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So gibt's mehr Geld vom Staat

Sein Kind ohne den Partner aufzuziehen, ist Schwerstarbeit. Doch neben der Familienarbeit müssen Alleinerziehende oft auch noch das Geldverdienen für ihre Kleinfamilie übernehmen. Wir sagen, welche Fördermittel es gibt - und wo das Finanzamt hilft.

Von Robert Kracht

Allein erziehend? In der deutschen Realität ist das längst nichts Außergewöhnliches mehr. Doch diese Normalität hat einen hohen Preis: Denn neben der Erziehungsarbeit muss auch jemand für den Unterhalt der "Einelternfamilien" sorgen. Und das sind meist die Alleinerziehenden selber.

Der Staat tut tatsächlich einiges, um die finanziellen Belastungen durch Kinder zu mildern. So springt der Fiskus in einigen Bereichen ein, wenn ein Elternteil die Sprösslinge ohne den anderen Erzeuger aufzieht: Es gibt die Steuerklasse II, die seit 2004 einen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende vorsieht.

Hinzu kommt noch das einkommensunabhängige Kindergeld, und auch die Betreuungskosten für den Nachwuchs können mittlerweile abgezogen werden: Demnach können Alleinerzieher und Doppelverdiener-Paare seit Anfang 2006 jährlich maximal 4000 Euro für Kinder bis zu 14 Jahren absetzen.

Lesen Sie hier, welche Fördertöpfe und Freibeträge sonst noch auf Alleinerzieher warten.

Gibt es Elterngeld?

Das Elterngeld als Ausgleich zum wegfallenden Erwerbseinkommen gibt es selbstverständlich auch für Alleinerziehende - und zwar für die volle Laufzeit von 14 Monaten. Bedingung für den Bezug ist aber, dass das Kind allein bei dem Elternteil in der Wohnung lebt, dem die elterliche Sorge oder zumindest das Aufenthaltsbestimmungsrecht allein zusteht.

Sonderfall gemeinsames Sorgerecht

Bei gemeinsamem Sorgerecht gilt das Gleiche, wenn der elterngeldberechtigte Elternteil eine einstweilige Anordnung erwirkt hat, mit der ihm zumindest das Aufenthaltsbestimmungsrecht vorläufig zur alleinigen Ausübung übertragen worden ist.

Bei einer gemeinsamen Wohnung der Eltern sind die oben genannten Voraussetzungen nicht erfüllt. Ob der andere Elternteil in einer anderen Wohnung gemeldet ist oder noch einen zweiten Wohnsitz hat, ist nicht entscheidend. Es kommt hierbei auf die tatsächliche Lebenssituation an.

Was gilt beim Splitting?

Alleinerzieher können das Steuersplitting nur in wenigen Ausnahmesituationen nutzen. Denn unverheiratete Paare oder Singles müssen den Grundtarif anwenden, sie versteuern also stets ihr persönliches Einkommen. Allerdings gibt es davon drei Ausnahmen. Sofern der Ehepartner verstorben ist, kommt für das Sterbejahr noch die Zusammenveranlagung in Betracht. Fürs Folgejahr kann der Alleinstehende dann noch das Witwensplitting auf seine Einkünfte anwenden, allerdings letztmalig.

Ganden-Splitting

Sofern der geschiedene Partner schon im Trennungsjahr wieder heiratet, gibt es für den verlassenen Ex-Gatten das "Gnaden-Splitting": Zwar behandelt ihn das Finanzamt wie einen Single, setzt als Trost aber faktisch einmalig den Splittigtarif wie bei einem Ehepaar an. Dieser gilt dann allerdings auch für den frisch Vermählten.

Die dritte Möglichkeit besteht für schon getrennt lebende Ehepaare, die aber noch nicht rechtskräftig geschieden sind. Diese können beim Finanzamt einen Versöhnungsversuch geltend machen, der das Splitting bis zu zwei Jahre rettet. Sie machen dann per gemeinsamer Steuererklärung geltend, dass sie sich versöhnen wollten, das aber nicht geklappt hat. Wird der Versöhnungsversuch dann steuerlich anerkannt, wirkt er rückwirkend ab dem ersten Tag.

