HOME

Von wegen gratis: So tricksen Banken mit "kostenlosen" Girokonten

Banken können mit dem Geld ihrer Kunden kaum noch Rendite erzielen. Deshalb setzen sie trickreich die Preise herauf. 

Girokonto: Banken verlangen Gebühren

Fast 100 Millionen Girokonten gibt es in Deutschland – bei den meisten steigen die Kosten. Die Stiftung Warentest rät: Wer mehr als 60 Euro im Jahr zahlt, sollte den Anbieter wechseln

Früher waren zehn Euro für die meisten Banker Peanuts, heute nutzen sie jeden Trick, um auch an kleine Beträge zu kommen. Peter Breun-Goerke ist deswegen vor Gericht gezogen. Vor einigen Monaten erreichte den Rechtsanwalt der Bad Homburger Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs der Brief eines Klienten. Der monierte, die Düsseldorfer Sparda-Bank West werbe für ein „kostenloses “ , verschweige aber die EC-Karten-Jahresgebühr von zehn Euro. Breun-Goerke befand: Das ist Irreführung. „Es geht nicht um die Höhe des Betrags. Kostenlos muss auch wirklich kostenlos sein.“

Der Advokat kämpft gegen „einen Trend, der in die falsche Richtung läuft“. Bundesweit schrauben die Banker die Kontogebühren hoch. Dagegen ist in einer Marktwirtschaft eigentlich nichts einzuwenden. „Nur verkaufen sie immer mehr Mogelpackungen“, sagt Breun-Goerke. „Die probieren gerade aus, was geht.“ Damit ihre Werbeprospekte weiter mit „Kostenlos“-Slogans glänzen können. Auch Stephanie Heise, Finanzexpertin der NRW, sagt: „Seit Mitte 2016 registrieren wir einen steigenden Beratungsbedarf zu den Preiserhöhungen.“

Banken bitten Kunden zur Kasse

In gibt es fast 2000 Kreditinstitute – und alle suchen nach Einnahmequellen. Bislang verdienten sie gut am Kontostand ihrer Girokunden: Sie legten deren Geld renditestark an. Doch seit die Europäische Zentralbank im vergangenen März die Zinsen auf null gesenkt hat, klappt das nicht mehr. Die Erträge decken kaum die Kosten. Deshalb bitten die Banker ihre Kundschaft wieder direkt zur Kasse. Heike Nicodemus, Projektleiterin bei der Stiftung Warentest, hat für „Finanztest“ gut hundert Banken verglichen. Sie sagt: „Es gibt nur noch 24 wirklich kostenfreie Offerten.“ Über ein Viertel weniger als noch im Sommer. Anbieter sind fast ausnahmslos Institute ohne Filialnetz wie Ing-Diba, Norisbank oder Comdirect.

Gebührenerhöhung bei der Postbank

Besonders kreativ bei der Preisgestaltung zeigt sich die , der größte Privatanbieter mit rund 5,3 Millionen Girokunden. Im November hob sie die Gebühr um bis zu 245 Prozent an. Zuvor kostete das „Giro Plus“ ab einem monatlichen Geldeingang von 1000 Euro keinen Cent, die zugehörige Visa-Karte 22 Euro im Jahr. Nun strich die Deutsche-Bank-Tochter den 1000-Euro-Passus, und es sind 3,90 Euro Monatsgebühr fällig, wenn nicht mindestens 3000 Euro eingehen. Die Kreditkarte kostet jetzt 29 Euro. Folge: Viele Stammkunden werden nun mit 75,80 statt 22 Euro im Jahr belastet.

Commerzbank tarnt Girokonto-Gebühren

Zugelangt hat auch die Commerzbank. „Unser Girokonto bleibt kostenlos“ heißt es auf der Webseite. Allerdings nur bei mindestens 1200 Euro Geldeingang im Monat, wie in der Fußnote steht. Sonst werden 9,90 Euro pro Monat fällig. Und für Papierüberweisungen muss der Kunde seit Juli stolze 1,50 Euro berappen. Auch das steht in einer winzigen Fußnote, zu der man erst hinunterscrollen muss. Die Verbraucherzentrale hat die Bank deswegen gerade abgemahnt.

Teurer geworden sind auch manche Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die Berliner Sparkasse erhöhte im Dezember die Monatsgebühr beim „Giro Pauschal“ von vier auf sieben Euro – ein Zuschlag von 75 Prozent. Wer deshalb zum „Giro Individual“ flüchtet, das nur einen Euro kostet, zahlt am Ende womöglich noch mehr: Überweisungen, Lastschriften, Geldabhebungen – so ziemlich jede Transaktion kostet mindestens 30 Cent extra. Beim 3,50 Euro teuren Basiskonto der Sparkasse Soest werden fürs Abrufen des Kontostands am Computer nun zwei Cent fällig.

Kunden sollten Kontogebühren genau prüfen

Experten fordern Kunden auf, die Gebühren genau zu prüfen – und im Zweifel den Anbieter zu wechseln. Kein großes Problem, die neue Bank übernimmt in der Regel den Umzug. Das Sparpotenzial sei groß. Dabei lohnt sich auch ein Blick auf den Überziehungszins. Der Düsseldorfer Finanzexperte Udo Keßler hat die Differenzen bei durchschnittlicher Dispo-Nutzung für die Rhein-Ruhr-Region untersucht: Zwischen dem kostenlosen Skatbank-Konto und dem Premiumprodukt der Hypovereinsbank liegen 258 Euro im Jahr.

Wettbewerbsanwalt Breun-Goerke war mit seiner Zehn-Euro-Klage im Januar erfolgreich. Das Düsseldorfer Landgericht beurteilte die Masche der Bank als irreführend. Den Kundenzorn konnte der Richter nachfühlen: Er hat selbst ein Konto bei der Sparda-Bank West.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools

  • Rolf-Herbert Peters