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Wie uns die Banken melken

Es ist ein fortdauernder Skandal: Die Dispozinsen sind dramatisch hoch, obwohl sich Banken supergünstig refinanzieren können. Und die Politik rührt sich nicht.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Immer wieder eine böse Überraschung - die Dispozinsen.

Immer wieder eine böse Überraschung - die Dispozinsen.

Neu ist das nun wirklich nicht, was die Stiftung Warentest jetzt mit einer bundesweiten Untersuchung bestätigt hat: Viele Banken zocken ihre Kunden hemmungslos ab, wenn sie ihr Konto überziehen. Seit Jahren wird über diese Geldschneiderei diskutiert, passiert ist nichts. Und in Eigeninitiative unternehmen die Banken schon gleich gar nichts. Obwohl sie selbst Geld zu einem historisch niedrigen Zinssatz beziehen, er liegt derzeit unter einem Prozent.

Was die Untersuchungsergebnisse der Stiftung besonders empörend macht, ist die Tatsache, dass die angeblich "kleinen" und "volksnahen" Kredithäuser wie die Raiffeisen- und Volksbanken ihre Kunden am gnadenlosesten schröpfen. Gleichzeitig palavern sie in ihrer Werbung von "Teamwork", "Fairness", "genossenschaftlichen Werten", selbst von "Solidarität". Jürgen Klopp, der populäre Trainer des BVB, beglaubigt das mit seinem Gesicht. Aber wo findet diese "Solidarität" statt? Gar nicht. Am häufigsten wird im ländlichen Raum abgezockt, wo der Kunde kaum eine Chance hat, die Bank zu wechseln.

Makabre Argumentation

Diese Monopolstellung nutzen einige Geldhäuser rabiat aus, die Zahlen sind eindeutig. Kunden zahlen bis zu 14,75 Prozent Zinsen, wenn sie ihr Konto überziehen. Im Schnitt sind es 11,31 Prozent. Angemessen wären nach Ansicht von Experten derzeit zirka neun Prozent. Immerhin: Es gibt Banken, die ihren Kunden weniger als die Hälfte davon abnehmen. Andererseits: Es gibt auch Banken, die niedrige Dispozinsen nur an Neukunden vergeben, um sie anzulocken. Und dann später die Zinsschraube anziehen. Hinzu kommt, dass viele Banken die Höhe der Dispozinsen verheimlichen - trotz der Tatsache, dass Stiftung Warentest nun schon mehrfach nachgefragt hat.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung lehnt einen gesetzlichen Eingriff in die Überziehungszinsen strikt ab. Sie operiert mit dem billigen Argument, das auch Bankenchefs gerne bemühen: Je billiger Geld sei, desto höher und leichter verschuldeten sich die Verbraucher. Hier gewinnt das Thema Verbraucherschutz geradezu makabre Dimensionen: Hohe Dispozinsen schützen angeblich den kleinen Mann.

Milliarden für die Bankenrettung

Weshalb sich die SPD auch nur mit gebremster Leidenschaft des Themas im Wahlkampf annimmt, ist schleierhaft. Denn es wäre politisch kinderleicht zu verkaufen. Zum Beispiel mit dem Hinweis, dass die Steuerzahler in der Finanzkrise Milliarden zugeschossen haben, um die Banken zu retten - und zum Dank weiterhin von den Geldhäusern abgemolken werden als wären sie eine Horde Vieh. Zusätzlich müssen wir auch noch für die gigantischen Schulden gerade stehen, die der Staat aufgehäuft hat, um das Finanzsystem zu stabilisieren. "Fairness"? Von wegen.

Und was tut Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU)? Sie fordert ein Portal, das sämtliche Gebühren und Zinsen, die für ein Girokonto anfallen, darstellt - und die Banken damit vergleichbar macht. Doch das Portal existiert bis heute nicht. Eine Deckelung der Dispozinsen lehnt auch Aigner ab. Also bleibt alles beim Alten. Zum Schaden der Verbraucher.

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