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17. August 2007, 15:28 Uhr

Kinderarmut auf neuem Höchststand

Knapp zwei Millionen Kinder in Deutschland Leben in Familien, die Hartz IV empfangen. Das sind rund 50.000 mehr als im vergangenen Jahr. Viele können sich das Essen in der Schule nicht mehr leisten. Nun wächst der Druck auf die Regierung, die Zuwendungen zu erhöhen.

Verloren sitzt ein kleiner Junge zwischen Passanten auf dem Alexanderplatz in Berlin© Theo Heimann/DDP

Die Zahl der Kinder aus armen Familien, die vom Arbeitslosengeld II leben müssen, hat nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im März einen Höchststand erreicht. Seit der Einführung von Hartz IV ist die Zahl armer Kinder auf einen Höchststand geklettert. Demnach lebten trotz Wirtschaftsaufschwungs und sinkender Kinderzahl in diesem März 1,929 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Familien, die von ALG II abhängig sind. Damit waren knapp 17 Prozent der Kinder hilfsbedürftig. Dies seien 44 000 mehr als noch im März vor einem Jahr, teilte ein BA-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage mit. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ).

Im März 2005 hatten nach BA-Angaben 1,628 Millionen Kinder und Jugendliche Sozialgeld bezogen. Nach Einschätzung des BA-Sprechers lassen die Zahlen allerdings nur begrenzt den Schluss zu, die Kinderarmut in Deutschland sei objektiv gestiegen. Möglicherweise werde sie mit der Hartz-IV-Reform nur besser erfasst. Auch seien die Zahlen in den Folgemonaten wieder gesunken. Dagegen erklärte der Kölner Armutsforscher Christoph Butterwegge in der "Frankfurter Rundschau" den "traurigen Rekord" damit, dass die konjunkturelle Belebung des Arbeitsmarkts "vor allem an den alleinerziehenden Müttern vorbeigeht, weil die Arbeitgeber an deren flexiblem Einsatz zweifeln".

Forderungen an Regierung werden laut

Nun wächst der Druck auf die Bundesregierung, die Regelsätze für Kinder und Jugendliche in Hartz-IV-Familien zu erhöhen. Der nordrhein-westfälische Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach in der "Frankfurter Rundschau" von erheblichem "Diskussions- und Handlungsbedarf". In Nordrhein-Westfalen soll sich nun eine Expertenkommission mit dem Thema beschäftigen.

Der sozialpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Markus Kurth, kritisierte, dass der Regelsatz für Kinder pauschal vom Regelsatz eines erwachsenen Haushaltsvorstandes abgeleitet wird. Das decke überhaupt nicht den wirklichen Bedarf Minderjähriger, ihre Ausgaben für Schule, Sport und Freizeit lägen weitaus höher, sagte Kurth. Etliche Kinder könnten etwa an den Schulspeisungen nicht mehr teilnehmen, weil das Geld dafür in den Familien fehle. Kurth forderte ein "neues transparentes, durch Parlamentsbeschluss legitimiertes Verfahren" für die Festlegung des Regelsatzes und einen eigenen "Kinderwarenkorb".

"Nicht Kinder machen arm, sondern fehlende Arbeit", sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Alleinerziehenden, die nach Angaben des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter besonders unter den kargen Regelsätzen leiden, helfe das Elterngeld, sagte die CDU-Politikerin. Die neue Lohnersatzzahlung verhüte, dass Eltern überhaupt erst in Hartz IV fielen. Anschließend werde ihnen die beabsichtigte Verbesserung der Kinderbetreuung helfen, in Lohn und Brot zu bleiben.

Müntefering will schnelle Festlegung in Kampf gegen Kinderarmut

Arbeitsminister und Vizekanzler Franz Müntefering pocht auf eine schnelle Richtungsentscheidung der Koalition im Kampf gegen Kinderarmut. Zum Kinderzuschlag für Geringverdiener werde es auf der Kabinettsklausur in Meseberg Ende kommender Woche weitere Festlegungen geben müssen, sagte sein Sprecher Stefan Giffeler in Berlin. Der Kinderzuschlag müsse verbessert und ausgebaut werden. In der Regierung ist allerdings umstritten, ob der Zuschlag für Kinder in ärmeren Familien mit Münteferings Plänen für ein Erwerbstätigengeld kombiniert werden soll.

