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Hypo Real Estate droht Kollaps

Alarmsignal für die deutsche Bankenlandschaft: Dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate droht nach Informationen der "Financial Times Deutschland" der Kollaps. Damit schlägt die Finanzkrise erstmals massiv auf einen Dax-Konzern durch.

Wie aus Regierungs- und Finanzkreisen verlautete, suchen Deutschlands private Banken seit Tagen fieberhaft nach einer Lösung zur Rettung des Dax-Konzerns Hypo Real Estate. Ein Sprecher des Unternehmens, das massiv in amerikanische Ramschhypotheken investiert hat, wollte die Informationen nicht kommentieren. Die Finanzaufsicht BaFin, die an den Gesprächen beteiligt ist, lehnte ebenfalls einen Kommentar ab.

Verantwortlich für die Schieflage der Bank sind nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) Spekulationen der irischen Tochter Depfa. Der Staatsfinanzierer hatte sich für Langfristprojekte, für die er Geld verliehen hat, extrem kurzfristig refinanziert - was wegen des Misstrauens an den Märkten inzwischen nicht mehr möglich ist. "Der Markt für die Depfa ist tot", heißt es in Finanzkreisen. Für die Refinanzierung muss nun die Hypo einstehen. Nach "FTD"-Informationen geht es um einen zweistelligen Milliardenbetrag. Es sei derzeit unwahrscheinlich, dass die Hypo Real Estate diese Summe stemmen kann.

Zudem droht auch dem niederländisch-belgischen Finanzkonzern Fortis die Zerschlagung. In Notsitzungen berieten am Sonntagabend Regierungen, Aufsichtsbehörden und Zentralbanken über die Zukunft des Finanzkonzerns, der in den beiden Ländern beheimatet ist. EZB-Direktor Jean-Claude Trichet traf in Brüssel mit EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und den belgischen und niederländischen Finanzministern zusammen. Auch die Notenbankchefs aus Belgien und den Niederlanden nahmen an dem Krisentreffen teil. Im Raum standen die Abspaltung des Bankgeschäfts und die komplette Übernahme des Konzerns durch einen Rivalen. Interesse sollen BNP Paribas aus Frankreich und ING aus den Niederlanden haben. Fortis-Chef Herman Verwilst war am Freitag zurückgetreten, nachdem Gerüchte über eine schwache Liquiditätsausstattung des Konzerns die Aktie massiv auf Talfahrt geschickt hatten. Die Konzernführung bestritt Liquiditätsprobleme. Den Haag dringe auf einen Rettungsfonds, den die Europäische Zentralbank für europäische Finanzdienstleister auflegen solle, hieß es.

Hypo Real Estate und Fortis wären die größten Finanzkonzerne Europas, die wegen der Krise zusammenbrechen. Zuvor war bereits der britische Hypothekenfinanzierer Northern Rock verstaatlicht worden. Das gleiche Schicksal droht seinem Rivalen Bradford & Bingley. In den USA hatten mit Bear Stearns und Lehman Brothers bereits zwei Investmentbanken Insolvenz anmelden müssen, zudem sind weitere 16 Regionalbanken pleite. In Schieflage gerieten in Deutschland bereits die Sachsen LB, die in der Landesbank Baden-Württemberg aufgegangen ist, sowie die Mittelstandsbank IKB, die heute US-Finanzinvestor Lone Star gehört.

FTD
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