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21. Oktober 2007, 13:43 Uhr
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Was die Bosse wirklich verdienen

Deutschlands Manager sind Meister im Abkassieren: Sie bekommen nicht nur Millionengehälter. Mit Sonderzahlungen, Aktienoptionen und Luxusrenten verdoppeln viele ihr Einkommen. Und fliegt mal einer raus, gibt es eine dicke Abfindung. Wie eine Elite das Vertrauen verspielte. Von Jan Boris Wintzenburg

Jürgen Schrempp mit Frau Lydia: Der Daimler-Chrysler-Boss war einer der bestbezahlten Manager der Republik. Richtig reich wurde er aber erst nach dem Ausscheiden: Seine Aktienoptionen sind geschätzte 100 Millionen Euro wert© Ralph Orlowski/Getty Images

Die 56 Vorstandschefs der in den Aktienindizes Dax und MDax vertretenen Unternehmen gehören zu den bestbezahlten Angestellten des Landes. Die 56 Herren haben im Jahr 2006 zusammen 218 Millionen Euro Gehalt bekommen. Das sind im Schnitt knapp 4 Millionen Euro pro Kopf - und damit mehr, als die allermeisten Deutschen in ihrem Leben verdienen werden.

Jahrzehntelang wurden ihre Gehälter wie Firmengeheimnisse gehütet. Erst seit wenigen Jahren müssen börsennotierte Firmen die Bezüge der Bosse offenlegen. Aber gerade bei den Spitzenverdienern wird verschleiert, was das Zeug hält.

So gibt der Stromkonzern RWE für Ex-Firmenchef Harry Roels, der vorigen Monat die Firma verließ, für 2006 ein Grundgehalt von 1,4 Millionen Euro an. Dazu kamen 2,4 Millionen Euro "variable Vergütung", 24 000 Euro "Sachbezüge" (Dienstwagen et cetera) und 120.000 Euro "Mandatseinkünfte" aus Aufsichtsratsposten bei Tochterunternehmen. Macht zusammen rund 3,9 Millionen Euro.

Dann ist da noch die "langfristige Vergütung" von 8,4 Millionen Euro, die sich aus früher zugeteilten "Wertsteigerungsrechten" der Aktie ergibt. 2006 wurden außerdem "Performance Shares" im Wert von 3 Millionen Euro an Roels ausgegeben. Sie werden aber erst später fällig und dürfen - darauf legte das Unternehmen besonderen Wert - nicht einfach zum Gehalt addiert werden, da ihr Wert "erst nach Ablauf der dreijährigen Wartezeit" feststehe.

Aber das ist noch nicht alles: Für die Altersabsicherung des Vorstandsvorsitzenden fielen "Service Costs" von 1,3 Millionen Euro an. Die für Laien fast unverständliche Antwort auf die vom Gesetzgeber gestellte Frage "Wie viel verdient der Vorstand im Jahr?" nimmt im Geschäftsbericht der RWE sechs Seiten ein. Auf Basis dieser Daten taxiert die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung Harry Roels auf 13,6 Millionen Euro Jahresgehalt. Doch nicht für alle Unternehmen liegen überhaupt genaue Daten vor. Der Gesetzgeber verlangt lediglich die Veröffentlichung der Gesamtsumme der Gehälter aller Vorstände eines Unternehmens.

Noch immer brauchen Firmen wie Porsche ihre Vorstandsvergütung nicht komplett offenzulegen - wohl auch deshalb nicht, weil Chef Wendelin Wiedeking vermutlich der bestbezahlte Manager des Landes ist. Experten schätzt ihn auf über 20 Millionen Euro im Jahr. Diese Geheimniskrämerei ist völlig legal. Auch andere Unternehmen sagen nicht, was ihr Spitzenpersonal im Einzelfall verdient. Viele würden weit vorne in der Aufstellung landen.

Doch in dieser Geschichte soll es nicht um Neid gehen. Es geht um gerechten Lohn für gute Arbeit und vor allem um das Vertrauen in die Führungselite der deutschen Wirtschaft. Denn von ihrem Erfolg hängen die Jobs von Millionen Arbeitnehmern ab. Und dieses Vertrauen ist so erschüttert wie lange nicht: In einer repräsentativen Forsa- Umfrage für den stern misstrauen 88 Prozent der Befragten den Bossen. 75 Prozent glauben, dass Manager vor allem ihre eigenen Ziele verfolgen und nicht die der Anteilseigner, Kunden oder Mitarbeiter.

