Bankengarantien, milliardenschwere Konjunkturpakete, Bad Bank - wer soll das alles bezahlen? Die Angst vor ausufernden Staatsschulden und hoher Inflation hat unter den Bürgern massiv zugenommen. Doch tatsächlich werden die Preise erst einmal fallen. Auf absehbare Zeit ist die Inflationsgefahr gering. Von Hubert Beyerle

Die Notenbanken bringen immer mehr Geld in Umlauf. Trotzdem ist die Gefahr einer Inflation noch gering© Michael Gottschalk/DDP
Der nächste Winter könnte kalt werden. Denken Sie an Wollfäustlinge, einen daunengefütterten Mantel, Thermo-Unterwäsche für die Skiferien! Sind die Winterreifen noch in Ordnung? Ist auch schon genug Feuerholz für gemütliche Winterabende vor dem Kamin im Wohnzimmer da?
Der nächste Winter kommt bestimmt, und vielleicht wird er wirklich kalt. Aber mit Sicherheit vorhersagen kann man es nicht.
Ähnlich sieht dies auch mit Prognosen über die Inflation aus. Derzeit warnen viele vor steigenden Preisen in der Zukunft. Solche Aussagen kommen auffallend oft von zwei Berufsgruppen: Erstens von Politikern, wie Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), die sich von Amts oder Partei wegen gegen neue Konjunkturprogramme sträuben - und von Vermögensverwaltern, die ihren Kunden Gold, Immobilien und ähnliche Produkte als "Inflationsschutz" andrehen wollen. Inflationswarner haben also meistens Hintergedanken. Trotzdem: Droht den Deutschen Inflation?
Die Argumente der Warner lauten folgendermaßen: Derzeit werfen Regierungen und Notenbanken in der ganzen Welt in noch nie da gewesenem Umfang mit Geld um sich. Allen voran die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Früher lenkte sie die Wirtschaft relativ moderat per Zinspolitik. Seit die Banken aber das billige Geld kaum noch annehmen, greift sie zu unkonventionellen Mitteln, vor allem zur so genannten "quantitativen Lockerung". Dabei kauft sie alle möglichen Wertpapiere, auch zweifelhafter Qualität auf, um die Banken davon zu befreien und ihnen frisches Geld zu geben.
Die Folge: Die Bilanz der Federal Reserve hat sich von 870 Milliarden Dollar vor der Krise auf heute über 2000 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, wie ihr Chef Ben Bernanke kürzlich bekannt gab. Waren früher in dieser Bilanz hauptsächlich erstklassige US-Staatsanleihen, befinden sich in ihr jetzt in großem Stil kurzfristige Titel und Unternehmensanleihen. Erst kürzlich kündigte die Fed an, noch einmal in Höhe von 1750 Milliarden Dollar hypothekenbesicherte Papiere und Anleihen von halbstaatlichen Instituten zu kaufen. Was dabei vielen so unheimlich ist: Es gibt keine Grenze, bis zu der die Notenbank solche Wertpapiere kaufen kann: Sie bezahlt ja mit dem von ihr selbst gemachten Zahlungsmittel.
Neben den Notenbanken greifen auch die Regierungen ganz tief in die Schatulle. Weltweit geben sie vierstellige Milliarden-Euro-Beträge aus, etwa um Banken und Autobauer zu retten oder neue Straßen zu bauen. Die Staatsverschuldung wohl aller industrialisierten Länder dürfte deutlich steigen. Geldmenge und Staatschulden explodieren - führt das nicht zwangsläufig zu Inflation? Wie sollen die Regierungen ihre Schulden denn jemals wieder loswerden, wenn nicht durch "Weginflationieren"?
"Inflation ist immer ein monetäres Phänomen", hatte der einstige Vorzeigeökonom, Milton Friedman, einmal gesagt. Das heißt: Es ist zu viel Geld im Umlauf. Auch der Wert des Geldes regelt sich durch Angebot und Nachfrage. Haben die Menschen alle plötzlich doppelt so viel Geld in der Tasche, backen die Bäcker aber immer noch gleich viele Brötchen - nur verdoppeln sich die Preise der Brötchen.
Das stimmt grundsätzlich auch im Großen, darum besteht Konsens, dass die Notenbanken die von ihnen geschaffene Liquidität wieder abschöpfen müssen, wenn die Krise vorbei ist. Und das können sie auch. "Die Europäische Zentralbank kann innerhalb einer Woche die von ihr jetzt zusätzlich geschaffenen Liquidität wieder vom Markt nehmen", sagt Peter Bofinger, einer der Wirtschaftssachverständigen. Die Laufzeit der kurzfristigen Kredite der EZB an die Geschäftsbanken beträgt nur eine Woche.
Lesen Sie im zweiten Teil, warum die Deutschen Angst vor einer Hyperinflation haben und warum derzeit eine Deflation wahrscheinlicher ist.