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9. Januar 2008, 18:12 Uhr
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Goldboom treibt Preis auf Rekordhöhe

Die US-Immobilienkrise verunsichert Investoren, Aktienkurse schwanken, Preise steigen. Viele Kleinanleger setzen deshalb auf eine klassisch-solide Anlageform: Gold. Am Mittwoch ist dessen Preis deshalb auf ein historisches Hoch geschossen. Was macht das Edelmetall eigentlich so attraktiv? Von Lisa Louis

Populäre Anlage: Goldbarren - gestapelt in einem Safe der Deutschen Bundesbank© Deutsche Bundesbank/ ddp

Gold gehört zu den seltensten Elementen der Welt. Es ist beliebt, weil es glänzt und leicht verformt werden kann. Es dient als Schmuck, als Währung - und in Krisenzeiten vor allem als Anlageform. Der Wert von Gold ist beständig - und wenn man Glück hat, steigt er sogar. Wie jetzt.

Die Folgen des Zusammenbruchs des Immobilienmarktes in den USA haben Anleger weltweit verunsichert, auch Profis. So kaufen sie immer mehr Gold. Die Nachfrage ist so groß, dass der Goldpreis täglich neue Rekordhöhen erreicht. Am Mittwoch mussten 891,30 US-Dollar für eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls gezahlt werden, zielsicher peilt der Preis die Marke von 900 Dollar für eine Feinunze an.

Weshalb Anleger, auch die kleinen, dem Gold derzeit mehr vertrauen als anderen Anlageformen, etwa Aktien, erklärt stellvertretend eine 40-jährige Kleinanlegerin und Bankanstellte aus dem Kreis München. Sie fürchtet, dass allgemein steigende Preise den Wert anderer Anlagen fallen lassen. Wenn man für den Geldbetrag X nicht mehr so viel bekommt, dann ist auch ein Aktienpapier im Wert des Betrages X schlicht nicht mehr so viel wert. "Wenn ich Geld auf mein Sparbuch einzahle, verliert es reell an Wert", sagt sie stern.de. Gold sei beständiger. Seit zweieinhalb Jahren kauft Steinbach es daher regelmäßig. "Das Geld, das ich zur Seite lege, investiere ich in Gold. Das ist einfach sicherer als Aktien oder Geld auf dem Konto."

Auch Profis erklären den Goldrausch mit der Furcht der Anleger vor rasant steigenden Verbraucherpreisen. Adrian E. Ash, 35, ist Chef der Forschungsabteilung des Goldhändlers BullionVault in London. Seit sieben Jahren beschäftigt er sich mit dem Goldmarkt. Für Ash gibt es eine Kluft zwischen den Angaben der Zentralbanken zur Inflationsrate, die den Anstieg der Preis bemisst, und dem gefühlten Anstieg der Kosten: "Die Menschen spüren einfach eine viel höhere Preissteigerung als zum Beispiel 3,1 Prozent für Europa im Dezember 2007", sagte er stern.de. Dass die reale Inflation geringer ist als die gefühlte, hängt laut Ash damit zusammen, wie die Notenbanken diesen Wert ermitteln. Er wirft ihnen vor, dass die Warenkörbe, die die Banken für ihre Berechnungen zugrunde legen, nicht das Konsumverhalten der Haushalte widerspiegeln. Manche Güter würden über-, andere unterschätzt. So wären beispielsweise Möbelstücke gleichberechtigt mit Nahrungsmitteln, für Essen und Trinken gäben Verbraucher jedoch einen viel größeren Teil ihres Einkommens aus. Steigt nun der Preis von Nahrungsmitteln stärker als der von Möbelstücken, ist die gemessene Inflation schwächer als die gefühlte - da ja der geringe Preisanstieg von Möbelstücken die Inflationsrate drückt. Für den Verbraucher steigen die Kosten des Lebensunterhalts aber stärker, als dies die offizielle Inflationsrate anzeigt.

Goldkauf als Schutz gegen Vermögensverlust

Generell gilt für Anleger folgende Faustregel: Wenn Verbraucher ihr Geld anlegen, müssen die Zinsen auf diese Anlage, das heißt etwa die Rendite auf die Aktien, höher als die Preissteigerung sein. Sonst verlieren die Anleger de facto an Vermögen. Ist die gefühlte Inflation jedoch höher als die Zinsen, suchen Kleinanleger wie Steinbach nach Alternativen zu herkömmlichen Anlagen. Eine solche Alternative bietet eben das Gold: Dessen Kurs hört nicht auf zu steigen, die Rendite ist also höher als die Inflation. "Die Inflationsrate wird von den Zentralbanken heruntergespielt. Gold mit seinen steigenden Kursen ist da für viele eine verlässlichere Anlage als Aktien", kommentiert Steinbach.

