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So riestern Sie richtig

Die Riester-Rente boomt. Doch viele Sparer versäumen, die staatliche Förderung zu beantragen, und lassen Millionen Euro verfallen. Hier lesen Sie, wie Sie den Finanzminister richtig zur Kasse bitten können.

Warum verschenken Millionen Deutsche Geld? Die Allianz-Versicherung wollte das genau wissen und fragte bei 30.000 Kunden nach, warum sie erst eine Riester-Rente abgeschlossen haben, aber dann keinen Antrag auf staatliche Förderung stellten. "Ich habe das Formular nicht verstanden", war die häufigste Antwort. Aus Angst vor der Bürokratie verzichten Riester-Sparer auf die Zulagen, die das Alterssparen erst attraktiv machen. Allein 2006 sind rund 200 Millionen Euro Zulagen aus 2004 verloren gegangen. Denn nach zwei Jahren verfallen die Ansprüche. Für 2005 stehen noch etwa 1,9 Millionen Anträge aus. Falls sie nicht bis Ende dieses Jahres gestellt werden, überlassen die Anleger 250 bis 350 Millionen Euro dem Staatssäckel.

Mittlerweile ein Topseller

Dabei hat sich die Riester-Rente inzwischen zum Topseller gemausert. Allianz-Leben-Vorstandschef Maximilian Zimmerer sagt: "Jeder zweite bei uns neu abgeschlossene Vertrag ist eine Riester-Rente." Insgesamt haben sich bis jetzt rund neun Millionen der Deutschen entschieden – mittels Rentenversicherung, Investmentfonds oder Banksparplan -, privat fürs Alter vorzusorgen.

Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales haben noch nie so viele Menschen einen Riester-Vertrag abgeschlossen wie in diesem Jahr. Bis Ende 2007 rechnet Finanzminister Peer Steinbrück mit dem zehnmillionsten Vertrag. Dumm nur, dass viele Sparer seine Hilfe unfreiwillig verschmähen. Klar, Formulare füllt jeder "lieber später" aus. Der zweiseitige "Antrag auf Altersvorsorgezulage" ist aber nur auf den ersten Blick so kompliziert. Der Anbieter schickt ihn zu, und neben den üblichen Angaben wie Name, Adresse, Geburtsdatum muss man das zuständige Finanzamt und die Steuernummer eintragen (steht auf dem Steuerbescheid).

Antrag auf Dauerzulage hilft

Ist das erledigt, fehlt eigentlich nur noch die Sozialversicherungsnummer. Die findet sich auf den unauffälligen "Meldebescheinigungen zur Sozialversicherung," die man einmal im Jahr vom Arbeitgeber erhält und von denen man nie weiß, wofür sie gut sind (dafür und als Nachweis für Rentenversicherungszeiten). Damit Riester-Sparer sich nicht jedes Jahr erneut mit dem Formular herumplagen müssen, hat der Gesetzgeber eine echte Erleichterung geschaffen und vor zwei Jahren den Antrag auf Dauerzulage eingeführt. Sie ermächtigt den Anbieter, für die kommenden Jahre das Geld bei der staatlichen Zulagenstelle zu beantragen.

Nun ist es fast geschafft: Eltern müssen jetzt noch im Bogen für die Kinderzulage die zuständige Familienkasse und Kindergeldnummer eintragen. Dann ab zum Anbieter damit. Der leitet den Antrag an die Zulagenstelle. Deren 400 Mitarbeiter berechnen, in welcher Höhe der Staat den einzelnen Riester-Vertrag fördert. Schließlich spart nicht jeder den Höchstbetrag. Die Allianz-Umfrage fördert ein weiteres Problem der Riester-Sparer zutage: Viele denken, sie brauchten keinen Antrag zu stellen, weil sie stärker von einer Steuerersparnis als von der direkten Zulage profitieren. Die wiederum beantragt man mit der "Anlage AV" zur Steuererklärung.

Wer den Zulagenantrag nicht stellt, verliert Geld

Von den gesparten Steuern zieht der Mitarbeiter auf dem Finanzamt aber in jedem Fall die gesetzliche Zulage wieder ab, egal ob sie von der Zulagenstelle auf den Sparvertrag überwiesen wurde oder nicht. Wer den Zulagenantrag nicht stellt, verliert also Geld in dieser Höhe. Ines Wilck von der Zulagenstelle sagt deshalb: "Jeder Anleger sollte beide Anträge stellen." Um den Sparern zu helfen, hat die Zulagenstelle eine kostenfreie Hotline (0800 100 04 80 40) eingerichtet. Die wird gut genutzt. "Auch von den Anbietern", sagt Ines Wilck. "Denn auch die haben immer noch viele Fragen."

Elke Schulze/print
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