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Gold zum Anfassen

Vor allem deutsche Anleger flüchten derzeit in Gold. In Südafrika müssen deswegen Überstunden geschoben werden. Ein Besuch in der Manufaktur des legendären Krügerrands.

Von Johannes Dieterich, Germiston

Es sind immer wieder die gleichen Handbewegungen. Jannie Geyer kennt sie im Schlaf. Der Mann im grauen Kittel spannt einen knapp drei Meter langen, rund 15 Zentimeter breiten und exakt 2,8 Zentimeter dicken Metallstreifen unter die Stanze und drückt den roten Knopf. Kreischend saust das Herzstück der archaisch anmutenden britischen Caxton-Maschine herab. Und nach jedem Stoß fallen vier kreisrunde Metalltaler in ein Plastikeimerchen unter der Stanze - jeder rund 34 Gramm schwer und 100 Euro wert. "So machen wir das schon seit ewigen Zeiten", sagt Geyer, der Stanzer, der hier bereits seit 25 Jahren Goldmünzen fertigt. "Daran hat sich nichts geändert."

In der Rand Refinery in Germiston, nur wenige Kilometer östlich von Johannesburg in Südafrika gelegen, stanzt Geyer die berühmteste Goldmünze der Welt: den Krügerrand. Seit Wochen müssen Geyer und seine Kollegen hier sogar Wochenendschichten einlegen, um der gigantischen Nachfrage nachzukommen. Die 35 Jahre alte Caxton saust wesentlich häufiger auf die Goldstreifen herab als bisher: Statt 500-mal am Tag sind es 700- und bald 1000-mal, und neue Maschinen brauchen sie demnächst wohl auch.

Die Welt im Goldrausch

Die Welt erlebt einen neuen Goldrausch. Immer mehr Anleger und Privatleute zweifeln an der Wirtschaftskraft der Euro-Länder, die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Talfahrt der Euro-Währung schüren Ängste. Seit jeher gilt Gold als krisenfeste Anlage, als Sicherheit bei drohender Inflation. Der Goldpreis klettert von einem Rekordhoch zum nächsten - die private Nachfrage nach Barren, Gold-Indexfonds und eben Münzen zieht entsprechend an.

Besonders gefragt sind derzeit kleine Stückelungen - ein Zeichen dafür, dass die Kunden das Gold weniger wegen erhoffter Gewinne, sondern vielmehr als Absicherung für eine katastrophale Zuspitzung der Lage kaufen. Denn mit kleinen Barren oder Münzen ließen sich im Extremfall auch alltägliche Zahlungen wie Mieten abwickeln, sagen Experten.

In der Münzfabrik von Germiston schieben sie deswegen Sonderschichten. Judith Rampai kommt mit der Arbeit schon heute kaum noch nach. Die 23-jährige Supervisorin sitzt vor einem ganzen Berg von Krügerrand-Münzen, die sie inspiziert. Jedes Goldstück, das die Fabrik verlässt, muss einzeln auf Macken oder Kratzer untersucht werden, bevor sie ein alter Roboter, den die Firma gebraucht von einer Autofabrik bekommen hat, verpackt. Zurzeit opfert Rampai sogar ihre Wochenenden. "Wenn die mehr wollen, dann kriegen die mehr", sagt sie. "Es wäre dumm, wenn wir uns darüber beklagen würden."

Gesichert wie Fort Knox

Das Unternehmen erlebt einen Auftragsboom, wie es ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Für die nächsten sechs Wochen liegen bereits Bestellungen von mehr als 180.000 Krügerrand im Wert von 18 Millionen Euro vor - so viel wurden im ganzen Jahr 2008 nicht produziert. Und täglich kommen neue hinzu. In Deutschland sei der Run auf die Goldtaler besonders groß, sagt die Schatzmeisterin Debra Thomson. Allein eine Bank, deren Namen sie aus Diskretionsgründen nicht nennen könne, habe gerade mehr als 30.000 der Münzen bestellt. "Etwas Ähnliches habe ich noch nicht erlebt", sagt sie. Wegen der Rezession und des Goldpreisanstiegs sei schon das vergangene Jahr eines der profitabelsten der Firmengeschichte gewesen. Aber dieses Jahr verspreche das noch zu toppen. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht.

Auch sonst ist man eher zurückhaltend. Das Gelände der Fabrik zu betreten ist fast so schwierig, wie in die Gewölbe von Fort Knox zu gelangen: Die Sicherheitsvorkehrungen sind lückenlos. Außer Stacheldrahtzaun und Überwachungskameras sorgen 15 Zentimeter dicke Stahltüren dafür, dass sich kein ungebetener Gast Zutritt verschaffen kann. Die teils rauchigen und stinkenden Produktionshallen, wo das Gold chemisch geschieden wird, wo die Brennöfen stehen, wo die Weiterverarbeitung stattfindet, sind fensterlos. Fotografieren ist streng verboten. Seit der Gründung im Jahr 1920 wurden hier über 40.000 Tonnen Gold veredelt - ohne dass es zu größeren Zwischenfällen gekommen ist. Wer die Hallen wieder verlässt, muss sich sogar durchleuchten lassen.

Die Krügerrand-Münze ist ein weltweit anerkanntes Zahlungsmittel. Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum sie trotzdem gefährdet ist.

