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11. Oktober 2008, 20:47 Uhr
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Was uns der Crash lehren sollte...

Da stehen sie nun beisammen, die Banker, Börsianer und Politiker. Und neben ihnen stehen wir. Am Abgrund, wie es heißt. Kurz vor dem Exitus, wie man nach dieser Crash-Woche meinen könnte. Und was lernen wir daraus? Einiges. Eine Analyse von Frank Donovitz

Finanzkrise, Lehren

Die Talfahrt an den Börsen nimmt kein Ende© Frank Rumpenhorst/DPA

Nehmen wir einmal an, die menschliche Gier sei eine Sucht. Wir alle seien mehr oder weniger süchtig - nach mehr. Vor allem nach mehr Geld. Wer ist Schuld an dieser Sucht? Die Süchtigen selbst, wir Sparer und Anleger? Unsere "Dealer", die Finanzberater? Oder die "Drogen-Anbauer", Investmentbanker? Oder am Ende "Polizei" und Politik, die den Sumpf nicht austrocknen können, oder auch nur glaubten, es nicht zu können?

Sie alle, wir alle, haben Schuld am Crash. Nicht gleichermaßen, und nicht mit gleichen Folgen. Also der Reihe nach.

"Polizei" und Politik. Ein Vierteljahrhundert hat sich die Politik von Wirtschaftstheoretikern und Geschäftemachern einreden lassen, nur der allerfreieste Markt bringe das Paradies auf die Erde. Wenig Gesetze, kaum Regeln, wenig Staat, ganz viel Markt - und schon liefe alles wie am Schnürchen. Auch am Finanzmarkt. Zuerst eingeschlagen hat Maggie Thatcher, die frühere britische Regierungschefin. Und Ronald Reagan, der zur selben Zeit US-Präsident war. In beiden Ländern ist der Abgrund heute am tiefsten. Ihre "Polizisten" in Zentralbanken und Aufsichtsbehörden gaben sich oder waren machtlos, oder - weit schlimmer - Helfershelfer. Sie senkten den Preis für Geld, den Zins, um jeden Preis. Das "Drogen"-Geschäft musste am Laufen gehalten werden - sonst würde es gefährlich.

So wurde ein selbstgemachter Aufruhr nach dem nächsten erstickt: Der globale Börsen-Crash 1987, der Immobilien- und Banken-Crash in Japan zu Beginn der 1990er Jahre, der "Tiger-Staaten-Rubel"-Crash 1997/98, der Internet-Crash 2000, und aktuell der Kredit- und Geldmarkt-Crash. Ganz nebenbei bügelte die amerikanische Zentralbank-"Polizei" auch noch geopolitische Crashes aus, zum Beispiel den ersten Irak-Krieg, den Terror des 11. September 2001, den zweiten Irak-Krieg. Dass diese 25 Jahre andauernde Geld- und Finanzpolitik - besonders anglo-amerikanischer Art - nicht unbedingt das Paradies hervorbringt, ist mittlerweile klar. Sogar in London und Washington gibt man sich lernfähig - weil es sonst wirklich gefährlich würde.

Die "Drogen-Anbauer". Es wird ja niemand gezwungen, unsere Angebote zu kaufen, murmeln die letzten Lobbyisten der Investmentbanken, die selbst schon seit Tagen stumm wie Fische sind. Und illegal sei das alles ja auch nicht gewesen. Und auf Risiken und Nebenwirkungen habe man in jedem Prospekt hingewiesen. Juristisch einwandfrei, versteht sich. Stimmt. Stimmt alles. Und es ist auch nicht alles schlecht oder wirtschaftlich unnütz, was Investmentbanker aussäen. Es ist am Ende schlicht die Frage von Moral und Verantwortung, die Physiker zwischen Röntgenstrahlung und Bombenverstrahlung, den Botaniker zwischen Heil- und Giftplanzenzucht entscheiden lassen. Diese Frage haben die allermeisten Investmentbanker zu ihren Gunsten, und damit zu Lasten aller anderen entschieden. Sie haben sich damit disqualifiziert, mit samt ihren Giganten-Gehältern. Geht damit in Frieden, aber geht! Was nachkommende Investmenbanker daraus lernen, ist offen.

Unsere "Dealer". Man sei wirtschaftlich gezwungen gewesen, den Stoff zu verkaufen, heißt es verschämt aus den Banken. Mit Zinsgeschäft sei schließlich jahrelang keine müde Mark zu machen gewesen - Schuld seien Politik und "Polizei". Also ging man auf Provision. Ganz irre seien die Süchtigen auf das Zeug gewesen. Die Anleger zum Beispiel auf hohe Dividenden bei Finanz-Aktien. Solche Erklärungsversuche sind blanker Hohn. Wer zum Beispiel wie in den USA Kredite vergibt, pardon "dealt", im Wissen, dass sie gar nicht zurückgezahlt werden können, gehört raus aus Filialen und Kunden-Wohnzimmern - direkt auf eine Anklagebank.