Versöhnungsversuch hat Folgen

Das hat zur positiven Folge, dass er gleich für zwei Veranlagungsjahre gelten kann, selbst wenn das Paar nur fünf Wochen wieder zusammen leben sollte. Versuchen es die Partner beispielsweise an Heilig Abend noch einmal miteinander und geben das Vorhaben am Rosenmontag des Folgejahres wieder auf, werden sie auf Antrag für beide Jahre zusammenveranlagt. Das führt zu erheblichen Steuerersparnissen und in der Regel zu hohen Rückzahlungen. Findet die Scheidung trotzdem statt, ist der Splittingtarif erst ab dem darauf folgenden Jahr verloren.

Welche Steuerklassen sind drin?

"Einelternfamilien" fallen entweder in Steuerklasse I oder II. Alleinerziehende können einen Entlastungsbetrag von 1.380 Euro berücksichtigen lassen. Der Arbeitgeber mindert den Lohnsteuerabzug, wenn die Steuerklasse II bescheinigt ist. Diese vermerkt die Gemeinde aber nur, wenn der Alleinerziehende nicht mit einem anderen Erwachsenen eine Haushaltsgemeinschaft bildet.

Hier gilt der Monat

Für die Bescheinigung der Steuerklasse II sind die Verhältnisse jedes einzelnen Monats maßgebend. Treten die Voraussetzungen erst später ein, etwa wenn der Lebensgefährte auszieht, kann die Eintragung auch erst mit Wirkung ab diesem Monat vorgenommen werden. Der Entlastungsbetrag wird dann pro Monat mit 109 Euro beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Die Gemeinde trägt die Steuerklasse II nur dann ein, wenn das Kind an Neujahr 2008 das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Ansonsten kann die Bescheinigung der Steuerklasse II nur durchs Finanzamt erfolgen.

Ab wann gilt der Entlastungsbetrag?

Bereits seit der Steuererklärung 2004 können allein erziehende Väter oder Mütter einen Entlastungsbetrag in Höhe von 1.308 Euro pro Jahr geltend machen. Der wird bei ihnen auch schon vorab mindernd bei der Lohnsteuerberechnung über die Steuerklasse II berücksichtigt. Ein entscheidender Nachteil im Vergleich zum ehemaligen Haushaltsfreibetrag ist, dass die neue Vergünstigung gestrichen wird, wenn neben Elternteil und Kind noch weitere Erwachsene im Haushalt leben. Streit zwischen Steuerzahlern und Finanzbeamten sowie kritische Nachfragen sind da vorprogrammiert.

Der Entlastungsbetrag wird nur für Elternteile gewährt, die mit einem Kind eine Haushaltsgemeinschaft in der gemeinsamen Wohnung bilden, für das Anspruch auf Kindergeld besteht. Alleinstehende müssen diesen Begriff wörtlich nehmen. Wohnt etwa der Lebensgefährte oder ein Verwandter mit im Haushalt, ist dies ein Ausschlussgrund für die Steuervergünstigung. Der klassische Fall des zusammenlebenden, nicht verheirateten Paares wird jetzt nicht mehr gefördert. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Partner auch beide Eltern des Kindes sind. Selbst die mit im Haushalt lebende Großmutter oder der volljährige Nachwuchs ohne Anspruch auf Kindergeld lassen den Anspruch verfallen.

Welche Besonderheiten gelten beim Freibetrag?

Der Entlastungsbetrag wird auf Monatsbasis gewährt und beträgt 109 Euro. Es reicht also nicht aus, dass die Voraussetzungen einmal im Jahr erfüllt sind. Denn das Finanzamt nimmt Kalendermonate ohne steuerlichen Anspruch fein säuberlich aus der Förderung heraus. Das passiert etwa, wenn ein Erwachsener für einige Monate in der Wohnung lebt. In diesen Monaten gilt der Anspruch dann nicht. Oder wenn das Kind im Mai geboten wurde, für alle Monate von Januar bis Mai. Maßgebend für den Abzug der 109 Euro ist dabei, wo sich der Hauptwohnsitz des Kindes befindet. Ist das Kind beispielsweise bei der Mutter gemeldet und wohnt diese mit einem Partner zusammen, entfällt der Entlastungsbetrag. Der Vater kann keine Vergünstigung erhalten, auch wenn er alleine lebt und das Kind bei ihm mit Zweitwohnsitz gemeldet ist. Auch Verwitwete können die Entlastung ab dem Monat des Todes vom Ehepartner in Anspruch nehmen, auch wenn sie noch für das gesamte Jahr den Splitting-Tarif nutzen dürfen.

