Aktien, Festgeld, Tagesgeld und Co.:
Verschiedene Geldanlagen im Vergleich
Die Finanzkrise hat die Verbraucher verunsichert. Damit Sie als Anleger das Beratungsgespräch entspannter angehen können, haben wir die wichtigsten Anlagestrategien für Sie zusammengestellt. Von Florian Junker
"Die Börse ist wie ein Paternoster. Es ist ungefährlich, durch den Keller zu fahren. Man muss nur die Nerven behalten", sagte einst der amerikanische Ökonom Kenneth Galbraith. In der herrschenden Wirtschafts- und Finanzkrise sind besonders starke Nerven gefragt. Gleichzeitig ist es wichtig, seine Anlagestrategie zu überprüfen und möglicherweise auch zu überarbeiten. In drei Punkten haben wir für Sie die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Gleichzeitig haben wir die die Vor- und Nachteile einzelner Anlageformen erläutert.
Information: Finanzprodukte, die noch nicht einmal der Experte am Beratungstisch gegenüber richtig verstanden hat, gehören in kein Portfolio. So vertrauenswürdig mancher Bankberater und Versicherungsvertreter auch wirken mag, er ersetzt nicht die eigene Entscheidung und die kann man nur mit ausreichendem Wissen treffen. Warren Buffet, einer der reichsten Männer der Welt, hat seine Haltung zum Thema Aktien kaufen so zusammengefasst: "Ich investiere nur in Unternehmen, wenn ich ihr Geschäft verstehe." Was der Börsenexperte formulierte, gilt uneingeschränkt auch für alle anderen Finanzprodukte.
Auch bei der Geldanlage in Fonds lohnt sich ein genauer Blick in die Bedingungen, denn ähnlich klingende Produkte können im Detail ganz unterschiedliche Schwerpunkte und völlig andere Ergebnisse liefern. Gerade über die Kosten, die für Kauf, Verwaltung und Provisionen anfallen, sollten Anleger sich ein genaues Bild machen. Am Ende bleibt dann immer noch die persönliche Abwägung von Renditechancen und Verlustrisiken und die Frage, welche Geldanlage im Vergleich gut zu einem passt.
Diversifikation: Statt alles auf eine Karte zu setzen gilt es dabei, das Kapital möglichst breit gestreut anzulegen. Größere Summen verteilt man besser auf mehrere Anlageformen, statt nur auf Aktien zu spekulieren oder Unsummen auf dem Sparbuch zu horten. Aus der Bankenkrise sollten auch schon Kleinanleger außerdem eins gelernt haben: Breit streuen gilt insbesondere auch für Finanzdienstleister wie Banken und Versicherungen, denn auch die können pleite gehen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, hat seine Geldanlagen also bei mehren Instituten liegen und mischt kräftig sämtliche Anlageformen, wie einen guten Cocktail: Ein großer Anteil relativ sichere Festverzinsliche Wertpapiere und etwas schnell verfügbares Tagesgeld, ein oder zwei Versicherungsprodukte für das Alter, ein bisschen Fonds und Aktien für eine interessante Rendite.
Im besten Fall sitzen die Finanzdienstleister dabei in einem vertrauenswürdigen, wirtschaftlich vergleichsweise leistungsfähigen Staat, der für sie bürgt. Gerade bei der Geldanlage im Ausland lohnt sich die Nachfrage, was passiert, wenn das Institut bankrott geht und ob - wie in Deutschland oder zum Beispiel den Niederlanden - im Notfall der Staat einspringt.