Das Erwerbstätigengeld soll Geringverdiener durch Lohnzuschüsse aus dem Arbeitslosengeld II heraushalten. Dies soll auch den Bund bei den Hartz-IV-Kosten entlasten. Giffeler unterstrich, diese zusätzliche Unterstützung beziehe sich unmittelbar auch auf Familien mit Kindern. Deswegen müsse der Kinderzuschlag darin integriert werden. Ziel sei es, möglichst vielen Familien mit Kindern zu helfen, nicht auf weitere finanzielle Hilfe angewiesen zu sein.

Kinderschutzbund: "Das Versprechen gegenüber den Ärmsten ist gebrochen worden"

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, glaubt nicht, dass die große Koalition den Kinderzuschlag bis zur nächsten Wahl erhöht. Zur Diskussion über Reformpläne sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Im Koalitionsvertrag steht auf Seite 118 unter 'Familienfreundliche Gesellschaft': 'Wir wollen materielle Kinderarmut reduzieren und hierzu den Kinderzuschlag mit Wirkung ab dem Jahre 2006 weiterentwickeln'." Der Kinderschutzbund-Präsident prophezeite: "Selbst wenn sie es jetzt noch versuchen würden für 2008, kriegen die das gar nicht mehr hin." Es gebe nicht einmal einen Referentenentwurf. Dieses Versprechen aus dem Koalitionsvertrag sei gegenüber den Ärmsten der Armen gebrochen worden. Der "Mitteldeutschen Zeitung" sagte Hilgers, neben dem Kinderzuschlag werde ein zügiger Ausbau der Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten gebraucht. "Dann kriegen wir das Problem in den Griff."