Dorthin gehören auch Leute, die Zertifikate als sichere Anlage verkloppen. Dummerweise verabsämte die Politik bislang entsprechende Strafgesetze. Jetzt ist das Vertrauen in die "Dealer" auf Null, unguter Weise, denn sie haben auch Gesundes im Sortiment. Sie werden wieder lernen müssen, sich mit dessen Verkauf zu begnügen. Schnellstens! So, wie das vor 25 Jahren, rund 1000 Jahre (mit Ausnahme der 1930er Jahre) zumindest ohne Weltzerstörung funktioniert hat. Und ihre Anteilseigner haben sich gefälligst mit entsprechend geringeren Dividenden abzufinden - oder ihre Anteile zu verkaufen.

Wir "Süchtigen". Klar wollen einige von uns dicke Villen, Monster-Flachbildfernseher und PS-Boliden, ohne etwas auf dem Konto zu haben. Klar sind die Amerikaner dabei am weitesten vorne. Klar haben war Sparbücher und Bausparverträge als Witzbegriffe verwendet. Waren wir besoffen! Haben wir uns von den "Dealern" beschwatzen lassen! Hätten wir sie doch nur so eingeschätzt, wie wir Gebrauchtwagenhändler, Handy-Tarifdreher oder auch nur manch redlich bemühten Versicherungsvertreter einschätzen. Dann wäre uns der kalte Entzug dieser Tage erspart geblieben. Denn wir hätten uns mit der Materie ausgekannt, oder wären zumindest gesund skeptisch geblieben. Doch leider wissen wir sogut wie nichts über unser Geld. Jedenfalls zu wenig. Das sollten wir ändern. Der nächste Entzug und das steuerliche Begleichen der Rechnungen von "Drogen-Baronen" ist nur durch Aufklärung zu verhindern.

Und die 30.000 ganz, ganz Schlauen? Die, die 6,10 Prozent "sicheren" Jahreszins bei der isländischen Kaupthing Bank kassieren wollten? Bei vier Prozent allgemeinem Zinsniveau, ohne deutsche Einlagensicherung? Offen gestanden: Mitleid für Nicht-Therapierbare (man erinnere sich an all die Crashes der letzten 25 Jahre!), die sich fit wie Turnschuhe wähnen, hält sich arg in Grenzen. Seit Jahren schreiben und senden sich unabhängige Journalisten die Finger gegen solche Zockereien wund - an mindestens 30.000 Adressen rauschten die Botschaften vorbei. Es wird Ihnen eine Lehre sein. Vielleicht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Womöglich, so könnte man dagegen halten, hörte das Publikum lieber die Botschaften jener Medien, die "Finanzdienstleistern" scheinbar jeden Mist abgekauft haben. Wenn dem so wäre - wofür einiges spricht -, sollte es jenen Medien eine Lehre sein.

Hoffung stirbt zuletzt. Auch an der Börse. Die Crashes der vergangenen 150 Jahre wurden jedenfalls immer wieder aufgeholt - zumeist in weniger als zehn Jahren. Sollte es diesmal etwas länger dauern, wäre das womöglich gar kein so schlechtes Signal. Dann hätten nämlich alle etwas gelernt.

Eine Analyse von Frank Donovitz
KOMMENTARE (10 von 20)
 
