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Vergessen Sie Mexiko und Nigeria: Diese Staaten sind die Märkte von morgen

Börsianer sprechen von Brics, Mints oder Ticks, dahinter verbergen sich Staaten, in die es sich lohnen soll, zu investieren. Doch die Prognosen stimmen nicht immer, weiß Finanzprofi Adriano Lucatelli. Und verrät, welche Staaten gute Aussichten bieten.

Von Adriano B. Lucatelli

  Mexiko, Indonesien, Nigeria und die Türkei - kurz die MINT-Staaten.

Mexiko, Indonesien, Nigeria und die Türkei - kurz die MINT-Staaten.

Zuerst kamen die "Brics". Dann waren für kurze Zeit die "Civets" und die "Mints" an der Reihe. Und nun sind es die "Ticks", die in aller Munde sind. Verwirrt? Dann sind sie in guter Gesellschaft. Hinter den unlogischen Buchstabenkombinationen verstecken sich aufstrebende Schwellenländer, denen man eine große Zukunft voraussagt. Denn wer an der Börse handelt, will die Überflieger von heute schon morgen kennen. Und bündelt meist vier (oder mehr) Trend-Staaten von morgen in einem Paket. 

Die Bric-Staaten: Schwellenländer auf dem Vormarsch

Bei den Brics handelt es sich um einen Begriff, der von Jim O’Neill, damals noch bei Goldman Sachs, im Jahr 2001 kreiert wurde. Er meinte damit Brasilien, Russland, Indien und China –  clever durch Bric abgekürzt. Mit der eingängigen Abkürzung wollte er darauf aufmerksam machen, dass man nicht nur die westlichen Industrieländer, sondern auch die aufstrebenden Schwellenländer berücksichtigen sollte.

Ein paar Schleichkatzen...

Bei den Civets (englisch für: Zibetkatzen, eine Art von Schleichkatzen) geht es um Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten, die Türkei und Südafrika. Der Begriff geht auf Robert Ward vom "Economist" zurück. Doch war es vor allem Michael Geoghegan von der HSBC, der dieses Akronym im Jahr 2010 in der Investorenwelt populär machte. Die Schleichkatzen-Staaten sind jedoch seither wieder von der Bildfläche verschwunden.

... und Länder mit Anbindung zu großen Märkten

Schließlich kamen im Jahr 2011 die Mints in Mode. Der Neologismus wurde von der US-Fondsgesellschaft Fidelity in Umlauf gebracht und steht für die Länder Mexiko, Indonesien, Nigeria und Türkei.

Auffallend an der Kombination ist Nigeria, eines der wichtigsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent, das sicherlich die Rolle eines Hubs für Investitionen im letzten Grenzmarkt («last frontier») übernehmen dürfte.

Bei den anderen drei Mint-Staaten fällt auf, dass sie alle an große Märkte angrenzen. Die Türkei profitiert von der Europäischen Union, Mexiko ist über das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) mit den USA verbunden, und Indonesien steht vor der Haustür Chinas. Diese Nähe zu großen Absatzmärkten dürfte in diesen Ländern das Wirtschaftswachstum auf lange Sicht begünstigen.

Weiter handelt es sich um bevölkerungsstarke Länder mit einem großen Reservoir an jungen Arbeitskräften. Dies wird ihnen in Zukunft zum Vorteil gereichen, während sich die westlichen Industrieländer mit einem geringen Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig alternder Bevölkerung herumschlagen müssen.

Mint oder Bric - das ist hier die Frage

Aber wie steht es um die Mints wirklich? Wie haben sich diese Länder in den globalen Finanzmärkten geschlagen, und wie stehen sie im Vergleich zu den Brics da? Ist es gerechtfertigt, von der nächsten Erfolgsgeschichte zu sprechen, oder handelt es sich bei den Mints lediglich um einen neuen Hype?

Die Brics waren eine eigentliche Erfolgsgeschichte. Als am Ende des Kalten Kriegs noch kaum jemand wagte, in Schwellenländer zu investieren, erkannte Jim O’Neill weitsichtig die Veränderungen der globalen Wirtschaftsdynamik und ermunterte zu Investitionen in den Bric-Schwellenländern.