Bescheidenheit: Jeder träumt einmal vom großen Absahnen. Es gibt jedoch gute Gründe, von sicheren Geldanlagen im echten Leben keine Casino-Renditen zu erwarten. Denn hinter Anlagen, die das versprechen, steht auch das gleiche Verlustrisiko wie in den entsprechenden Spieltempeln. Es gilt die Faustregel: je höher die Rendite, desto höher auch die Möglichkeiten, ein Minus zu machen oder gar sein komplettes Kapital zu verlieren. Für Investoren kann die von der Bundesbank veröffentlichte Umlaufrendite als Orientierung dienen. Sie spiegelt den durchschnittlichen Zinssatz von sehr sicheren, mittelfristigen Anleihen in Deutschland wider. Derzeit schwankt sie um drei Prozent. Anlagen, die deutlich mehr als das versprechen, sind letzten Endes immer irgendwie riskant.
Definition: Aktien sind Anteile an einem Unternehmen, das sich damit bei den Käufern (Aktionäre) Eigenkapital verschafft.
Vorteile: Aktionäre können doppelt profitieren. Macht das Unternehmen Gewinne, schüttet es diese in Form einer Dividende aus. Zudem sind Kurssteigerungen möglich, wenn die Nachfrage nach den Aktien an der Börse steigt.
Nachteile: Bei schlechten Unternehmensnachrichten oder in allgemeinen Krisenzeiten können die Kurse stark fallen. Im Falle der Unternehmenspleite droht Totalverlust.
Investmenttipps: Nur Aktien von Unternehmen kaufen, deren Geschäftsmodell man versteht und davon langfristig überzeugt ist. Nicht alles auf eine Karte setzen, sondern Aktien aus verschiedenen Branchen und Wirtschaftsregionen mischen. Am besten mit sehr langer Perspektive (mindestens 10 Jahre) anlegen.
Definition: Anleihen sind Wertpapiere, mit denen sich ein Schuldner (Unternehmen, Staat oder Kommune) Kapital leiht und dem Käufer dafür Zinsen zahlt.
Vorteile: Meist regelmäßige Zinszahlung über einen zuvor festgelegten Zeitraum, am Schluss erhält der Käufer sein eingezahltes Kapital zurück.
Nachteile: Geht der Schuldner Pleite, droht der Totalverlust.
Investmenttipps: Strenge Auswahl ist nötig, denn Anleihen sind immer nur so gut wie die Kreditwürdigkeit (Bonität) des Schuldners. Der höchste Zinssatz bringt nichts, wenn plötzlich das Unternehmen oder auch der Staat (z.B. Argentinien, Island) zahlungsunfähig ist. Ganz auf Sicherheit bedachte Anleger kaufen am besten Anleihen der Bundesrepublik Deutschland, zum Beispiel Bundeswertpapiere.
Definition: Eine Kapitalanlagegesellschaft sammelt Geld vieler Anleger in einem Topf (Investmentfonds) und erwirbt dafür Aktien, Anleihen und/oder Immobilien. Ein professionelles Fondsmanagement verwaltet das Kapital entsprechend der Chancen und Risiken.
Vorteile: Mit Fonds können Anleger mit vergleichbar geringen Summen komfortabel in verschiedene Anlageformen investieren und das Risiko streuen. Ein Totalverlust ist praktisch ausgeschlossen.
Nachteile: Teils hohe Gebühren, nur wenige Fondsmanager schaffen es über einen längeren Zeitraum, den maßgeblichen Vergleichsindex zu schlagen.
Investmenttipps: Der Kauf kostet Geld (Ausgabeaufschlag), und fürs Fondsmanagement werden zudem jährliche Gebühren fällig – beides geht zu Lasten der Rendite. Alternativen sind zum Beispiel ETFs (Exchange Traded Funds), die kostengünstig Börsenindizes wie etwa den Deutschen Aktienindex Dax nachbilden.
Definition: Edelmetall
Vorteile: Gold gilt als sicherer Hafen, vor allem für diejenigen, die eine Geldentwertung (Inflation) oder den Zusammenbruch des Finanzsystems befürchten – das gelbe Metall ist "unkaputtbar". Wer Barren oder Münzen kauft, muss keine Mehrwertsteuer zahlen.
Nachteile: Keine Verzinsung, für die sichere Lagerung (Tresor, Bankschließfach) fallen Kosten an.
