
Angesichts dramatisch steigender Ölpreise fordert US-Investor George Soros ein Verbot des Handels mit Rohstoffen für große amerikanische Pensionsfonds© Stefan Zakler/dpa
Ja, so wird man quasi rausgehauen, freigekauft. Doch der vermeintliche Boom wird irgendwann zur Krise. Und genau das erleben wir gerade: das Ende eines Superbooms, das Scheitern einer falschen Ideologie. Wir erleben das Ende der Wohlfühlgesellschaft, das Ende einer Ära.
Ich glaube, eine Rezession ist unvermeidlich. Die USA haben jahrelang das Geld der Weltwirtschaft quasi aufgesogen - denn der Dollar war die weltweite Leit- und Reservewährung. Wir haben uns von allen Geld geliehen, haben mehr konsumiert als produziert, sind hoch verschuldet. Doch jetzt wird der Dollar als Reservewährung immer unwichtiger. Die Preise steigen, Häuser- und Kreditkrise hängen wie ein Damoklesschwert über uns. Wir haben gar keinen Spielraum mehr. Und Europa macht es auch falsch: Dort werden aus Angst vor der Inflation die Zinsen erhöht. Das ist nicht klug. Die Rezession geht zwar von den USA aus, aber die Europäer sind dabei, diese Rezession zu importieren.
… ich kritisiere Bush ja wirklich für vieles, aber in diesem Bereich war er nur braver Schüler. Sein schreckliches Erbe ist vielmehr der sogenannte Krieg gegen den Terror. Der lieferte den Vorwand für den Krieg gegen den Irak. Bush unterminierte unsere Bürgerrechte und die Fundamente unserer Verfassung.
Ja, und am schlimmsten ist der Missbrauch des Wortes Demokratie durch Bush. Ich habe im Laufe meines mittlerweile recht langen Lebens die Hälfte meines Vermögens für die Förderung der Demokratie in der Welt ausgegeben …
… und ich habe dabei gelernt, dass Menschen selbst den Weg zur Demokratie finden müssen. Man kann ihnen bestenfalls dabei helfen. Aber man kann Demokratie nicht erzwingen. Bush hat die Prinzipien der Demokratie missbraucht. Das ist sein Erbe. Er ist ja nur noch wenige Monate im Amt. Auf welchen Nachfolger spekuliert George Soros? Wenn es nach Ihnen in Europa ginge, wäre die Wahl ja schon klar: Barack Obama.
Ja. Denn Barack Obama ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Er hat das Potenzial, Amerika wirklich zu verändern. Das zeigt sein Werdegang, sein Leben als Schwarzer in einer weißen Gesellschaft, sein Streben nach Versöhnung. Er hat die Substanz, die gewaltigen Probleme des Landes anzupacken. Denn am Wahltag wird die Menschen nur noch eines interessieren: ihr Arbeitsplatz, die Immobilienkrise. Es wird um die Wirtschaftslage gehen.
Ich glaube, Amerika ist so weit. Und es wäre gut für die Welt. Denn Obama hat ein besseres Verständnis für die Welt, dafür, wie andere Menschen fühlen, wie sie leben. Und dieses Gefühl für den Rest der Welt braucht Amerika jetzt dringend. Außerdem haben die Republikaner ja vollkommen abgewirtschaftet.
Ich respektiere ihn, seine Geschichte. Doch der Mann ist ja quasi vorsintflutlich. Nein, er ist viel zu sehr in der Vergangenheit verwurzelt. Es wäre ja, als ob man Herbert Hoover wählen würde …
Ich habe keinen Zweifel, dass John McCain ein guter Mann ist. Aber er ist einfach der falsche Mann für unsere Zeit.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 28/2008
Zur Person Wall-Street-Star In Budapest wird George Soros 1930 geboren. Mit gefälschten Papieren entgeht die jüdische Familie dem Holocaust. Soros flieht 1947 nach London, schlägt sich als Bademeister und Kellner durch, studiert Philosophie und Ökonomie. Später arbeitet er als Analyst und Broker an der Wall Street. Seit Ende der 60er Jahre leitet Soros seine eigenen Investmentfonds. Berühmt wird er 1992, als er durch seine Spekulationen die Bank von England zur Abwertung des Pfundes zwingt und damit eine Milliarde Dollar verdient. Heute wird sein Gesamtvermögen auf rund neun Milliarden Dollar geschätzt.