Tatsächlich haben sich die Brics-Aktienmärkte seit der Einführung dieses Begriffs im Jahr 2001 sehr gut entwickelt. Verglichen mit den Industrieländern haben sie die Erwartungen klar übertroffen. Während die Brics, gemessen in US-Dollars, zwischen 20,4 Prozent (Brasilien) und 253 Prozent (Indien) zulegten, stieg der US-Aktienmarktindex S&P 500 um 49,4 Prozent. Der Eurostoxx-50-Index, gemessen in US-Dollar, verlor in der gleichen Periode knapp 27 Prozent.

US-Geldpolitik belastet Bric-Staaten

In letzter Zeit haben die Brics, wie andere Schwellenländer, unter der Straffung der ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank gelitten. Viele Investoren haben Gelder abgezogen. Die erste Zinserhöhung in den USA seit 2006 hat zu weiteren massiven Kapitalabflüssen geführt, die – verbunden mit höheren Inflationsraten und schwachen Währungen – belastend auf das Wirtschaftswachstum wirkt. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat Goldman Sachs 2015 ihren Bric Fund aufgelöst. Am Schluss hatte der Fonds gerade noch 100 Millionen Dollar verwaltet. Auf dem Zenit im Jahr 2010 waren es noch 800 Millionen Dollar gewesen.

Mint-Länder tauchen ab

Stimmt das auch für die Mints? Wenn man die Performance seit der Formulierung des Akronyms im Jahre 2011 bis heute betrachtet, tritt Ernüchterung ein. Während sich die Aktienmärkte der Industrieländer in der gleichen Zeitperiode positiv entwickelten (S&P 500 +52,6Prozent und Eurostoxx 50 -9,0 Prozent), verloren die Mint-Staaten klar den Anschluss. Alle Börsenindeces der Mint-Länder wurden tief in Rot getaucht.

Was könnten die Gründe sein? Neben den erwähnten geldpolitischen Maßnahmen in den USA dürfte auch der unterentwickelte makroökonomische Rahmen in den Mints dafür verantwortlich sein. Oft wird die Wichtigkeit von Faktoren wie Rechtsstaatlichkeit, (privatem) Eigentum und Investorenschutz für Ausländer vergessen. Und genau da hapert es bei den Mints. Beim sogenannten «Ease of Doing Business»-Weltbank-Index liegen die Mint-Staaten auf den hintersten Plätzen.

Auch das Ende des Rohstoffbooms und der Kollaps des Ölpreises haben Länder wie Brasilien, Russland und Nigeria hart getroffen. Eine Zahlungsbilanzkrise aufgrund der schwindenden Währungsreserven und schwächelnden Währungen scheint wahrscheinlich.

Die Mints sind tot. Lang leben die Ticks!

Anstelle der rohstofflastigen Länder treten technologiebasierte Länder. So wird Bric durch Tick abgelöst (Taiwan, Indien, China, Südkorea). Abgesehen von der eingängigen Abkürzung sagt die Zusammensetzung der Gruppe viel über die sich verändernde Natur der Schwellenländer – und der Welt generell. Dienstleistungen, insbesondere Technologie, treten in den Vordergrund, und der Handel mit physischen Gütern, vor allem Rohstoffen, ist auf dem Rückzug. Tatsächlich haben die Ticks seit 2001 überzeugen können.

Fazit: Vieles spricht dafür, dass die Ticks die legitimen Nachfolger der Brics auf den aufstrebenden Märkten sind. Das zeigt zum einen die hohe Gewichtung Taiwans und Südkoreas im MSCI Index Emerging Market. Zum anderen haben die Ticks an den Börsen die anderen Schwellenländer klar geschlagen. Vor diesem Hintergrund ergibt ein langfristiger Einstieg in die Tick-Märkte durchaus Sinn.


Dr. Adriano B. Lucatelli ist Schweizer Vermögensverwalter und Dozent an der Universität Zürich. Sie können dem Autor auf Twitter folgen.

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