DasBertl (13.10.2008, 00:56 Uhr)
@putinki
jaja wir haben ja schon gemerkt das die HartzIV-Empfänger schuld sind am Börsencrash (@fürs nichts tun...). Um sie noch zu kurieren bräuchts wohl mehr als einen (rechten) Börsencrash... Ein Umerziehungsheim und Entnazifizierung wäre nicht schlecht....
lazarus06 (12.10.2008, 12:17 Uhr)
@ganzbaf 100% JAWOLL
Nur wird wie zu allen Jahrtausenden die Oberschicht kaum freiwillig auf das Verzichten was sie nun haben,denn in dem jetzigen Sytsem fühlen die sich Pudelwohl ! ALSO GESCHICHTBUCH LESEN,DA STEHT'S WIE DAS ENDEN WIRD.. Aufstand der ausgeMERKELten Bevölkerung,Versuchter Niederschlag des selben ( Bundeswehrim Inneren) Vorzeigen des Sündenbocks ( Ausländer ) wenn alles am Boden ist gibt's wieder Bedarf,die Wirtschaft wächst und der ganze Mist beginnt von vorn (-:
Kaupthing (12.10.2008, 11:35 Uhr)
Selber Schuld?
Wie in vielen Fällen, wenn in den Medien ein Artikel z. T. die persönliche Meinung des Autors widerspiegelt, wird auch hier eine m. E. unzulässige Verallgemeinerung des Sachverhalts vorgenommen.
Bei der Kaupthing Bank NL Deutschland handelt es sich um eine Zweigniederlassung, welche die Bestimmungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), sowie der Europäischen Union erfüllt hat - u. a. durch die Absicherung in Höhe von Einlagen bis zu 20.887 EUR zu 100% durch den isländischen Einlagenfond.
Seit der Verstaatlichung der Kaupthing Bank durch die isländische Regierung am 9.10.2008 sind eine Vielzahl neuer Informationen im Umlauf. Viele Artikel sind in dieser Hinsicht allerdings wohl sehr halbherzig recherchiert, was sich allein schon daran zeigt, wie unterschiedlich (und z. T. widersprüchlich) der Sachverhalt in verschiedenen Artikeln dargestellt wird.
Ohne den Artikel insgesamt herabwürdigen zu wollen: Wer meint, diese Fakten in einem Absatz abhandeln, und die Kaupthing-Anleger als habgierige Spekulanten darstellen zu können, wird meiner Meinung nach seiner Verantwortung als Journalist in keinster Weise gerecht.
Putinki (12.10.2008, 08:37 Uhr)
Was soll die Finanzkrise uns lehren?
Wenn nach fast 55-jährigen grausamer DDR Diktatur des Kommunismus, wieder ca.50% des deutschen Volkes nach so einer gewalttätigen Gesellschaftsform sehnt, dann sieht es mit der Lernfähigkeit recht mies aus. Solange es etwa für Nichts gibt, ist auch jede Finanzeinrichtung oder Diktatur gut genug. Was fehlt ist ein Knüppel.
th_nung (12.10.2008, 08:33 Uhr)
Die Medien sind schuld!
Nachdem Herr Donovits aus der üblichen erhabenen Position des Journalisten Kritik verteilt hat möchte ich mal behaupten dass der wichtigste Schuldige seinem Blick entgangen ist. Man schaut ja nicht in den Spiegel wenn man ringsum nach Versagern Ausschau hält.
Die mediale Inszenierung von Bereicherung und Reichtum die "unseren" Materialismus kräftig förderte. Der Mangel an Analyse, Recherche und Warnung VOR dem Crash. Und nun das kräftige Schüren von Panik um den Umsatz der eigenen Blättchen zu steigern. Was zusätzlich den Abwärtstrend födert und viele Tausende Einzelne und Familien zusätzlich ins Unglück stürtzt...
Wird das der gesellschaftlichen Verantwortung als "Vierte Macht" gerecht?
toemmel (12.10.2008, 03:14 Uhr)
Luftpumpen?
..was predige ich schon seit Jahren?
Wenn auf der einen Seite das Volumen von Waren und Dienstleisthngen um einen Faktor X wächst - und auf der anderen Seite Zinsen und Renditen um den Faktor Y, dann ergibt sich für X
sky_1 (12.10.2008, 03:02 Uhr)
@QTT2007:
Genau! Ich habe auch VWL und BWL studiert (arbeite auch halbwegs erfolgreich in einem guten sinnvollen Job in Kombination mit IT) und die 100 Zeichen reichen nicht wirklich, um den Sachverhalt zu kommentieren. Ich empfehle: Wählen gehen und dann bitte "Links"... aber dafür geht es den Deutschen immer noch nicht schlecht genug... ;_)
sky_1 (12.10.2008, 02:54 Uhr)
was uns die Sache lehren sollte. die zweite...
na toll, Direkthilfe in zweistelliger Milliardenhöhe, ber für einen Hartz 4 Empfänger (mit Familie) ist noch nicht mal die dringend benötigte Erhöhung von 50 € drin.
ch nehme letzteres nicht in Anspruch, sondern verdiene mit meinem IT/BWL Wissen halbwegs genug Kohle und habe dabei sogar noch Spaß... aber wenn ich so was lese... ich kann nur schwer jedem empfehlen, bei der nächsten Wahl die Linkspartei zu wählen. Die teilweise Verstaatlichung der Märkte gehört übrigens ansatzweise zu deren Konzept... ;_))
sky_1 (12.10.2008, 02:49 Uhr)
was uns die Sache lehren sollte...
da wird gerade eine Menge Geld von unsere "Regierung" in das Katastrophengebiet gepumpt...für einen Hartz 4 Empfänger (mit Familie) ist noch nicht mal die dringend benötigte Erhöhung von 50 € drin... Ich nehme letzteres nicht in Anspruch, sondern verdiene mit meinem IT/BWL Wissen halbwegs genug Kohle und habe dabei sogar noch Spaß... aber wenn ich so was lese... ich werde 1. kommenden Montag bei der Jahreshauptversammlung der Linken in Bonn anwesend sein und 2. schaue ich mir das in Deutschland noch 2 Jahre an, und dann bin ich weg Richtung Ausland...
zurgat (12.10.2008, 01:02 Uhr)
nunja die einfachste schlussfolgerung wäre
Das man nur Banken die bewiesen haben das man ihnen vertrauen kann auch geld in die hand drücken sollte...
also beinahe keiner bank irgendwas zum verwalten geben *gg
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