Die Ereignisse der vergangenen Woche zeigen, wieso das Vertrauen in die Bosse so ruiniert ist: Weite Teile des Top-Managements der Firmen EADS und Airbus stehen unter Verdacht, mit Insidergeschäften abkassiert zu haben. Die Manager bestreiten das. Nun wird ermittelt. Siemens akzeptierte eine Strafzahlung von 201 Millionen Euro, weil bestochen und vertuscht wurde. Und auf der außerordentlichen Hauptversammlung von Daimler-Chrysler ging es um das endgültige Ende der von Ex-Vorstandschef Jürgen Schrempp geschaffenen "Welt-AG": Die Fusion mit Chrysler wurde rückabgewickelt. Dabei entlud sich der aufgestaute Frust enttäuschter Anleger: Von einer "parasitären Entwicklung eines Managerkapitalismus" war die Rede. Von einer "Kultur des Absahnens und der Ignoranz". Es sei unerträglich, "dass sich Verantwortliche ungestraft die Taschen vollstopfen". Das Management der Firma sei "mäßig erfolgreich, aber unmäßig raffgierig" gewesen. Als ein Redner Schrempp als "dieser Kerl" bezeichnet, jubeln viele der über 5000 Aktionäre. Kein Top-Manager hat in der Geschichte des Konzerns eine so verheerende Bilanz hinterlassen. Und keiner hat so hemmungslos abkassiert.

Immer neue Meldungen aus den Chefetagen über exorbitant gestiegene Gehälter, Privilegien und traumhafte Altersversorgungen verärgern die Bürger. Während seit dem Jahr 2000 die Durchschnittseinkommen von Arbeitern nach Abzug der Inflation gleich blieben, stiegen die der selbst ernannten "Leistungselite" Jahr für Jahr in großen Schritten. Ihre Argumente, dass Manager eine extreme Arbeitsbelastung haben und viele Unternehmen doch blendend dastehen, die gemachten Fehler Einzelner also gesamtwirtschaftlich nicht so schlimm sein können, überzeugen nicht. Die Fehlleistungen weniger und das enorme Einkommensniveau aller genügen, um den Ruf der Managerzunft nachhaltig zu beschädigen. Millionengehälter und miese Leistung passen einfach nicht zusammen. Das Die-da-oben-wir-hier-unten- Gefühl ist wieder da.

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Ausgabe 42/2007

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KOMMENTARE (10 von 37)
 