Investmenttipps: Bei Barren ist der Aufschlag auf den aktuellen Goldpreis geringer als bei Münzen (Krügerrand, American Eagle, Maple Leaf). Dafür sind die Münzen kleiner und handlicher. Zudem sind sie als Zahlungsmittel akzeptiert. Goldschmuck lohnt sich nicht als Anlage, da im Ernstfall nur der Materialwert zählt. Eine Alternative sind börsengehandelte Indexfonds (ETF), die mit physischem Gold hinterlegt sind. Ihre Wertentwicklung orientiert sich am Goldpreis, und sie ermöglichen ein Investment auch mit kleineren Beträgen.
Definition: Festgeld und Tagesgeld gehören zu den festverzinslichen Anlagen. Bei Festgeld ist der Zinssatz über den festgelegten Zeitraum garantiert, bei Tagesgeld kann er von der Bank täglich verändert werden.
Vorteile: Sehr sicheres Investment, da das Kapital in der Regel staatlich garantiert ist.
Nachteile: Geringe Verzinsung, bei langen Laufzeiten (Festgeld) kann eine Geldentwertung die Rendite auffressen und theoretisch sogar das Kapital anknabbern.
Investmenttipps: Vertrauen Sie Ihre Geld nur einer Bank an, für die ein zahlungskräftiger Staat im Notfall gerade steht – am bei einem Institut mit deutscher Konzernaufsicht und Einlagensicherung. Festgeld bringt in der Regel mehr Zinsen als Tagesgeld, ist aber weniger flexibel: Wer sein Kapital vor Ablauf des festgelegten Zeitraumes braucht, muss Strafzinsen zahlen.
Definition: Die Rentenversicherung bietet ein lebenslanges Zusatzeinkommen fürs Alter und endet im Todesfall. Die Lebensversicherung dient auch der Altersvorsorge, sichert aber zudem die Hinterbliebenen ab: Stirbt der Versicherungsnehmer, wird die Versicherungssumme an Partner oder Kinder ausgezahlt.
Vorteile: Beide Versicherungen gelten als sehr sichere Vorsorge für den Ruhestand. Bei der Lebensversicherung erhält der Kunde jährlich eine Aufstellung der garantierten Leistung, hinzu kommen mögliche Schlussgewinne und Überschussbeteiligungen, die aber nicht bindend sind.
Nachteile: Eine Rentenversicherung lohnt sich nur, wenn der Kunde lange lebt. Lebensversicherungen erfordern Disziplin. Wer seinen Vertrag frühzeitig auflöst, macht ein Minusgeschäft. Zudem sind die Renditen in den vergangenen Jahren gesunken, bei Produkten, die zum Beispiel in Fonds investieren (fondsgebundenen Versicherung) sind auch Verluste möglich.
Investmenttipps: Nicht alleine auf Versicherungen zur Altersvorsorge setzen, sondern auch staatlich geförderte Vorsorgeprodukte wie Riester- oder Rürup-Rente nutzen, um die Rendite zu steigern.
Definition: Mit Zertifikaten nimmt der Käufer an der Wertentwicklung von einem zugrunde liegenden Wertpapier oder Index teil. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen.
Vorteile: Leichter Zugang zu vielen Investmentthemen wie Indizes, Branchen, Rohstoffe, einzelne Aktien oder Aktienkörbe ganzer Länder und Regionen. Zudem lässt sich auf steigende und fallende Kurse setzen.
Nachteile: Geht der Emittent pleite (wie US-Bank Lehman Brothers), ist das Geld verloren.
Investmenttipps: Mit Zertifikaten kann der Anleger in praktisch alles auf fast jede erdenkliche Weise investieren. Nutzen sollten dieses Produkt allerdings eher Profis. Denn wer die teilweise komplexen Zertifikate nicht genau versteht, kann leicht hohe Verluste bis hin zum Totalausfall machen.
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