Der SPD-Chef will das Arbeitslosengeld I länger an Ältere auszahlen. Dafür bekommt er viel Applaus. Zu Unrecht. Fünf Thesen gegen den Populismus. Von Roman Heflik

Gefragter Silberfuchs: Leonard Rempel hat trotz seiner 58 Jahre wieder einen Job als Dreher gefunden© Andreas Endemann
Die nackte Panik kann Deutschlands bekanntester Bewerbungstrainer bei seinen Seminarteilnehmern jedes Mal ganz deutlich fühlen. "Alle haben sie Angst, bald zum alten Eisen zu gehören", berichtet Jürgen Hesse. Es ist die Furcht, im Alter den Job zu verlieren - es ist die Angst vor Hartz IV. Dem endgültigen Absturz. Da ist es doch beruhigend, wenn jemand wie SPD-Chef Kurt Beck zumindest den Aufprall dämpfen will: Das Sprungtuch, das Beck besorgten Arbeitnehmern spannen will, ist das Arbeitslosengeld I, kurz ALG I genannt. Ältere Arbeitslose sollen länger Geld aus der Arbeitslosenversicherung beziehen dürfen, bevor sie auf Hartz-IV-Leistungen heruntergestuft werden. Bislang beträgt das ALG I bis zu 67 Prozent des früheren Nettolohnes (bei Steuerklasse 1 aber höchstens knapp 1800 Euro) und wird ein Jahr lang ausgezahlt, ab dem 55. Lebensjahr 18 Monate lang. Beck will die Auszahlungsdauer verlängern: Ab 45 sollen es 15 Monate sein, ab 50 dann 24 Monate.
Die Kosten
schätzt der SPD-Chef auf 800 Millionen
Euro. Eine sozial sinnvolle Investition
sei das, argumentiert Beck, schließlich
hätten es ältere Arbeitslose schwerer, eine
Stelle zu finden, und seien stärker von
Armut bedroht. Erstmals seit Langem
stößt der SPD-Chef mit einer politischen
Forderung auf breite Zustimmung. Gewerkschaften
und Linkspartei nicken zufrieden.
Sogar Kanzlerin Angela Merkel stellte sich nach langem Zögern an die
Seite Becks. Es klingt ja auch gerecht:
Wer länger einzahlt, bekommt im Notfall
mehr.
Das Problem ist bloß: Der Beck-Vorstoß
ist falsch. Es lohnt sich, die Zahlen
und Zusammenhänge genau anzuschauen.
Fünf Thesen gegen den Populismus:
Übernommen aus ...
Ausgabe 43/2007