamm scheren. hey, ich hab ne tolle idee: stellen wir einfach alle bankmitarbeiter an die wand ! sollte doch kein problem sein, oder ?
und wenn wir schon dabei sind schauen wir uns mal die anderen branchen an, die man genauso einfach handhaben kann: versicherer, bauunternehmer, alle möglichen handwerker, politiker, beamte, journalisten, lebensmittelfabrikanten...usw.
sekretariat (09.11.2008, 15:04 Uhr)
Selbsterkenntnis?
Liebe Banker, konstruktive Selbstkrititk würde glaube ich auch eine Analyse der eigenen Position umfassen. Fragen wie: Warum finde ich meinen Beruf trotzdem so gut? Sollte man sich doch auch stellen. Hat den ein oder anderen vielleich doch das Geld, das Prestige und die Karrieregeilheit in diese Position gebraucht? Die kollektive Opferrolle nehme ich da keinem ab.
Knaatschie (09.11.2008, 14:50 Uhr)
so läuft es in den Banken
Als ehemaliger Vermögensberater kann ich dem Artikel nur zustimmen.
Fakt ist, die Zinsmarge (Zinsertrag aus Geldanlage und Geldverleihung) geht bei den Banken kontinuierlich seit Jahren zurück. Da jede Bank aber Gewinn machen will bzw. muss, müssen die Erträge über die Provisionen fliessen.
Wer schon mal was vom Magischen Dreieck der Geldanlage was gehört hat, der weiss, dass man höhere Erträge entweder über eine längere Laufzeit oder über höhere Risiken erzielen kann. Da aber kaum ein Anleger langfristig anlegen möchte, bleibt nur der andere Weg übrig.
...und bevor das Geld das Haus verlässt...
Was im Einzelhandel geiz ist geil ist, trifft abgewandelt auch auf die Banken und deren Kunden zu.
Und zu einigen Kommentaren gegen die Bänker möchte ich nur folgendes sagen : Die Berater an der Front sind die ärmsten Schweine. Die bekommen einerseits von den Kunden auf die Fresse, weshalb die Konditionen schlechter sind wie bei der Direktbank und auf der anderen Seite müssen Sie sich andauernd rechtfertigen, warum sie diesen oder jenen Schrott noch nicht verkauft haben.
Dieser Verkaufsdruck hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Die meisten Berater waren viele Jahre auch als tatsächlich objektive und faire Berater zugunsten der Kunden tätig. Es wurde Wert auf eine langfristige und gute Vertauensbasis gelegt. Diese Berater sind nicht mehr erwünscht. Man benötigt Verkäufer, weil nur noch der kurzfristige Erfolg fehlt. Der Kunde ist egal.
Ich hörte von Beratern einer Großbank, dass am Jahresende 3% des Kundenvolumens als Ertrag bei der Bank sein muss. Die Rendite am Kapitalmarkt hat das nichr hergegeben.
Ich bin zwar immer noch als Bänker tätig, aber mittlerweile im Innenbetrieb. Ansonsten hätte ich wahrscheinlich den Laden schon verlassen - aber als alleiniger Geldverdiener mit minderjährigen Kinder und abzuzahlendem Haus fällt dieser Schritt ab 40 Jahren nicht leicht.
Glauben Sie mir, die meisten Bänker würden gerne richtig beraten, man lässt sie aber nicht !!!
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