Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

"Es wird alles komplizierter"

Die Erbschaftssteuer muss geändert werden, hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Es kritisierte vor allem, dass Immobilien beim Vererben geringer besteuert werden als Bargeld oder Aktien. stern.de sprach mit Verband Deutscher Steuerberater über die Konsequenzen.

Die Erbschaftsteuer in ihrer derzeitigen Fassung verstößt gegen das Grundgesetz, der Bundestag muss sie bis spätestens 2009 ändern. Das hat das Bundesverfassungsgericht (BVG) am Mittwoch in einem Grundsatzurteil entschieden. Vor allem kritisierte das BVG, das Immobilien beim Vererben niedriger besteuert werden als Bargeld oder Aktien. Weil das Urteil ausstand, sind alle Erbschaftssteuerbescheide seit 2002 nur vorläufig. Die bisherigen Regelungen sollen aber bis zur Änderung gelten, so das Gericht.

Den Anstoß zum BVG-Verfahren hatte der Bundesfinanzhof in München gegeben. Sie bezweifelten bereits 2001, dass es rechtens sei, Immobilien und anderes Vermögen unterschiedlich zu besteuern. Nach der derzeitigen Regelung müssen fallen auf - beispielsweise - 500.000 Euro Bargeld die vollen Erbschaftssteuern an. Ein Haus im Wert von 500.000 Euro wird hingegen geringer besteuert. Bei einer solchen Immobilie werden nur etwa 50 Prozent des Verkehrswertes besteuert, Ländereien und Gebäude aus Land- und Forstwirtschaft werden oft nur mit etwa 10 Prozent ihres Wertes angesetzt.

3,76 Milliarden in die Kassen

Weil nun auch die korrekten Verkehrswerte der Immobilien berechnet werden müssen - der Gesetzgeber aber auch nach dem Urteil des BVG Möglichkeiten hat, Häuslebauer beim Vererben zu begünstigen - rechnet der Verband Deutscher Steuerberater (DStV) mit einem höheren bürokratischen Aufwand. "Alles wird komplizierter", sagte Annette Theobald, Sprecherin des DStV zu stern.de. Vermutlich würde vor allem die Branche der Gutachter profitieren, da Immobilien nun individuell bewertet werden müssten. Verbrauchern rät Theobald, erst einmal die neue Regelung 2009 abzuwarten, akuter Handlungsbedarf bestehe nicht.

Die Erträge der Erbschaft- und Schenkungsteuer stehen allein den Bundesländern zu. 2006 spülte sie den Finanzämtern rund 3,76 Milliarden Euro in die Kassen. Damit hat sich ihr Aufkommen dem Statistischen Bundesamt zufolge binnen zehn Jahren verdoppelt.

Auch Firmen-Nachfolge tangiert

Das Urteil dürfte auch Auswirkungen auf das von der großen Koalition geplante Gesetzes zur Unternehmensnachfolge haben. Es liegt derzeit auf Eis. Das Gesetz sieht vor, dass Erben die Steuerschuld auf produktives Betriebsvermögen über zehn Jahre gestundet wird, wenn sie die Firma in vergleichbarem Umfang fortführen. Dabei spielt auch eine Rolle, ob sie die Arbeitsplätze erhalten.

lk/DPA/AP/Reuters/AP/DPA/Reuters
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools