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"Die Panikmache von der Royal Bank of Scotland ist albern"

Der Chefanalyst der Royal Bank of Scotland verbreitet Panik: Er glaubt, dass der nächste Crash an den Börsen bevorstehe. Im stern-Interview widerspricht ein Finanzexperte. Die Prognose sei zwar schlagzeilenträchtig - aber albern.

Nah RBS-Analyse: Wie schlimm wird das Börsenjahr 2016?

Stürmische Zeiten für die Märkte - aber Panik muss nicht ausbrechen, sagt der Investmentsexperte Daniel Saurenz. 

Die Wirkung verfehlte der Chef-Analyst der Royal Bank of Scotland, Andrew Roberts, nicht mit seiner apokalyptischen Prognose: Der Börsen-Boom sei vorbei, die Märkte würden erneut crashen. Kurz: Auf Anleger, Sparer und Investoren komme ein "katastrophales Jahr" zu, schreibt Roberts in einem Anleger-Brief, der vom "Telegraph" aufgegriffen wurde.

Das macht natürlich Angst. Hat er etwa recht? Kommt eine erneute Finanzkrise auf uns zu? Daniel Saurenz, Finanzexperte vom Investmentportal Feingold Research, gibt zwar keine Entwarnung. Aber Grund für solch überzogene Panik sieht er nicht. Anleger können von der momentanen Situation sogar profitieren. 

Herr Saurenz, die Prognose der Royal Bank of Scotland sorgte für Aufsehen. Hat Andrew Roberts recht?

Daniel Saurenz: Man muss unterscheiden zwischen seiner Prognose und der Empfehlung, die er gibt. Die Aussage, dass die Börsen in den USA und Europa Korrekturbedarf haben, ist alles andere als gewagt. Das ist fast Mainstream. Aber die Panikmache, alles zu verkaufen, ist albern und unsachlich.

Unsachlich? Albern?

Saurenz: Sicherlich. Nach dem jahrelangen Aktienboom und dem Anstieg der Kurse ist Zeit für eine Korrektur von zehn bis 20 Prozent nach unten. Das ist bei weitem nicht so dramatisch, wie Roberts das darstellt. Sein Analystenkollege Albert Edwards von der Société Général - zugegeben ein notorische Mahner und Warner - prognostiziert einen Einbruch der US-Märkte von 75 Prozent. Das mag zwar unrealistisch sein, aber das ist ein deutliches Statement. Die Aussagen von Roberts waren nicht halb so krass, aber natürlich viel medienwirksamer und schlagzeilenträchtiger verkauft.

Also viel Säbelrasseln - und es wird gar nichts passieren?

Saurenz: Es ist schon viel passiert. Mehr als 50 Prozent der US-Aktien haben eine Korrektur von 20 oder mehr Prozent hinter sich. Der Markt ist nur deshalb nicht eingebrochen, weil hoch gewichtete Titel wie Amazon, Alphabet oder Facebook den Markt oben gehalten haben. Doch auch bei diesen Aktien kommt nun die Kurskorrektur.

Daniel Saurenz, experte von Feingold Research

Daniel Saurenz ist Anlage- und Investmentexperte von Feingold Research


Aber es war nicht nur die RBS, die vor diesem Jahr warnt. Auch Analysten von Goldman Sachs und weiteren Finanzhäusern blicken skeptisch in die Zukunft. Was erwartet uns 2016?

Saurenz: Natürlich gibt es Risiken – China hat seinen Finanzmarkt nicht im Griff. Und auch in den USA gibt es massive Probleme. Schaut man sich den Industrie- und Dienstleistungssektor an oder betrachtet die Jobs im Energiebereich, sieht man schnell: Das Land steuert geradewegs auf eine Rezession zu. Aber diese Nachrichten sind bekannt, da gibt es wenig Überraschendes. Und die Märkte preisen genau dies jetzt ein. Mir kommt es so vor, als ob im Moment alles Negative herausgekramt wird, um schlechte Stimmung oder sogar Panik zu verbreiten.

Aber wie sollen Anleger oder Menschen, die ihre Altersvorsorge über Fonds regeln, jetzt reagieren?

Saurenz: Für deutsche Privatinvestoren ist die Aussage Roberts geradezu nutzlos. Denn auch Ende 2008, als die Finanzkrise ins Laufen kam, las man solche Überschriften. Damals notierte der Dax bei knapp 5000 Zählern, fiel in den Folgemonaten noch unter 4000. Schon vier Jahre später kratzte er jedoch wieder die 8000er-Marke. Ob ein "Verkaufen Sie alles" in solchen Phasen langfristigen Anlegern hilft, muss jeder selbst einschätzen.

Können private Anleger vielleicht sogar profitieren?

Saurenz: In den vergangenen 25 Jahren war es nicht die schlechteste Idee, Aktien zu kaufen wenn die Stimmung am Boden war und sie zu verkaufen, wenn alle Risiken ausgeblendet werden. Die Indizien, die wir aktuell beobachten, waren in der Vergangenheit häufig ein Signal, dass man auf einen Ausverkauf zusteuert. Wer Aktien als Langfristanlage sieht, der kann jetzt gute Unternehmen günstiger einkaufen. Natürlich kann der Dax noch bis unter 9000 Zähler fallen. Doch jetzt mit einem Sparplan oder einem ETF (börsengehandelter Indexfonds) zu beginnen kann langfristig ein guter Ansatz sein.

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