11. April 2012, 12:30 Uhr

Die 50 miesesten Aktien

Die Anlegerschutz-Vereinigung DSW kürt einmal im Jahr die größten Kapitalvernichter. Ganz vorn dabei: die kriselnden Solarfirmen. Wer noch das Geld seiner Aktionäre verbrannt hat. Von Martin Hintze

Aktie, Geld, Börse, Kurs, DSW

Die Deutsche Börse in Frankfurt: 2011 war für viele Anleger ein verlustreiches Jahr

Auf der "dunkle Seite des Börsenzettels" – so nennt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ihr Ranking der 50 größten Kapitalvernichter – finden sich viele Unternehmen aus der einst so sonnenverwöhnten Solarbranche. Trauriger Spitzenreiter ist der Solaranlagenanbieter Conergy. Allein im vergangenen Jahr sackte der Kurs 87 Prozent in den Keller. Über fünf Jahre gesehen bescherte das Unternehmen seinen Aktionären ein kolossales Minus von 99,6 Prozent; aktuell notiert das Papier bei 0,40 Euro. Auch der höchste Neueinsteiger macht Geschäfte mit Sonnenenergie: Phoenix Solar belegt mit einem Kursrutsch von knapp 91 Prozent in nur zwölf Monaten Platz fünf.

Das schlechte Abschneiden der Solarfirmen kommt nicht überraschend. Billig-Konkurrenz aus China und bröckelnde Fördergelder haben in den vergangenen Monaten die Börsenkurse ins Bodenlose stürzen lassen und mehrere deutsche Hersteller in die Insolvenz getrieben - unter ihnen auch ehemalige Größen wie Q-Cells und die Solon AG. Der Rat der DSW an Anleger: Wenn Branchen am Subventionstropf der Regierung hängen, ist oberste Vorsicht geboten.

So rechnet die DSW

Die Aktionärsschützer veröffentlichen jährlich eine Liste mit den 50 größten Kapitalvernichtern. Um kurze Schwankungen nicht zu stark zu bewerten, laufen die Berechnungen über einen Zeitraum von fünf Jahren. Für das aktuelle Ranking nahm die DSW 360 börsennotierte deutsche Aktiengesellschaften unter die Lupe. Dividenden und andere Sonderzahlungen bleiben ebenso außen vor wie insolvente Firmen. Die Kurse werden innerhalb von drei Zeiträumen bewertet: über ein Jahr, über drei Jahre und über fünf Jahre.

Auf dem DSW-Punktekonto kann ein Unternehmen schlimmstenfalls ein Minus von 1000 Punkten erzielen. Dabei werden für die schlechteste Platzierung im Einjahresvergleich maximal 200 Negativpunkte vergeben. Der höchste Kurverlust über einen Zeitraum von drei Jahren wird mit 300 Maluspunkten bestraft, für fünf Jahre sind es 500 Minuspunkte.

Vom Rabattkönig zum Sanierungsfall

Unter den Anleger-Alpträumen finden sich auch bekannte Unternehmen. Die Baumarktkette Praktiker machte einen Satz von Platz 50 auf Rang 6. Der Werbeslogan "20 Prozent auf alles" gilt nicht für den Börsenkurs: Der fiel in den vergangenen fünf Jahren um stolze 95 Prozent. Das Urteil der DSW: Aus dem Rabattkönig der vergangenen Jahre sei ein Sanierungsfall geworden.

In den Top-Ten findet sich auch die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößte Privatbank. Wer auf diese Aktie setzte, verlor auf Fünf-Jahres-Sicht 94 Prozent seines Geldes. Das Geldhaus musste in der Finanzkrise 2008 vom Staat gerettet werden und leidet derzeit unter der Euro-Krise. Neben der Commerzbank taucht auch der Energiekonzern RWE aus dem Dax-Index, in dem die 30 größten Börsenkonzerne Deutschlands zusammengefasst sind, in dem Ranking der größten Kapitalvernichter auf. Die Deutsche Bank ist im Gegensatz zum vergangenen Jahr nicht mehr unter den 50 schlechtesten Aktien.

Auch insgesamt gesehen war das Jahr 2011 für Börsianer eher mau. Der Dax verlor 14,7 Prozent, die im TecDax gelisteten Technologieunternehmen 16 Prozent. Beinahe genauso mies lief es für die kleineren Unternehmen im MDax: minus 12,3 Prozent.

 
 
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