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Manager mit Erektionsstörung

Milliardenschwere Stars, die als Geldvermehrer verehrt werden, aber oft enttäuschen: Das US-Magazin "Businessweek" rechnet mit Hegdefonds-Managern ab - und veräppelt sie mit einem bissigen Titelbild.

  Titelbild von "Bloomberg Businessweek" mit Phallussymbol: Auseinanderdriften von Selbstbild und Realität.

Titelbild von "Bloomberg Businessweek" mit Phallussymbol: Auseinanderdriften von Selbstbild und Realität.

Als alle der Blase hinter herrannten, hielt er dagegen: Der amerikanische Hedgefonds-Manager John Paulson, wettete früh auf den Kollaps des amerikanischen Immobilienmarktes. Als der schließlich zusammenbrach, machte er ein Vermögen: 2007 fuhr er mit seinem Flaggschiff-Fonds "Advantage Plus" einen Kursgewinn von über 160 Prozent ein - und gönnte sich ein Gehalt von unglaublichen vier Milliarden Dollar. Die Wall Street feiert ihn wegen seines Riechers als Genie.

Paulson zählt zu den Stars der Wall Street, die ein riesiges Vermögen mit Spekulation verdient haben, genauer gesagt mit Finanzvehikeln, die ihr Geld riskanter anlegen dürfen als gewöhnliche Investmentfonds - so genannte Hedgefonds: Sie dürfen beispielsweise mit Fremdkapital und geliehenen Wertpapieren spekulieren. Während Hedgefonds in Deutschland erst seit 2004 erlaubt sind, spielen sie in den USA eine weit größere Rolle. Dort sind Hedgefonds-Manager nicht nur an der Wall Street eine Macht: Sie beeinflussen als Groß-Spender die Politik, verwalten das Vermögen von Universitäten und investieren in Pensionsfonds, die die betriebliche Altersvorsorge von Angestellten finanzieren. Im Boom vor der Finanzkrise wurden sie als Börsenstars verehrt, die wie mit Zauberhand Geld vermehrten, nun aber geht ihnen die Puste aus.

  Hedgefonds-Manager John Paulson: Innerhalb von zweieinhalb Jahren schrumpfte das verwaltete Vermögen seiner Investmentfirma von 32 auf 18 Milliarden US-Dollar.

Hedgefonds-Manager John Paulson: Innerhalb von zweieinhalb Jahren schrumpfte das verwaltete Vermögen seiner Investmentfirma von 32 auf 18 Milliarden US-Dollar.

Phallusssymbol auf dem Titel

Paulson, der mit seiner Investmentfirma nach eigenen Angaben 18 Milliarden US-Dollar verwaltet, fuhr im vergangen Jahr einen Verlust von knapp zwanzig Prozent ein, dieses Jahr liegt er nur leicht im Plus. Doch er ist keine Ausnahme: Auch andere prominente Hedgefonds-Manager enttäuschen mit niedrigen Renditen. Investoren vertrauen den einstigen Stars daher nur noch wenig Geld an oder ziehen gleich ihr Kapital ab. Grund genug für das US-Magazin "Bloomberg Businessweek", mit dem Mythos der Geld vermehrenden Hedge-Fonds aufzuräumen. Ihr Fazit, auf dem Titel bissig mit einem Phallus-Symbol und einer abschmierenden Renditekurve zusammengefasst: Die smarten Jungs bringen's nicht mehr. Auch die die Überschrif hat es in sich: "Hedge Fonds are for suckers" ("Hedgefonds sind für Trottel")

Genüsslich zitiert "Businessweek" einen Investmentspezialisten, der den Lebenszyklus von Hedgefonds in vier Phasen unterteilt:

Phase 1: Bescheidener Beginn

- Der Manager ist noch hungrig und motiviert - und demütig genug, um zu wissen, was er nicht weiß.

Phase 2: Allmähliches Wachstum

- Der Fonds gewinnt Vertrauen und Kundengelder, ist aber noch nicht zu groß.

Phase 3: Höhenflug vor dem Fall

- Der Fonds läuft heiß und lockt mit Geschichten vom schnellen Geld immer neue Investoren an.

Phase 4: Überschätzung und Niedergang

- Der Manager ist stinkreich geworden und kauft Baseball-Teams oder schwindelerregend teure Luxusimmobilien. Er beginnt, sich selbst zu überschätzen. Der Fonds ist zu groß geworden, um noch flink investieren zu können - die Rendite sinkt.

Das Zeitalter der milliardenschweren glitzernden Hedgefonds-Stars neige sich dem Ende zu, schreibt Businessweek. Den Stars der Wall Street drohe das gleiche Schicksal wie Musikern im Internetzeitalter - nach einem Jahrzehnt als Rockstars schwinde der Glanz. Denn in der Branche hätten sich gigantische Überkapazitäten aufgebaut: Während Mitte der 90er Jahre Hedgefonds-Manager mit rund 200 Milliarden Dollar die besten Anlagechancen suchten, seien es heute 2,3 Billionen Dollar. Hinzu komme eine schärfere Regulierung von Insiderinformationen - nun bleibe allein der superschnelle Computerhandel, um sich einen Vorsprung zu verschaffen.

Hohn und Spott für die einstigen Stars

Das Ergebnis: Die Rendite der Großinvestoren hinke den Börsen hinterher. Während der breite amerikanische Aktienindex S&P 500 von Jahresbeginn bis Ende Juni um knapp zwölf Prozent zulegt habe, sei der Global Hedge Fonds Index, der die Leistung dieser Fonds weltweit bündelt, mit plus 1,4 Prozent kaum vom Fleck gekommen. Und dieses Bild, rechnet "Businessweek" vor, ergibt sich nicht nur für die ersten sechs Monate 2013 - sondern in acht der zehn vergangenen Jahre.

Kein Wunder also, dass viele in der Finanzgemeinde nur noch Hohn und Spott für die einstigen Stars übrig haben. Anlässlich eines neuen Gesetzes, was in den USA Werbung für Hedgefonds erlaubt, reißen auf Twitter die Witze nicht ab. Dort schlagen Nutzer der Hedgefonds-Branche immer neue ironische Werbeslogans vor. In Anspielung auf das "alpha" - eine Kennzahl, mit dem Investoren messen, ob sie den Markt übertreffen oder nicht - schreibt einer: "Creating alpha since, well, mostly never”.

AS

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