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Warum sind Frauen so naiv, wenn es ums Geld geht?

Sie arbeiten in Teilzeit, die Familie hat immer Vorrang - ein Teufelkreis für Frauen, meint Psychologin Martina Lackner. Denn Geld ist Macht, auch in Familien. Und mit einem Blick auf die Altersvorsorge ist die gelebte Naivität schon besorgniserregend. 

Von Martina Lackner

Frauen und Geld

Beim Thema Geld sind Frauen erschreckend naiv

Wussten Sie schon, dass Frauen eigentlich gar kein Geld brauchen? Behaupten sie zumindest, wenn man sie darauf anspricht, wie sie mit einem Teilzeitjob die Rente finanzieren wollen oder ganz aufs Arbeiten verzichten, weil sie ihre lieber selbst betreuen möchten statt sie den inkompetenten Erzieherinnen einer Kindertagesstäte zu überlassen. Aha. Wie kommt es, dass Frauen so beim Thema Geld so erschreckend naiv sind?

Martina Lackner : Psychologin, Buchautorin und Inhaberin der PR Agentur cross m.

Martina Lackner ist Psychologin, Buchautorin und Inhaberin der PR Agentur cross m. Gemeinsam mit Top-Managerinnen hat sie das Buch "21 Erfolgsfrauen - 21 Karriereformeln" geschrieben. Die Führungsfrauen geben sehr individuelle Einblicke, wie sie es an die Spitze geschafft haben - inklusive Stolpersteinen und verborgenen Machtzentralen der Wirtschaft

Sie glauben mir nicht? Mein Lieblingsbeispiel ist eine meiner Freundinnen. Sie sagt: Alles kein Problem, sondern eine Frage der Ansprüche. Wenn sie sich scheiden ließe, müsse ihr Mann weiter Unterhalt für sie zahlen und dann sei da auch noch das Haus ihrer . Klingt alles sehr unproblematisch, durchdacht und logisch. Aber ich bin nicht überzeugt und frage nach: Wie viel Rente bekommst du eigentlich? Weißt du das denn? Es wird zum Leben reichen, bekomme ich als Antwort. Ich fange an zu rechnen. Bei einem 20-Stunden-Job auf 30 Jahre gerechnet - Kinderziehungszeiten nicht eingerechnet – resultieren daraus im Staatsdienst mit viel Glück 800 bis 1000 Euro Rente. Der Unterhalt im Scheidungsfall wird gegen Null gehen und das Haus der Mutter – mittlerweile 30 Jahre alt – muss durch 3 geteilt werden.


Meine Rechnung ergibt weniger frohlockende Aussichten, als meine Freundin sie mir weismachen will. Ich sei viel zu sehr aufs Geld fixiert, kontert sie meinen Einwand. Ich würde mich ja dem patriarchalisch dominierten Wirtschaftssystem unterwerfen. Logisch: wollen erfolgreich sein und zwar für Geld. Wenn wir Frauen ebenso handeln, sind wir in den Augen meiner Freundin wie die bösen Männer. Zu meiner Ehrenrettung fällt mir gerade noch ein, dass ich auch arbeite, um mich selbst zu verwirklichen. Das konnte meine Freundin noch verstehen. Selbstverwirklichung ist akzeptabel, aber bitte nicht für Geld.

Die Gleichberechtigung hört beim Geldverdienen auf

Also führe ich meinen letzten Trumpf ins Rennen – die Frage nach dem Status. Hast du das Gefühl, dass du Anerkennung für die Erziehung deiner drei Kinder bekommst, frag ich meine Freundin? Bezahlt dein Mann dich für die Erziehungsleistung, die du an seiner Statt erbringst? Bist du in deiner Beziehung gleichwertig oder weniger wert? Es folgt Stille. Naja, lautet die Antwort, ich kämpfe täglich darum, dass mein Mann sich auch um die Kinder kümmert. Wir haben uns das anders vorgestellt. Mein Mann und ich wollten beide eine Arbeitsstelle mit flexiblen Zeiten, sodass wir uns abwechselnd um die Kinder kümmern können. Gekommen ist es ganz anders: Mein Mann kann im nachmittags nicht weg und ich mache Abstriche. Ich arbeite nur 20 Stunden und kann mir die Zeit etwas flexibler einteilen. Aber ich verdiene in meinen Sozialjob deutlich weniger als er. Mit anderen Worten: Die Gleichberechtigung beim Geldverdienen ist auf der Strecke geblieben.


Diese Situation ist kein Einzelfall, sondern traurige Realität. Die Schlüsselfrage: Wieso kann, ja muss, die Frau aus ihrem Job weg und der Mann nicht?

Drehen wir das Szenario um, beide machen Karriere, Vollzeit, ähnliche berufliche Positionen, annähernd ähnliches Gehalt, gleicher Status. Wer von beiden geht nachmittags nach Hause, um das kranke Kind früher aus der Kita zu holen? Die Nanny, das Au-pair, die Tagesmutter, die Großeltern oder irgendjemand, der für diesen Job engagiert wurde, jedenfalls nicht die Frau als Mutter des Kindes. Sie befindet sich nämlich zu diesem Zeitpunkt auf Dienstreise in einem anderen Teil Deutschlands. Man(n) kommt hier nicht auf die Idee, seine Frau zum Kind zu schicken. Ginge auch gar nicht, sie glänzt durch Abwesenheit.

