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Die Maschen der schwarzen Schafe

Finanzgeschäfte sind eine sensible persönliche Angelegenheit, die man nicht jedem anvertrauen sollte. Umso wichtiger ist es, einen Berater zu finden, der ehrlich informiert. Folgende Indizien weisen auf einen unseriösen Finanzberater hin.

Das Risiko, beim Thema Geldanlage an den Falschen zu geraten, ist recht groß. Denn Finanzberater ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder darf sich so nennen - ob er sein Fach nun gelernt hat oder nicht. Die Folge: Neben seriösen Experten tummeln sich viele schwarze Schafe auf dem Markt, die nur darauf aus sind, schnelles Geld zu machen. Sie denken bei ihren Ratschlägen mehr an ihre eigene Provision als an das Wohl der Kunden.

Kein Verkauf am Telefon

Die Stiftung Warentest hat einige Indizien ausgemacht, an denen unseriöse Finanzberater zu erkennen sind. Demnach ist äußerste Vorsicht geboten, wenn Geldanlagen am Telefon angeboten werden. Auch sehr hohe Renditeversprechen sollten die Alarmglocken bei den Kunden schrillen lassen. Ähnliche Vorsicht ist bei Beratern angebracht, die bereits vorhandene Geldanlagen des Kunden schlecht machen, um ihn zum Abschluss neuer Verträge zu überreden.

Wird zu einer schnellen Unterschrift unter einen Vertrag gedrängt, darf man sich nicht irritieren lassen. Immer alles genau lesen, auch das Kleingedruckte auf der Rückseite. Treten Zweifel auf, sollte der Kunde nicht unterzeichnen. Faul ist die Sache, wenn der Finanzberater seine Versprechen über Sicherheit, Renditen und Garantien von Geldanlagen nicht schriftlich bestätigen will. Anleger müssen sich darüber im Klaren sein, dass mündliche Zusagen später keine Beweismittel bei eventuellen gerichtlichen Auseinandersetzungen sind.

Nicht drängen lassen

Gute Berater, so die Stiftung Warentest, händigen ihren Kunden vor der Unterschrift alle Vertragsunterlagen aus, weisen auf Risiken der Geldanlage hin und lassen ihnen einige Tage Zeit, sich zu entscheiden. Beim Kauf von Eigentumswohnungen kann das Objekt vorher besichtigt werden. Ausdrücklich verweisen sie auf das 14-tägige Widerspruchsrecht zum Vertrag. Sie haben auch nichts dagegen, wenn der Kunde mehrere Angebote prüft und vor der Entscheidung einen Steuerberater oder Verbraucherschützer konsultiert.

Allerdings lassen sich in der Praxis die Finanzberater nicht so eindeutig in schwarze und weiße Schafe trennen. Die Übergänge sind fließend. Auch seriöse Vermittler von Geldgeschäften, zum Beispiel in Banken, können Fehler machen. Davon zeugt das jüngste Urteil (AZ: C-350/03 und C-229/04) des Europäischen Gerichtshofs zu den so genannten Schrottimmobilien. Hunderttausende Verbraucher hatten im Rahmen von Haustürgeschäften minderwertige Immobilien zu überteuerten Preisen erworben. Finanziert wurde der Kauf über Banken, die ihre Kunden nicht immer über die Möglichkeit des Widerrufs belehrt hatten, wie es ihre Pflicht gewesen wäre.

Schadenersatz bei falscher Beratung

Der Gerichtshof entschied nun, dass den Verbrauchern aus diesem Versäumnis keine Nachteile entstehen dürfen. Die Bank habe in diesem Fall die mit den "Kapitalanlagen verbundenen Risiken" zu tragen. Die Stiftung Warentest verweist darauf, dass Anleger grundsätzlich Schadenersatz fordern können, wenn der Berater nicht vollständig auf alle wesentlichen Risiken einer Geldanlage hingewiesen hat.

Reiner Fischer/DDP/DDP

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