Der Kinderschutzbund will am 27. August einen eigenen Vorschlag zur Aufstockung des Kinderzuschlags unterbreiten. Hilgers bezifferte die Zahl der armen Kinder auf 2,6 Millionen. Das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe hatte unlängst von 1,93 Millionen gesprochen. Für eine Reform des Kinderzuschlags sprach sich auch der nordrhein-westfälische Sozialminister Karl-Josef Laumann aus, der auch Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels ist. Er sagte im Deutschlandradio, damit solle verhindert werden, dass Familien erst wegen der Kinder auf Hartz IV angewiesen wären. Es sei außerdem wichtig, die Zahl der Krippenplätze auszubauen.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
magic_whispering (18.08.2007, 10:59 Uhr)
Utopie
Wer wirklich glaubt, dass man mit dieser Koalition die "Kinderarmut" in Deutschland in den Griff bekommt, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.
Die jetzigen Argeordneten haben doch die ganzen Reformen abgesegnet und somit ihre Zustimmung gegeben, dass Deutschland "nein" zu Kindern sagt.
Jetzt halbherzige Köderversuche, wie Elterngeld, freies Kindergartenjahr usw. sollen nur Paare locken, die noch keine Kinder haben, Paare die schon Eltern sind, lässt man im Stich. Erst recht Alleinerziehende bzw. Einstandsgemeinschaften.
Haushalte mit Kindern wurden in den letzten Jahren mehr gebeutelt, als man sich eigentlich denken kann und dann wundert man sich jetzt über das Ergebnis.
Wie sollen aber auch Menschen über Regelsatz und Leistung für Mietunterkunft entscheiden, die monatlich ein mehrfaches zur Verfügung haben. Die weder eine Ahnung davon haben was ein 2 Pfund Brot kostet noch wie teuer die Fahrkarte ist um ein Kind zur Schule zu schicken, welches das 10. Schuljahr schon vollendet hat.
Wir haben eine Kanzlerin die keine Kinder hat und somit nicht selbst tangiert ist. Es macht sich halt auch besser ein großes Barbecue zu verantstalten, welches den Steuerzahler Millionen kostet oder sich medientreu in einem Riesenstrandkorb umgeben von Männern zu zeigen.
Mit dieser Koalition oder diesen Abgeordneten bekommen wir jedenfalls keine vernünftigte Familienpolitik hin, das meiste sind nur Lippenbekenntnisse und geht an der wirklichen Ursache vorbei.
Es ist nicht mehr schick Kinder zu haben, da Kinder Wohlstand und Karriere bremsen, dass ist in Deutschland so und wird auch immer so bleiben.
In Deutschland werden alleinerziehende Mütter allein gelassen und gebranntmarkt.
Es ist genauso weltfremd an ein kinderfreundliches Deutschland zu glauben, wie man auf einen Weltfrieden hoffen kann.
Roy05441 (18.08.2007, 10:14 Uhr)
Die Kinderarmut existiert schon seit Jahren!
Sie wurde durch die Machenschaften des Herrn Bordellino VI nur noch verschärft und in der Menge vergrößert. Während die Halbirren in Berlin lediglich auf Lobbyisten-Sponsoring achten, damit ihre Evants kulinarisch gesichert sind, kann die noch arbeitende Bevölkerung ja an Gott weiß was zu Grunde gehn. Es ist schon sehr verwunderlich, dass bei der heutigen Gemengelage überhaupt noch deutsche Bürger in dieser sogenannten Demokratie leben und arbeiten.! Siehe das Vorruhestands-Honorar ca' 34.000 € mtl. eines ministeriell inthronisierten Mafiawasserkopfes.
J.Stahl (18.08.2007, 00:47 Uhr)
kralli
wenn du schon alle meine kommentare liest müßtest du wissen das ich nicht von arbeitslos gewordenen leuten rede die eh arbeiten wollen und eh bald wieder eine finden sondern von schmarotzern!und nach der letüre meiner kommentare müßte die auch klar sein das mein verlobter nicht mehr nach afghanistan kommt.oder weißt du da mehr als ich?!
kralli19 (18.08.2007, 00:37 Uhr)
@ J.Stahl
Ich entschuldige mich bei dir höchstpersönlich, das ich, als ich noch Arbeit hatte und dachte, mein Job sei sicher, Kinder bekommen habe. Ich werde natürlich jetzt sofort daran gehen, meine Kinder im Teenageralter zu erschießen, ok ?
Deine sonstigen Kommentar sind ja auch nicht gerade die Highlights, aber soviel Dummheit schreit ja zum Himmel ! Ich hoffe, sie schießen deinem Verlobten in Afghanistan die **** weg, damit sich sowas wie du erst recht nicht vermehrt.
bernie-abg (17.08.2007, 18:46 Uhr)
Diskussionsbedarf, ...
...weitere Festlegungen, schnelle Richtungsentscheidung ist alles Politikerdeutsch und bedeutet: WIR DENKEN NICHT MAL DRAN.
J.Stahl (17.08.2007, 18:11 Uhr)
hallo 042020
wie gehts denn so?mir gut,bin ab di in den staaten!leider nur für einen kurzbesuch.hatten leider noch verluste in afghanistan(gehört hier nicht her wollte ich dir aber erzählen kannst das ja nachvollziehen).die hatten hier gestern einen artikel über die u.s.army den finde ich nicht mehr!hast du den auch gelesen?frage auch an die redaktion:wo ist der abgeblieben?gruß
042020 (17.08.2007, 18:04 Uhr)
@J.Stahl
lange nichts von dir gehort, dachte
du gehst bald weg von "D" nach der
US. hier alles soweit noch A-OK, doch viel regen z.zt. in meiner
gegend, Texas.
gruss
J.Stahl (17.08.2007, 17:51 Uhr)
mir kommen die tränen...
...vielleicht sollten diese leute dann weniger kinder bekommen!aber diese diskusion hatten wir doch erst?!
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