Was macht den Unterschied aus? Im Fall meiner Freundin verdient sie schlichtweg nicht genug Geld, um die Kinderbetreuung outsourcen zu können, sie fügt sich in das klassische Rollenmodell, im zweiten Modell wird ein Dritter mit der Betreuung der Kinder beauftragt. Wer von den beiden Frauen hat einen besseren Status? Innerhalb der Paarbeziehung und auch außerhalb? Diejenige, die Geld verdient – sie sitzt vermutlich in einem Meeting in einem klimatisierten Bürogebäude und weiß entweder gar nichts von dem kranken Kind, oder wenn doch, organisiert sie von dort aus den Ablauf im Krisenfall. Von ihr wird niemand verlangen, das nächste Flugzeug zu besteigen, von der weniger verdienenden hoch flexiblen Freundin schon. Völlig klar, dass sie zur Kita rast und nicht ihr Mann. Wieso?


Willkommen in der Teilzeit- und Hausfrauenfalle

Kennen Sie Sätze wie "Du hast ja genug Zeit, um die Kinder abzuholen, du arbeitest ja kaum" oder "Ich bringe das Geld nach Hause, was willst du eigentlich"? Was will Ihr Mann Ihnen damit sagen?

Alle sind gleich, nur einer ist gleicher – Ihr Mann. Seine bezahlte Tätigkeit ist mehr wert als Ihre Arbeit als Hausfrau, Mutter, Teilzeitarbeitende, Gärtnerin, Köchin und Altenpflegerin schließlich haben Sie noch Haus, Hund und alte Eltern. Sie haben keinen Status, weil Sie über kein oder nur geringes Einkommen verfügen. Geld schlägt Betreuungsleistungen. Beziehungsarbeit ist eindeutig weniger wert.


Hartnäckig wie ich bin, löchere ich meine Freundin weiter: Warum gehst du nicht auf eine Vollzeitstelle, dann kannst du dir Kinderbetreuung leisten?

Weil ich niemals auch mit einer Vollzeitstelle annähernd dasselbe verdienen würde wie mein Mann, lautet die Antwort. Die Kinderbetreuung nicht so qualitativ sei wie meine Freundin sie haben will, sie mehr Stress hätte... und andere Argumente, die Ihnen aus Ihrem Leben mit Sicherheit bekannt sind. Übersetzt heißt das: Warum soll ich mich anstrengen? Egal, was ich tue, ich werde nie einen gleichwertigen Status einnehmen. Also bleibe ich, wo ich bin. Deshalb brauche ich auch kein Geld.


Abwärtsspirale beim Selbstwert

Frauen stellen auf dem Weg in Vollzeitberufe aufgrund vieler Hürden, und hier sprechen wir noch nicht mal von Karrierepositionen, Schutzbehauptungen auf. Schutzbehauptungen, die sie auch vor sich selbst als Wahrheit anerkennen. Wenn ein Ziel, das es zu erreichen gilt, so weit weg ist, die Hürden in der Phantasie groß und unüberwindbar, der Mutterinstinkt übermäßig, die Kitas mit schlechter Qualität, die Männer nicht im Unterstützungsmodus, und die Kinder immer nahe an der Verwahrlosung, wenn sie nicht von ihrer Mutter betreut werden, dann brauchen Frauen kein Geld. Sagen sie. Es reiche der Minijob, die Honorar- oder Teilzeitstelle.

Das Problem: Die finanzielle Fall, in der Frauen dann sitzen, wird zu einer Abwärtsspirale, die sich noch in ganz andere Lebensbereiche dreht. Bedürfnisse werden kaum noch wahrgenommen. Zuerst der Boss-Anzug des Mannes, den er für das Büro braucht, dann die Klamotten für die Kinder, schließlich dürfen sie ja nicht gemobbt werden und ganz zum Schluss das T-Shirt von H&M für die Frau. Frau braucht eben kein Geld.

Geld ist Macht - zumindest über sich selber

Ist der Lebensunterhalt gewährleistet, ist der Druck zu arbeiten nicht hoch. Und last but not least – viele Frauen sind verheiratet und haben Eltern und Schwiegereltern. Ein Polster also. Wozu braucht frau in diesem Fall Geld?

Zurück zu meiner Freundin: Sie steckt längst in der Spirale. Kaum Einkommen, kaum Gestaltungsraum in der Beziehung dadurch - und finanzielle Abhängigkeit – auch im Hinblick auf die Altersvorsorge. Wer Geld hat, hat Macht. Zumindest über sich selbst. Und wer kein Geld hat, muss sich fügen.

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Aktienfonds

Ein Fonds ist wie ein Topf, in dem Geld von Anlegern gesammelt wird. Das wird dann investiert – bei Aktienfonds in Anteile an Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden. Damit ist man als Sparer direkt am Erfolg oder Misserfolg von mehreren Firmen beteiligt. Weil das Geld auf viele Unternehmen verteilt wird, ist das Risiko weniger hoch als bei der direkten Anlage in einzelne Aktien. Es gibt Aktienfonds, die sich z. B. auf bestimmte Länder, Regionen oder Branchen konzentrieren.

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