Dabei ist Gold für Ash als Anlageform eine "Anti-Investition", die normalerweise nur schwer mit anderen Formen, etwa mit Aktien, konkurrieren kann: Gold erschließe keine neuen Märkte, der Anleger bekäme keine Zinsen auf das gekaufte Gold, sagt Ash.

Immobilienkrise sorgt für steigende Inflation und sinkende Zinsen

Ein Ende des Goldbooms ist dabei nicht abzusehen, denn noch ist völlig unklar, wie lange die Finanzmärkte noch unter den Folgen der US-Immobilienkrise zu leiden haben werden. Seit Mitte 2007 hatten immer mehr amerikanische Haushalte ihre Hypothekenkredite nicht mehr zurückzahlen können. Diese Kredite waren zuvor weltweit in Aktienpaketen versteckt an Banken und Investmentfonds veräußert worden. Da die Banken nun nicht wissen, welche anderen Banken wie viele von den faulen Krediten in ihrem Portfolio haben, steht das Interbankengeschäft auf wackligen Füßen.

Um eine Rezession in den USA zu verhindern, hatte die US-Notenbank Federal Reserve daraufhin im Jahr 2007 20 Milliarden Dollar an kurzfristigen Krediten versteigert. Für diesen Monat sind weitere Kredite von 60 Milliarden Dollar vorgesehen. Auch die Bank of England, die Bank of Canada, die Schweizer Nationalbank und die Europäische Zentralbank hatten auf diesem Wege im vergangenen Dezember Liquidität in den Geldmarkt gepumpt. "Das alles kurbelt die Preissteigerung auf den Märkten weiter an", sagte Ash. "Kommen dann noch Zinssenkungen wie in den USA hinzu, werden Wertpapiere und Spareinlagen immer unattraktiver." Die Federal Reserve hatte im Jahr 2007 den Leitzins schrittweise von 5,25 auf 4,25 Prozentpunkte gesenkt. "Und dabei ist eine Zinssteigerung der einzige Weg, den Trend wieder umzukehren", so Ash. Nur so könne die Inflation gebremst werden, da herkömmliche Anlagen wieder attraktiver erschienen.

Kleinanleger investieren in Gold

Eindrucksvolle Belege für den Goldboom kann auch Mirko Schmidt liefern. Der 37-Jährige ist Geschäftsführer bei Pro Aurum, einem Münchner Goldhandel. Seit 2003 ist das Unternehmen tätig, zu seinen Kunden zählen Privatbanken, Vermögensberater und Privatkunden. Um 40 Prozent habe der Goldumsatz im Jahr 2007 bei Pro Aurum zugenommen. "Vor allem aber hat sich unser Kundenbild verändert", berichtet er. "Während früher eher die professionelle Anlegerschicht bei uns einkaufte, sind es jetzt vermehrt auch Finanzlaien, die ihre Ersparnisse in Gold anlegen." Meint Schmidt. Die Umsatzzunahme bei den Privatkunden habe so im vergangenen Jahr 65 Prozent betragen.

Die Münchner Bankerin kann diesen Trend bestätigen: "Immer mehr meiner Bekannten kaufen Gold - egal, ob sie nun Finanzspezialisten sind oder nicht." Auch sie werde in Zukunft weiter Gold kaufen, sagt sie. Wegen der US-Immobilienkrise. Man wisse ja nie.

Von Lisa Louis
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Muri_Eren (09.01.2008, 22:31 Uhr)
Wie sangen die Rapper von "Public Enemy" einst
"Don't believe the hype!"...und irgendwann wird es dann auch einen Gold-Crash, aehnlich dem Silber-Crash vor einiger Zeit geben.
RINTINTIN (09.01.2008, 20:38 Uhr)
Gold - die Antiinvestition - genau!
Wie bestimmt sich denn der Wert/Preis/Kurs von Gold? Auch hier gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Kein Ding auf dieser Welt trägt automatisch in sich irgendeinen inneren Wert. Wir als Anleger, Konsumenten oder Spekulanten geben durch die Stärke unseres Verlangens einem in der Häufigkeit begrenztes Gut einen Wert, wenn wir dies von einem anderen erwerben wollen und bereit sind dafür einen Preis zu bezahlen. Wenn irgendwann die irrationale Nachfrage nach Gold wieder sinkt, die Produktionskapazitäten steigen oder die jetzigen Besitzer Ihre Bestände auf den Markt werfen und Käufer suchen, dann wird sich erst herausstellen, welchen (Mehr-)Wert die Anlage in Gold wirklich gebracht hat. Aus Gold kann man tollen Schmuck herstellen, es in der Elektrotechnik verwenden, aber im Tresor hat es nur einen Wert, solange dieser Wert kollektiv angenommen und mir von einem Käufer meiner Goldstücke auch gezahlt wird.
Die Sage vom König Midas sagt es sehr schön. Gold kann man auch in größter Not nicht essen.
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