Alleinerziehend meint wirklich allein

Hauptkriterium ist jedoch, ob neben dem Kind noch jemand mit im Haushalt lebt. Hier hat die Finanzverwaltung präzisiert, wann die Sachbearbeiter keine Vergünstigung gewähren dürfen. Grundsätzlich liegt bereits dann eine so genannte schädliche Haushaltsgemeinschaft vor, wenn außer dem Elternteil noch eine weitere Person dort gemeldet ist. Hier muss der Alleinerzieher nachweisen, dass diese Meldung nur auf dem Papier besteht, tatsächlich aber kein Zusammenleben erfolgt. Doch auch ohne Meldung wird der Entlastungsbetrag verweigert, wenn die Person einen Beitrag zur Haushalts- und Lebensführung leistet. Hierzu reicht schon aus, wenn sich beide aus einem Kühlschrank bedienen oder eine Waschmaschine nutzen.

Um die Steuervergünstigung zu retten, müssen dem Finanzamt Gründe vorgelegt werden, die gegen eine gemeinsame Haushaltsführung sprechen. Akzeptiert wird etwa der klassische Untermieter, die Aufnahme von pflegebedürftigen Personen sowie Volljährigen mit geringem Einkommen und Vermögen. In diesen Fällen können die 1.308 Euro abgesetzt werden.

Kein genereller Ausschluss von Verheirateten

Der Bundesfinanzhof möchte verheiratete Eltern aber nicht generell von einer Entlastung ausschließen. Trennt sich ein Ehepaar oder wird frisch geheiratet, gibt es unabhängig vom Datum für das gesamte Jahr Splitting, was im Gegenzug den Ausschluss der Vergünstigung bedeutet. Allerdings sind sie vor der Ehe oder nach der Trennung alleinstehend.

Dass ihnen dennoch kein Entlastungsbetrag zusteht, könnte verfassungswidrig sein. Bis Karlsruhe hierüber entscheidet, ergehen Einkommensteuerbescheide zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nur vorläufig. Die Gruppe, die davon betroffen sein könnte, ist nicht klein: Denn neben Trennung und Heirat gilt das auch, wenn ein Ehegatte längere Zeit im Krankenhaus verbringen muss, bei berufsbedingter doppelter Haushaltsführung, einem Auslandsaufenthalt und in Fällen der Pflegebedürftigkeit, Erkrankung oder schweren Behinderung.

Wann gibt es Kinderbetreuungskosten?

Eltern können den Aufwand für die Betreuung ihres Nachwuchses bis zum 14. und bei Behinderung bis zum 25. Lebensjahr steuerlich geltend machen, sofern die zusammen wohnenden Elternteile beide entweder erwerbstätig sind, sich in Ausbildung befinden, krank oder behindert sind. Dann sind Betreuungsaufwendungen für Kinder bis zu 4000 Euro je Kopf und Jahr wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar. Damit mindern sie direkt die jeweiligen Einkünfte und können im Verlustfall auch in ein anderes Jahr übertragen werden. Die Kosten wirken sich bereits ab dem ersten Euro steuermindernd aus. Allerdings müssen Eltern ein Drittel der anfallenden Betreuungskosten selber tragen, die anderen zwei Drittel sind bis zu 4000 Euro abzugsfähig. Die höchste steuerliche Förderung wird also bei einem Aufwand von 6000 Euro erreicht.

Voraussetzung ist Berufstätigkeit

Alleinerziehende sowie zusammen lebende Elternteile müssen aber erwerbstätig sein, um den Aufwand bei der entsprechenden Einkunftsart berücksichtigen zu können. Eltern, bei denen einer arbeitet und der andere zu Hause bleibt, kommen nicht in den Genuss der Vergünstigung. Sofern Alleinerziehende nicht mit dem anderen Erzeuger zusammen wohnen, kommt es nur auf die eigene Berufstätigkeit an. Die Kinderbetreuung lässt sich also auch dann absetzen, wenn der andere Elternteil nicht erwerbstätig ist. Damit haben es Alleinerziehende in diesem Punkt beim Finanzamt ein wenig einfacher als zusammen lebende Eltern. Eine Ausnahme gibt es für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Hier können zwei Drittel der Aufwendungen wie die Kindergartenkosten als Sonderausgaben geltend gemacht werden, wenn nur ein Partner von zusammen lebenden Eltern erwerbstätig ist.

