8. Januar 2013, 16:37 Uhr

HSH Nordbank pocht auf Nonnenmacher-Abfindung

Vor zwei Jahren hat die HSH Nordbank ihrem ehemaligen Chef eine Abfindung von vier Millionen Euro gezahlt. Jetzt will die Bank ihr Geld zurückfordern, sollte Dirk Nonnenmacher verurteilt werden.

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Wegen Untreue und falscher Beschuldigung ermittelt die Staatsanwaltschaft in Kiel gegen den ehemalige Vorstandschef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher©

Die kriselnde HSH Nordbank hat sich für den Fall einer Verurteilung des ehemaligen Vorstandschefs Dirk Jens Nonnenmacher Ansprüche gesichert. Der Aufsichtsrat stimmte am Dienstag einer Änderung des vor gut zwei Jahren geschlossenen Aufhebungsvertrages mit dem Bankmanager zu. Gemäß der Vereinbarung soll Nonnenmacher die erhaltene Abfindung von vier Millionen Euro einschließlich Zinsen im Fall seiner Verurteilung zurückzahlen. "Mit dieser Vereinbarung ist es der Bank gelungen, ihre Interessen in vollem Umfang nachhaltig zu wahren", erklärte Aufsichtsratschef Hilmar Kopper.

Nonnenmacher selbst habe der Vertragsänderung bereits zugestimmt, sagte ein Banksprecher. Allerdings rechne er nicht damit, seine Abfindung zurückzahlen zu müssen. Er erwarte eine Einstellung des Verfahrens der Kieler Staatsanwaltschaft, teilte sein Anwalt Prof. Heinz Wagner am Dienstag mit. Nach gründlichem Studium der Ermittlungsakte der Kieler Staatsanwaltschaft sei er überzeugt, dass Nonnenmacher auch im Fall des früheren Vorstands Frank Roth stets pflichtgemäß und im Einklang mit geltendem Recht gehandelt habe.

Strafrechtliche Verurteilung bleibt ungewiss

Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen Nonnenmacher wegen Untreue und falscher Beschuldigung. Die HSH hatte den früheren IT-Vorstand Frank Roth 2009 zu Unrecht entlassen. Ihm war unter anderem die Weitergabe von Informationen an Journalisten vorgeworfen worden. Für den Rauswurf hat sich die HSH inzwischen entschuldigt und Roth eine millionenschwere Abfindung gezahlt. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen waren Ende November Wohnungen Nonnenmachers von Ermittlern durchsucht worden.

Rechtsexperten halten eine strafrechtliche Verurteilung Nonnenmachers jedoch für ungewiss. Vor Gericht enden Verfahren wegen Untreue regelmäßig in Vereinbarungen mit der Staatsanwaltschaft und werden gegen Geldauflagen eingestellt. Das Risiko für Nonnenmacher, die Abfindung zurückzahlen zu müssen, gilt daher als gering. "De facto wird Nonnenmacher seine Abfindung behalten", sagte ein Rechtsexperte mit Kenntnis der Zusammenhänge bei der HSH. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat bereits im Dezember 2011 Anklage gegen Nonnenmacher wegen Untreue und Bilanzfälschung erhoben. Der Fall liegt beim Landgericht, Termine für eine Hauptverhandlung wurden noch nicht festgelegt.

HSH Nordbank in der Krise

Vor seiner Entlassung stand Nonnenmacher monatelang in der Kritik - anfangs wegen umstrittener Finanzgeschäfte, die die Existenz der Bank bedrohten, später wegen einer Spitzelaffäre, in der mehrere Staatsanwaltschaften ermittelten. Der Manager, der 2007 in den HSH-Vorstand kam und Ende 2008 in den Chefsessel wechselte, hatte stets beteuert, in keine der Affären der Bank verwickelt zu sein. Doch vor allem aus den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, die 85 Prozent an der kriselnden Bank halten, riss die Kritik nie ab.

Der intern "Dr. No" genannte Manager mit dem nach hinten gegelten Haar wurde daraufhin durch den langjährigen Investmentbanker Paul Lerbinger abgelöst, der inzwischen allerdings ebenfalls nicht mehr für die Krisenbank arbeitet. Lerbinger wurde nach weniger als zwei Jahren vor die Tür gesetzt. Seither führt Constantin von Oesterreich das Institut, er war zuvor Finanzchef der Bank.

Die HSH Nordbank hatte sich in der Finanzkrise mit Kredit- und Wertpapiergeschäften verspekuliert und musste vom Staat mit Milliardenhilfen vor dem Aus gerettet werden. Wegen der Staatshilfe musste die HSH auf Geheiß der EU zu einer Regionalbank schrumpfen, die Flugzeugfinanzierung und das globale Immobiliengeschäft aufgeben und die Schiffsfinanzierung zurückführen. Wegen der Krise der Schifffahrt wird inzwischen darüber diskutiert, den staatlichen Garantierahmen wieder auf zehn Milliarden Euro aufzuspannen. Er war nach ersten Erfolgen bei der Sanierung der Bank unlängst auf sieben Milliarden verringert worden.

kgi/DPA/Reuters
 
 
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