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Diskussion über Scheitern des Euro

Steht der Euro vor dem Aus? Nach Informationen des stern war ein mögliches Scheitern der Währungsunion bereits Thema bei einer Ökonomenrunde mit Hans Eichel. Der Finanzminister hat jedoch umgehend dementiert.

Das Bundesfinanzministerium macht die Einführung des Euro für die anhaltende Wachstumsschwäche in Deutschland verantwortlich. Das berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf vertrauliche Vermerke für Finanzminister Hans Eichel (SPD). Gestützt wird die Analyse vom Vorsitzenden des Sachverständigenrates Bert Rürup, der ebenfalls "Bremswirkungen auf das Wirtschaftswachstum" festgestellt hat.

Wachstumshoffnungen haben sich nicht erfüllt

Bert Rürup bestätigte gegenüber dem stern, dass die Euro-Einführung durch den Verlust des Realzins-Vorteils für Deutschland wie eine Wachstumsbremse wirke. Die Erwartungen, die Währungsunion würde das Wachstum steigern und Arbeitsplätze schaffen, seien "Blütenträume, die sich bislang nicht erfüllt haben." Zudem sei die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank für Deutschland "vergleichsweise hart", aber dies sei der "Preis der gemeinsamen Währung".

In einer vertraulichen Ökonomenrunde mit Finanzminister Eichel und Bundesbankpräsident Axel Weber ist in der vergangenen Woche sogar über ein Scheitern der Währungsunion diskutiert worden. Der stern zitiert den Teilnehmer Joachim Fels von der Investmentbank Morgan Stanley: "Das kann in einigen Jahren zum Super-GAU führen: einem Auseinanderbrechen des Euro."

Keine Gefahr eines Scheiterns

Das Bundesfinanzministerium wollte die Meldung nicht bestätigen: Eichels Sprecher, Stefan Giffeler, sagte, selbstverständlich gebe es regelmäßige Treffen Eichels mit Branchenvertreten und Vertretern der Bundesbank. "Ich kann nicht bestätigten, dass es in der Bundesregierung eine Diskussion über ein Scheitern der Wirtschafts- und Währungsunion oder des Euro gibt", sagte der Sprecher. Außerdem, so Giffeler sehe der Bundesfinanzminister "die Gefahr eines Scheiterns der Wirtschafts- und Währungsunion definitiv nicht". Es handele sich um eine absurde Diskussion, an der sich der Minister nicht beteiligen werde.

Auch die Bundesbank reagierte auf den stern-Bericht: "Bundesbankpräsident Weber schließt ein Scheitern der Währungsunion aus", teilte Bundesbank-Sprecher Wolfgang Mörke mit. "Er beteiligt sich nicht an einer derart absurden Diskussion." Weber sehe wie Hans Eichel den Euro als "einzige Erfolgsgeschichte" und einen wichtigen Schritt zur Zukunftssicherung in Europa.

Die EU-Kommission hat Gerüchte über ein mögliches Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion zurückgewiesen. Die Sprecherin von EU-Währungskommissar Joaquin Almunia bezeichnete einen entsprechenden Pressebericht am Mittwoch in Brüssel als lächerlich.

Ein mit den Gesprächen Vertrauter sagte dagegen der Nachrichtenagentur Reuters, dass das Thema aufgekommen sei, es sei aber hauptsächlich um die Wachstumsdifferenzen im Euro-Raum gegangen. Als Konsequenz dieses Problems sei als ernsthafte Option in letzter Konsequenz über ein Scheitern der Währungsunion gesprochen worden. Dies sei aber für wenig wahrscheinlich gehalten worden.

Euro sinkt auf niedrigstes Niveau seit sieben Monaten

Der Bericht über ein mögliches Scheitern der Währungsunion, hat den Euro am Mittwoch weiter stark unter Druck gemacht. Die Gemeinschaftswährung fiel um gut einen halben US-Cent auf 1,2265 Dollar und notierte damit auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als sieben Monaten. Das negative Votum der Franzosen zur EU-Verfassung hatte in dieser Woche den Euro schon stark geschwächt. Auch das voraussichtliche Nein der Niederländer zur Verfassung könnte die Währung weiter schwächen.

"Das französische und das wahrscheinliche niederländische Nein zu EU-Verfassung wird als negativ für den weiteren Integrations- und Erweiterungsprozess in Europa angesehen", sagte Commerzbank-Devisenstratege Carsten Fritsch. Negativ für den Euro sei auch der Regierungswechsel in Paris aufgenommen worden, da der neue Ministerpräsident Dominique de Villepin nicht als reformfreudig gilt.

Mit Material von Reuters
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