Was lässt sich als Kinderbetreuungskosten absetzen?

Erstaunlich viel, nur Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten oder Freizeitbetätigungen werden nicht gefördert. Im Umkehrschluss lassen sich dem Fiskus also eine Menge Kosten präsentieren. Das reicht vom Beitrag für Kindergarten oder -hort sowie Tagespflegeeinrichtungen über das Honorar für die Tagesmutter oder den Babysitter und das Gehalt für Erzieher. Nicht vergessen werden sollte das Taschengeld für Au-pair-Hilfen, Kost und Logis für Betreuungspersonal sowie der Lohn für die Haushaltshilfe, sofern die sich auch um die Kinder kümmert. Schicken Alleinerziehende ihre Kinder aufs Internat, zählen die auf die unterrichtsfreien Zeiten entfallenen Kosten auch dazu.

Hintertür: Haushaltsnahe Dienstleistung

Erfüllen Eltern nicht die Voraussetzungen für den Abzug von Kinderbetreuungskosten, ist noch nicht alles verloren. Denn sofern eine Betreuung in den eigenen vier Wänden erfolgt, kann der Aufwand als haushaltsnahe Dienstleistung abgesetzt werden. Das ist sogar zweifach möglich: Wird die Hilfe fest angestellt, sind bis zu 2400 Euro direkt von der Steuer absetzbar. Kommt hingegen eine Serviceagentur zum Einsatz, können 20 Prozent der Kosten und bis zu 600 Euro im Jahr von der Steuer abgezogen werden.

Welche staatliche Förderung gibt es?

Hier stehen Alleinerziehende im Schnitt nicht schlechter da als verheiratete Eltern oder zusammen wohnende Paare ohne Trauschein. Denn es gilt das Prinzip des Familienleistungsausgleichs: Darunter versteht man verschiedene, die Familie betreffenden Regelungen und Leistungen, die den Mehraufwand durch Kinder ausgleichen sollen. So werden die Aufwendungen für den Nachwuchs zumindest zum Teil auf die Allgemeinheit umgelegt, indem es zum Beispiel das vom Einkommen völlig unabhängige monatliche Kalendergeld gibt und zum anderen die Möglichkeit zusätzlicher Steuerermäßigungen durch Freibeträge.

Freibeträge mindern Kirchensteuer und Soli

Pro Sohn oder Tochter werden jährlich erst einmal 1848 Euro Kindergeld überwiesen, ab dem vierten Kind sind es sogar 2148 Euro. Darüber hinaus gibt es bei einem Elterneinkommen über 55.000 Euro noch jährlich Kinderfreibeträge von jeweils 5808 Euro. Dann wird das Kindergeld im Steuerbescheid hinzugerechnet. Auch wenn sich die Freibeträge nicht auswirken sollten, mindern sie Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Diese Vergünstigungen gibt es grundsätzlich ohne Beschränkung für den Nachwuchs bis zum 18. Lebensjahr. Volljährige Kinder bis 25 Jahre erhalten die Vergünstigungen auch noch, wenn sie sich in der Ausbildung befinden und nicht zu hohe eigene Einkünfte haben.

Was gibt der Fiskus dazu?

Allein erziehende Elternteile können mehr als nur Kindergeld und -freibetrag herausholen. Ist der volljährige Nachwuchs nicht mehr in Ausbildung oder älter als 25 und muss noch finanziell unterstützt werden, sind bis zu 7680 Euro jährlich als Unterhaltsleistungen abzugsfähig. Studieren Sohn oder Tochter über 18 Jahre hingegen auswärts, gibt es einen Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro. Besucht das Kind eine Privatschule in Deutschland oder im EU-Ausland, sind immerhin 30 Prozent des Schulgeldes als Sonderausgaben absetzbar. Ist der Nachwuchs behindert, können Eltern den Pauschbetrag für den Sprössling von bis zu 3700 Euro auf ihre eigene Steuerrechnung übertragen. Das macht Sinn, wenn das Kind keine oder nur geringe eigenen Einkünfte hat.