Facti (24.10.2007, 12:08 Uhr)
Fast ein Hellseher?
Vor über 30 Jahren entfuhr mir auf einem Seminar auf die Frage "Wie stellen wir uns einen Manager vor?"; spontan die Antwort "Dick, dumm, faul und gefräßig". Erschüttert stelle ich heute fest, der Flachs von damals wird durch heutige Realität mehr als übertroffen.
Jan_Torf (22.10.2007, 19:11 Uhr)
Und was macht Angela?
Unsere (Außen)Kanzlerin Merkel hatte beim G8-Gipfel einen persönlichen Berater in Sachen Afrika(!): Herrn Jürgen Schrempp! In Klimawandelangelegenheiten berät sie der Chef von Vattenfall(!!!). Und dann ist da noch der abgehalfterte Herr von Pierer, auch ein enger Berater der Frau Merkel! Kann es sein, daß das größte Problem, das wir in Deutschland haben, unsere sogenannten Spitzenpolitiker sind? Mich würden die letzten Kontoauszüge unserer Politiker interessieren, aber die werden bestimmt nicht ausgespäht . . . (weil sie bestimmt irgendwo im Ausland angelegt sind, denn sonst würde es solche Steueroasen wie die Schweiz oder Luxemburg nicht mehr geben!) Also schaun mer mal bei der nächsten Wahl, oder gehen wir gar nicht hin oder wie oder was?
sportartmakler (22.10.2007, 12:54 Uhr)
diese diskussion ist doch müßig....
zumindest ist sich der stern nicht zu schade dieses thema in den letzten wochen immer wieder mal zu bringen. dazu noch ein schönes bildchen mit lachenden raffzahnbeispielen und schon dürfen wir unseren frust über die ungerechtigkeiten ( wieder mal) aufschreiben.
Malt (22.10.2007, 12:02 Uhr)
Edit!
Und was "die Bosse wirklich verdienen" ist was ganz anders, als das, was Sie bekommen.
Echoes (22.10.2007, 11:51 Uhr)
Horst Köhler
Am niedlichsten finde ich, wie Herr Köhler über diese Zuschlagsverdiener "empört" ist.
Soll er doch mit Wattebällchen werfen! Ist ja schön, dass unser Bundespräsident mit uns auf dem Sofa einer Meinung ist. Und sonst?
Entweder er macht was, oder er gibt zu, dass er nichts machen kann. Zweiteres würde ihm gut zu Gesicht stehen.
Malt (22.10.2007, 11:45 Uhr)
Nicht Neid...
...sondern vielmehr das gerechtfertigte Gefühl, verarscht zu werden, ist der Grund für die Empörung! Denn wenn einige Menschen Millionen verdienen und gleichzeitig die Menschen entlassen, die diese für Sie erwirtschaftet haben, dann ist da was ganz und gar faul! Ich finde, das Bild von Schrempf zeigt es ganz deutlich: Der Spruch, wer hoch fliegt kann tief fallen stimmt schon längst nicht mehr. Im gegenteil. Je höher man fliegt, desto höher wird man noch getragen... egal, was man treibt. Und wenn der 08/15 Normalverdiener dann sehen muss, dass er selbst eine Abmahnung bekommt, wenn z.B. ein geschenk eines Lieferanten angenommen hat (oft im kleinen und ohne Hintergedanken), der Manager des gleichen Unternehmens aber Scheiße baut und dafür auch noch eine Abfindung im Multi-Millionenbreich bekommt (und das ganze bei vollem bewußtsein darüber, was man macht)... dann hat das nichts mit Neid zu tun. Das ist einfach ungerecht. Aber so ist das bei uns (nicht erst seit gestern). Die Kleinen hängt man, die großen läßt man laufen. Das Schlimme ist nur, dass diese Leute heute nicht mal mehr soviel Schamgefühl haben, das ganze im Verborgenen zu tun. Die machen das ganze noch total öffentlich, stellen sich vor die Kameras und sagen: Das ist so richtig, das habe ich mir verdient! Und das ist die Sauerei dabei! Es wird zeit, dass mal wieder ein paar Benz in die Luft fliegen, um die Verhältnisse wieder gerade zu rücken.
endbenutzer (22.10.2007, 11:34 Uhr)
Wieso...
...wird eigentlich immer das Wort "Neiddebatte" verwendet, wenn es um überzogen Einkommen von Spitzenmanagern geht? Wäre es nicht besser von "Gerechtigkeitsdebatte" zu sprechen? Ist es gerecht, dass ein Mensch z.B. als Altenpfleger sehr hart arbeitet und dafür mit einem mageren Gehalt abgspeist wird, während ein Manager, der "seinem" Unternehmen einen Millioneverlust serviert hat, auch noch mit einigen Millionen abgefunden wird?
nightmare_online (22.10.2007, 09:31 Uhr)
Wenn sie gute Arbeit machen (würden) ...
Mir ist ziemlich egal wie viel ein Manager verdient, wenn er gute Arbeit macht.
Herr Iacocca hat in den 80ern (?!) für 1$ Grundgehalt (!) + Erfolgsprämie in den USA Millionen verdient. Ist für mich in Ordnung.
Aber hier in D verdienen die Manager Millionen (selbstredend nicht auf Erfolgsbasis) und die Leistung dieser Leute geht in aller Regel gerade so eben als "mangelhaft" durch.
Es gab vor langer Zeit mal ein Buch, "Nieten in Nadelstreifen". Das verdient seit langem eine akualisierte Ausgabe.
Achja: Ludwig Erhard sinnierte AFAIK mal darüber, das es nicht in Ordnung sei, wenn ein "Fabrikdirektor" mehr als 10 mal mehr verdient als einer seiner Arbeiter. Erzählen Sie das mal heute einem der sich selbst als Neoliberal bezeichnet :-)
GordonBleu (22.10.2007, 09:09 Uhr)
neid oder raffgier
ich glaube, wir führen in der tat keine neid- sondern eine raffgier-diskussion. falsch, wir führen nicht einmal eine diskussion. mal gibt's nen bericht in der presse/ im tv und man empört sich. ich schreibe nen kommentar und empöre mich. so what? diejenigen, die ihren eigenen geldhahn bedienen, stört's wohl kaum.
was ich mich frage, wo bleibt eigentlich die öffentliche empörung der gewerkschaften? oder können die sich nicht empören, weil die führenden gewerkschaftsfunktionäre in den auffsichtsräten der dax-unternehmen sitzen und diese monströsen managergehälter selber genehmigt haben? hallo herr sommer, herr bsirske? sind sie da???
iovialis (22.10.2007, 09:01 Uhr)
Neid und Gerechtigkeit
Der soziale Friede wird durch eine Neiddebatte massiv gestört. Neid entsteht, indem das, was ich habe in Relation zu dem gestellt wird, was jemand anderer hat. Reicht aber das, was ich habe nicht aus, um mein Leben zu finanzieren, würde ich das nicht mehr Neid nennen, sondern von Ungerechtigkeit.
Gerecht ist, wenn erstmal jeder Leben kann; sozial gerecht wird's dann, wenn jeder auch den gleichen Zugang zu den Möglichkeiten einer Gesellschaft hat - sei es Arbeit, sei es Bildung, sei es Rechtsprechung.
Wenn nun jeder vom volkswirtschaftlichen Gesamtvermögen einen Teil bekommt (damit jeder leben kann) und jene, die etwas erwirtschaften bis zu einer bestimmten Höhe ihren Teil erhalten (steuerfreie bis zu einer Obergrenze, weil "eigener Hände Arbeit"), ist ein wichtiger Punkt der Gerechtigkeit erfüllt. Deshalb: Jovialismus!
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http://www.iovialis.org/download
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