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20. Mai 2008, 10:30 Uhr

Gleiche Arztleistungen für mehr Geld

Im Streit um die Arzthonorare zeichnet sich ein Kompromiss ab. Die Kassenärzte halten die von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in Aussicht gestellte Steigerung um 2,5 Milliarden Euro für akzeptabel. Allerdings nur, wenn mindestens 30 Prozent der Arztleistungen kostenpflichtig bleiben.

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Hausärzte sind der Sockel der Versorgungssicherheit – und sie sind nach eigener Einschätzung unterbezahlt© DAK/van den Berg

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) geht im Streit um die Erhöhung der Arzthonorare auf Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zu. "Mit 2,5 Milliarden Euro ist die Gefahr noch nicht gebannt", sagte KBV-Chef Andreas Köhler in Ulm. Wenn allerdings bis zu 30 Prozent der Leistungen außerhalb der Budgetierung blieben, also nicht in den Leistungskatalog aufgenommen würden, sei auch eine geringere Aufstockung als die bisher geforderten 4,5 Milliarden Euro denkbar.

Gesundheitsministerin Schmidt hatte zuletzt in Aussicht gestellt, die Honorare für die Hausärzte und niedergelassenen Fachärzte von heute rund 23 Milliarden Euro um etwa zehn Prozent aufzustocken. Eine Summe von rund 2,5 Milliarden Euro ist im Gespräch. Dies bedeutet etwa 0,25 Prozentpunkte zusätzlich beim Krankenkassenbeitrag.

Bei der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung in Ulm lehnte Köhler dieses Angebot noch scharf ab. Stattdessen unterstrich der KBV-Chef seine Forderung nach mindestens 4,5 Milliarden Mehreinnahmen für die Kassenärzte. "Ohne diese Finanzspritze ist die Versorgung der Patienten nicht mehr zu gewährleisten", warnte Köhler. Er kündigte eine "Protest- und Ausstiegswelle ungeheuerlichen Ausmaßes" an, falls das Geld nicht bei den Ärzten ankommt.

Massive Proteste angedroht

Am Wochenende hatte auch Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe mit neuen Medizinerprotesten gedroht, wenn die Honorare im nächsten Jahr nicht deutlich stiegen. "Wenn die Ärzte wieder den Eindruck gewinnen müssen, dass sie mit Brosamen abgespeist werden, kann das nur massiven Protest hervorrufen", hatte er im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Zurzeit bekämen die niedergelassenen Mediziner ein Drittel ihrer Leistungen überhaupt nicht erstattet.

Hintergrund der Debatte ist die für 2009 geplante Honorarreform, die seit Jahren währenden Klagen der Ärzte über Finanznot in ihren Praxen sowie die zuletzt heftigen Proteste der Hausärzte in Bayern und Baden-Württemberg, die mit dem Ausstieg aus dem Kassenarztsystem drohen. In beiden Bundesländern liegen die Vergütungen bislang noch über dem Bundesdurchschnitt; da das Honorarniveau mit der Reform angeglichen werden soll, fürchten sie ab 2009 Verluste. Diese Sorge versuchte auch Ministerin Schmidt zu zerstreuen: "Es wird nicht weniger Geld geben", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

KBV-Chef will Hausärzte stärken

KBV-Chef Köhler machte darüber hinaus tiefgreifende Reformvorschläge: Kassenpatienten sollen demnach künftig nur noch Allgemeinmediziner – also den Hausarzt – frei wählen dürfen; zum Facharzt wie etwa einem Orthopäden oder Hautarzt sollen sie – im Gegensatz zu heute – nur mit einer Überweisung dürfen. Nur wer bei der Krankenkasse einen Zusatztarif bucht, soll weiter auch Fachärzte ohne Überweisung aufsuchen dürfen.

Gleichzeitig soll es für Mediziner attraktiver werden, als Hausarzt zu arbeiten, unter anderem durch bessere Honorare. Ziel von Köhlers Vorschlag ist "Versorgungssicherheit" für Patienten und der Erhalt des KV-Systems als Grundversorgung. Dieses wird derzeit von immer mehr Einzelverträgen zwischen Ärzten und Krankenkassen unterlaufen.

Sorge um die Kassenärztliche Vereinigung

Bundesgesundheitsministerin Schmidt hatte dies mit den jüngsten Gesundheitsreformen in die Wege geleitet. Köhler beklagte jedoch, dass der gewünschte Wettbewerb ungeordnet laufe. Inzwischen gebe es zum Beispiel rund 60 Hausarztverträge und 5000 Integrationsverträge.

"Die Versorgungslandschaft wird zersplittert", warnte Köhler. Das KV-System sei hier als Klammer nötig, sonst drohe ein "Versorgungsflickenteppich". Würden Ausstiegsszenarien wie in Bayern und Baden-Württemberg Schule machen, würde zunächst Chaos herrschen, warnte Köhler.