Zulagen nicht vergessen

Der eigene Nachwuchs kann auch noch für weitere Finanzhilfen vom Fiskus eingesetzt werden. Denn bei der Riester-Rente gibt es pro Sohn und Tochter eine Kinderzulage von 185 Euro pro Jahr, die auf den jeweiligen Sparvertrag angerechnet wird und damit die Einzahlungssumme erhöht. Wurde der Sprössling nach 2007 geboren, gibt es sogar 300 Euro Zulage. Nicht zu vergessen sind die 800 Euro bei der Eigenheimzulage, die es separat für den Nachwuchs gibt. Zwar ist diese Förderung 2006 gestrichen worden, gilt aber für vorher gekaufte oder gebaute Eigenheime acht Jahre lang weiter.

Hinzu kommen die positiven Auswirkungen des Nachwuchses bei den außergewöhnlichen Belastungen der Eltern. Beim Abzug von Krankheitskosten, Hochwasserschäden oder Scheidungsaufwendungen müssen Betroffene einen gewissen Betrag über die zumutbare Eigenbelastung selber tragen. Der fällt umso geringer aus, je umfangreicher die Kinderzahl ist.

Wer bekommt das Kindergeld?

Die Zahlung erfolgt bereits ab dem Geburtsmonat. Dabei wird Kindergeld unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt. Für das erste, zweite und dritte Kind gibt es monatlich jeweils 154 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 179 Euro. Die Höhe des Kindergeldes ist unabhängig von der Progression, wird also nicht von individuellen Steuersätzen berechnet. Im Gegensatz zu den steuerlichen Freibeträgen wird das Kindergeld nur einer Person ausbezahlt, also nicht aufgeteilt. Die Überweisung erfolgt an den Elternteil, der das Kind in seinem Haushalt aufgenommen hat. Lebt der Nachwuchs im gemeinsamen Haushalt der Eltern, können die untereinander den Berechtigten bestimmen. Lebt der Sprössling ganz woanders, kassiert der das Kindergeld, der Sohn oder Tochter am meisten für den Unterhalt zuschießt.

Wie werden die Steuerfreibeträge verteilt?

Der Kinderfreibetrag beträgt für jeden Elternteil 1824 Euro, zusätzlich gibt es für jedes Kind noch einen Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf von 2160 Euro. Während das Kindergeld an einen einzigen Elternteil geht, teilen sich die Eltern den Freibetrag. Diese Freibeträge werden alternativ zum Kindergeld im Rahmen der jährlichen Steuererklärung gewährt. Maßgebend hierbei sind die Angaben in der "Anlage Kind", die in der Steuererklärung für jedes Kind separat auszufüllen ist. Zuerst wird im laufenden Jahr stets das monatliche Kindergeld gezahlt. Bei der nachfolgenden Einkommensteuerberechnung prüft das Finanzamt automatisch, ob der Abzug von Kinder- und Betreuungsfreibetrag zu einer höheren Entlastung führt als der Anspruch auf das Kindergeld.

Die höhere Entlastung zählt

Diese Günstigerprüfung wird mittels der Vergleichsrechnung vorgenommen: Ist nach dem Ergebnis der Vergleichsrechnung das Kindergeld höher als die Steuerentlastung aus dem Abzug der Freibeträge, bleibt es beim Anspruch auf Kindergeld. Dies ist in rund 95 Prozent aller Fälle günstiger. Führt hingegen der Abzug der Freibeträge zu einer höheren Entlastung als das Kindergeld, werden Kinder- und Betreuungsfreibeträge vom Einkommen abgezogen. Zur fälligen Steuer wird dann noch das Kindergeld hinzugerechnet, auf das Anspruch bestanden hat. Diese Rechnung kommt bei Besserverdienenden wegen der hohen Steuerprogression zum Zug.

Der volle Kinderfreibetrag von 3648 Euro sowie der volle Betreuungsfreibetrag von 2160 Euro werden bei Ehepaaren abgezogen, sofern sie auch Eltern des Kindes sind. Ansonsten gibt es die kompletten Freibeträge bei einem Elternteil, wenn der andere Erzeuger verstorben ist, der Vater nicht ermittelt werden kann, der andere Elternteil im Ausland wohnt oder der Wohnort von Vater oder Mutter nicht ermittelbar ist.

Freibeträge sind auch übertragbar

Bei Abzug des vollen Kinderfreibetrags wird stets das volle gezahlte Kindergeld mit der Einkommensteuer verrechnet. Diese Hinzurechnung erfolgt unabhängig davon, an wen das Kindergeld gezahlt wurde. Den halben Kinderfreibetrag zieht jeder Elternteil von seinem Einkommen ab, wenn die Eltern nicht zusammen veranlagt werden. Bei der Steuerrechnung vergleicht das Finanzamt die steuerliche Auswirkung aus dem Abzug der halben Kinderfreibeträge mit der Hälfte des gezahlten Kindergeldes.

Eltern können den Kinder- und Betreuungsfreibetrag auf den anderen Partner übertragen, wenn sie geschieden sind, vom Ehepartner dauernd getrennt oder in einer Lebensgemeinschaft mit dem gemeinsamen Kind leben. Diese Möglichkeit macht sich steuerlich besonders bezahlt, wenn sich der volle Freibetrag beim Partner mit der höheren Steuerprogression auswirkt oder der abgebende keine oder minimale steuerpflichtige Einkünfte hat. Doch eine Übertragung ist nicht in jedem Fall möglich. Das Finanzamt spielt nur mit, wenn ein Elternteil seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt und der andere den Unterhalt im Wesentlichen trägt.

Was ist mit dem Unterhalt vom Ex?

Unterhaltszahlungen an den getrennt lebenden oder bereits geschiedenen Ex-Gatten sind als Sonderausgaben bis zu 13.805 Euro im Jahr absetzbar, wenn diese vom Empfänger als sonstige Einkünfte versteuert werden. Dieses unter dem Begriff Realsplitting laufende Verfahren bietet Vorteile, wenn die Steuerprogression beim Unterhaltsempfänger niedriger ist als beim Unterhaltzahlenden. Der Antrag auf Sonderausgabenabzug muss jedes Jahr neu gestellt und kann anschließend nicht mehr zurückgenommen werden. Das gilt selbst dann nicht, wenn Unterhaltszahler und Geldempfänger dies gemeinsam beantragen. Diese strenge Regelung hat den Nachteil, dass die Ex-Partner nach Erhalt ihrer Steuerbescheide nicht mehr nachprüfen können, ob der Ansatz anderer Beträge günstiger gewesen wäre.

Korrektur ist möglich

Das Finanzamt akzeptiert die Unterhaltsleistungen nur, wenn der Unterhaltsempfänger zustimmt. Das kann der davon abhängig machen, ob ihm der Unterhaltspflichtige die finanziellen Nachteile ausgleicht. Dieser Ersatz kann dann postwendend wieder als Sonderausgabe geltend gemacht werden. Für das Realsplitting gibt es eine Anlage U. Diese wird nicht automatisch versendet, kann aber beim Finanzamt anfordert werden und muss von beiden Partnern unterschrieben werden. Hat sich das Paar beim Abzug des Unterhalts verspekuliert, ist jedoch eine Korrektur immer möglich. Sollten sich beispielsweise die Sonderausgaben beim Zahlenden steuerlich nicht auswirken, braucht auch der Empfänger diese nicht mehr als Einnahmen zu versteuern. Das gilt unabhängig davon, ob die Anlage U bereits unterschrieben wurde.

Der Abzug von Sonderausgaben ist nicht nur möglich, wenn Gelder fließen. Wird dem Partner auf Grund der Unterhaltsvereinbarung das Eigenheim zur alleinigen Nutzung überlassen, gilt auch diese Leistung als Sonderausgabe. Maßgebender Wert in solchen Fällen ist die ortsübliche Miete inklusive der übernommenen laufenden Kosten.

Vorsicht vor Minderung von Zuschüssen

Alleinerziehende als Unterhaltsempfänger sollten die Anlage U nicht einfach bedenkenlos unterschreiben, selbst wenn der Ex die Steuerlast auf die Zahlung übernimmt. Denn es kann beispielsweise wegen Überschreitens der eigenen Einkommensgrenzen eine Einbuße bei Wohngeld, Arbeitslosen- oder Sozialhilfe drohen. Dann ist abzuwägen, welches Argument stärker ist: die Steuerersparnis oder die Minderung von Zuschüssen durch das Realsplitting. Hinzu kommt, dass getrennt Lebende bis zur Scheidung noch beitragsfrei beim Partner krankenversichert werden können. Dies gelingt aber nur, wenn die Einnahmen unter der Geringfügigkeitsgrenze von 325 Euro pro Monat bleiben.

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