AP/Reuters
KOMMENTARE (10 von 15)
 
dborrmann (20.05.2008, 15:01 Uhr)
Einige der unbezahlten Leistungen werden nun bezahlt
Seit 2000 sinkt die Quote der bezahlten leistungen. Für die Neurologie und Psychiatrie im Bereich der KVNO gilt im Moment: C. 70% der Leistungen werden bezahlt. Werden ab 1.1.09 10% mehr bezahlt, dann werden 77% der Leistungen bezahlt. 23% der Kassenleistungen im Bereich der Nervenheilkunde im Bereich Nordrhein werden dann immer noch nicht bezahlt.
Ein Inflationsausgleich wird seit 10 oder 20 Jahren nicht gewährt. Eine Steigerung hat es auch seit 20 Jahren nicht gegeben. Ich überblicke die Situation übrigens seit ca. 1991.
Das würde ich aber gerne mal sehen, was der Stern sagen würde, wenn jedes 4. Exemplar umsonst abgegeben würde und jede 4. Annonce nicht bezahlt würde und die Preise von 1990 angesetzt würden.
nasi79 (20.05.2008, 14:23 Uhr)
Wie sieht es der Patient?
Mich stört etwas die Art und Weise der Diskussion. Sowohl Politiker als auch Krankenkassen und Ärzte tragen die Diskussion auf dem Rücken der Patienten aus.
1. ich habe nichts dagegen, dass Ärzte mehr verdienen sollen, wenn sie viel leisten
2. Ärzte sollten auch alles abrechnen können, was sie leisten
3. würde ich, als Kassenpatient, schon gern so versorgt werden, wie ein Privatpatient.
Das ist leider nicht so. Über meine Eltern war ich lange privat versichert und muss sagen, dass ich doch anders behandelt wurde und schneller einen Termin bekommen habe. Hier sehe ich allerdings auch sehr viel Änderungsbedarf bei den Krankenkassen. Denn wo bitte geht das Geld hin, was die Beitragszahler jeden Monat einzahlen?
Ich wünsche mir mehr Tranparenz von allen Seiten. Leider weiß ich nicht, wie viel Ärzte tatsächlich verdienen (bei allen mir privat bekannten sieht es finanziell recht gut aus).
Als Patient kann ich immer nur hoffen, dass mein Arzt nicht grad am Ende seines Budgets angekommen ist und deswegen seine Praxis schließt. Das kommt leider immer häufiger vor.
Oder ich suche mir einen neuen Job, bei dem ich genug verdiene, um in die PKV zu wechseln. Der monatliche Beitrag ist etwa gleich bei allerdings wesentlich höherem Verdienst. Das habe ich im Internet schon mal recherchiert.
Terminator2008 (20.05.2008, 14:03 Uhr)
Zu guter Letzt.
Kein Mensch möchte das Gefühl haben unter Wert arbeiten zu müssen. Es gab mal Zeiten wo junge Ärzte, nach einem langen, mühsamen und teureren Studium gern auf vieles verzichtet haben, weil sie sich zu diesem Beruf, berufen gefühlt haben. Heute denken immer mehr Menschen nur daran, ob und wie sie jemanden verklagen, bzw. anklagen können: Ergo die Anerkennung schwindet und auch der Wunsch hier unter diesen Bedingungen dafür zu arbeiten. Glücklicherweise muss man als Akademiker nicht unbedingt in der Medizin arbeiten um Anerkennung zu erhalten und Geld zu verdienen. Ich habe mich damals dagegen entschieden und bemitleide meine ehemaligen Mitstudenten, die von solchen naiven Menschen wie Löwenherz verhöhnt werden. Sorry, aber Ihre Wortwahl zwingt mich zu diesem Urteil. Keiner ist Arzt geworden um "Kassenpatienten zu töten". Lächerlich!
dentix07 (20.05.2008, 13:04 Uhr)
Mit zweierlei Maß
Ist das eine Überschrift!?
Ist doch seltsam, wenn Ärzte mehr Honorar fordern, heißt es "Gleiche Leistung für mehr Geld!"
Ob eine solche Überschrift auch denkbar wäre wenn Ver.di, IGM oder TDL Lohnerhöhungen fordern?
Wäre doch mal schön zu lesen: "Verd.di, gleiche Arbeit für mehr Geld!" Denn genau das passiert bei den Tarifverhandlungen. Bei Gewerkschaften scheint das OK, wenn Ärzte wenigstens einen Teuerungsausgleich fordern ist es falsch!?
Wobei noch anzumerken wäre, daß Gewerkschaften häufig sogar weniger Arbeit für mehr Geld forderten (Arbeitszeitverkürzungen z.B.)
Wo bleibt da gleiches Recht für alle?
kaisergarten (20.05.2008, 11:23 Uhr)
@loewenherz??
... wie ich schon sagte, solche Patienten und Dienstleistungsinanspruchnehmer ohne dafür etwas zahlen wollen sind der Grund warum jedes Jahr so viele Qualifizierte Deutsche das Land verlassen. Die sogenannten Humanisten wollen selbst für jeden Ihrer Körperregungen bezahlt werden, aber beim wichtigsten Thema -Gesundheit - ist Ihnen jeder Cent zuviel. Das soll dann der Arzt gefälligst für den Preis von vor 10 Jahren machen. Solidarität ist für Sie doch nur eine Worthülse, dass nur dann benutzt wird um seine EIGENEN Forderungen einzufordern - dem anderen wird aber nichts zugestanden. Bravo selbsternannte Humanistin (das haben sie wohl studiert und haben jetzt einen Titel erworben).
Loewenherz_XL (20.05.2008, 06:16 Uhr)
Doch nur Krokodilstränen
Terminator, Sie haben indirekt meine Frage beantwortet. Es scheint Ihnen egal zu sein, ob es eine funktionierende Gesundheitsversorgung für alle Bürger gibt!
Wer, wie Sie, öffentlich sein Einkommen tränenreich bejammert, sollte die Souveränität haben kritisches Nachfragen zuzulassen! Aber wenn die Argumente fehlen....... Auch hier haben Sie indirekt meine Frage beantwortet.
Aufschlussreich ist der Umstand, dass ausgerechnet die Kassenärzte aus Bayern und Baden Württemberg massiv mit Rückgabe der Kassenzulassung drohen. Und das wo in diesen Ländern Kassenärzte überproportional bezahlt werden. Die Organisation „Freie Ärzteschaft“ will den kollektiven Zulassungsverzicht als Druckmittel gegen die KV erstreiten. Das bedeutet für Kassenpatienten, dass Sie entweder nicht mehr von diesen Ärzten behandelt werden oder die Arztkosten privat finanzieren müssen. Die „Freien Ärzte“ setzen bewusst darauf, dass nicht nur einige wenige sondern so viel Ärzte wie möglich den „Systemumstieg“ angehen. Die Folgen für die Kranken scheint diesen Ärzten egal zu sein. Arzt glücklich – Kassenpatient tot
Terminator2008 (19.05.2008, 22:20 Uhr)
Fragen unbeantwortet!
Hallo "Humanistin", ich glaube Sie hören sich nur gern selbst Reden? Sie haben keine der Fragen sachlich beantworten können. Mein Einkommen geht Sie sicherlich nichts an und die Beantwortung dieser Frage wird auch nicht die gesellschaftlichen Probleme lösen, oder?? Anderen Menschen "pauschal" Egoismus vorzuwerfen entwertet auch Ihr ernsthaftes Interesse vernünftig diskutieren zu wollen. Traurig:-(
Loewenherz_XL (19.05.2008, 17:49 Uhr)
Nachtrag
Ein Satz war unvollständig. Es sollte heissen: Meine eigentliche Frage „Ob eine humane Gesellschaft es sich erlauben darf, dass die Gesundheit eines ganzen Volkes von den egoistischen Interessen Einzelner abhängen darf“ bleibt unbeantwortet. Und das ist für mich als Kassenpatient und Humanistin die zentrale Frage.
Loewenherz_XL (19.05.2008, 17:46 Uhr)
Die Tränen des Terminators
Die Kranken werden nicht gesünder, wenn sie ständig von Ärzten bejammert werden. Meine eigentliche Frage „Ob eine humane Gesellschaft es sich erlauben darf, dass die Gesundheit eines ganzen Volkes von den egoistischen Interessen Einzelner abhängen darf“
Ihre Verwendung des Pauschalurteil „Sozial Scheuklappen“ lässt dann aber doch die Vermutung zu, dass Sie sich zu den gut verdienenden Ärzten zählen ;-)
p.s. Frau L ist zutreffender
kaisergarten (19.05.2008, 17:45 Uhr)
@horst815
so ist es.
Wer daran zweifelt, kann sich ja fragen warum so viele Jungmediziner in die Schweiz auswandern.
Eine Frage ist allerdings berechtigt - Warum brauchen wir hunderte Krankenkassen mit eigenem Verwaltungsapperat?
@Loewenherz_XL: Selten so eine gequirlte Sch... gelesen. Privatwirtschaftliche Krankenhäuser bedrohen uns???? Das Gesundheitssystem verstaatlichen??? Ist es doch - aber wieee!! Das Gehalt von Ärzten festschreiben - einer Gruppe von Akademikern, die überall in der Welt gefragt sind und überdurchschnittlich intelligent und flexibel sind - sehr clever. Wegen solchen Leuten wandern jährlich 160.000 Deutsche aus.
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