  Wenn die Goldpreise steigen, greifen Schmuckhersteller auf ihre Reserven zurück. Das schafft Kapazitäten für die Produktion 

Wenn die Goldpreise steigen, greifen Schmuckhersteller auf ihre Reserven zurück. Das schafft Kapazitäten für die Produktion des Krügerrand

Goldtansport per Hubschrauber

Plötzlich wird das Kreischen der altersschwachen Caxton-Stanze, das bis in die nüchternen Verwaltungsräume im ersten Stock über der Fabrikhalle zu hören ist, von Rotorenlärm übertönt. Vor dem Fabrikgebäude landet ein Helikopter. Er bringt den wertvollen Rohstoff, den über die Straße herbeizuschaffen in Südafrika zu gefährlich wäre. Der leicht untersetzte Logistikchef Chris Horsley wirkt gehetzt. Details über Flugroute und Frequenz der Nachschubversorgung will er nicht verraten.

Kein Geheimnis ist indessen, dass der Hubschrauber das Gold teilweise direkt aus den südafrikanischen Bergwerken anliefert, wo es bereits zu einem über 80 Prozent reinen Edelmetall geschmolzen und geschieden wurde. In der Raffinerie, die anteilig den großen Goldkonzernen des Landes gehört, wird das Gold dann bis zu einem Reinheitsgrad von 99,99 Prozent veredelt. Derzeit treffen täglich bis zu vier Flüge ein, bald könnten es sechs werden. Möglicherweise wird Chris Horsley auch einen stärkeren Hubschrauber ordern müssen.

Weltweit akzeptiertes Zahlungsmittel

Der Nachschub an Gold ist jedenfalls gesichert, auch wenn der Ertrag der südafrikanischen Bergwerke immer weiter zurückgehe, wie Horsley erzählt. 42 Prozent des Bedarfs lässt er inzwischen aus anderen afrikanischen Staaten einfliegen: Vor allem aus Ghana, Mali und Tansania, auch der gesamte Ertrag der angeschlagenen Goldbergwerke in Simbabwe wird hierher gebracht. Nur aus Ländern wie dem Kongo, die mit einem Waffenembargo der Uno belegt sind, will Horsley keine Unze beziehen: Schließlich möchte man den legendären Krügerrand nicht mit dem Image von "Blutgold" beschmutzen.

Denn das Geschäft mit der Münze lebt auch von ihrem Ruf. Der erstmals 1970 serienmäßig hergestellte Krügerrand ist in aller Welt bekannt: keine Bank, die die in Südafrika als Zahlungsmittel anerkannte Münze nicht entgegennehmen würde. Auf den Wert des aus Härtegründen mit einem Kupferanteil von rund acht Prozent angereicherten Goldstücks ist Verlass.

Bis heute wurden in Germiston 47 Millionen Taler gestanzt. Nur hier dürfen im Auftrag der südafrikanischen Zentralbank die Rohlinge für den Krügerrand hergestellt werden, bevor sie in der staatlichen Münze geprägt werden.

Die Produktion hält Schritt

Die beste Zeit hatte die Münze im von der Ölkrise gezeichneten Jahrzehnt zwischen 1974 und 1984: Damals wurden in einem Jahr zwischen zwei und sechs Millionen Stück produziert. Dass solche Hochzeiten bald wieder erreicht werden, hält Logistikchef Horsley zwar für unwahrscheinlich. Allerdings werde in diesem Jahr erstmals seit 26 Jahren aller Voraussicht nach wieder die Eine-Million-Marke überschritten.

Längst hätte die Rand Refinery mit ihren 340 Mitarbeitern wegen des Booms neue Arbeitskräfte einstellen müssen. Doch dem Unternehmen kommt ein besonderer Umstand zugute: Wann immer der Goldpreis und mit ihm die Nachfrage nach dem Krügerrand steigt, fällt der Bedarf nach dem zweiten hier hergestellten Produkt: Feingoldbarren, die besonders in der Schmuckindustrie und von indischen Goldschmieden gefragt sind. In Boomzeiten greifen die entweder auf ihre Bestände oder auf andere Materialien zurück: Horsley kann daher fast das gesamte Personal auf die Herstellung der Münzen umschichten.

Für das Unternehmen rechnet sich das. Bei Münzen kann es einen höheren Zuschlag auf den reinen Goldpreis als bei Barren berechnen: Je nach Auftragshöhe legt die Raffinerie einen Aufpreis von drei bis fünf Prozent fest. Weil die Münze so gefragt ist, seien Interessierte sogar bereit, auf dem Sekundärmarkt bis zu acht Prozent mehr zu zahlen, so Schatzmeisterin Thomson: "Angesichts der anhaltenden Sprunghaftigkeit auf den Märkten ist der Krügerrand so begehrt wie lange nicht mehr."

Umstrittener Paul Krüger

Wie lange das so weitergehen wird, wissen sie hier nicht. Es hängt vor allem an den globalen Finanz- und Rohstoffmärkten und am Goldpreis. Eine Bedrohung für die Münze und die dahinter stehende Raffinerie ist aber selbst ein drastisch fallender Goldpreis nicht, wie ihn etwa die Beratungsfirma GFMS vorhersagt. Sie erwartet, dass der Preis je Feinunze in den nächsten drei Jahren von derzeit 1200 auf 850 Dollar fallen wird. Der Krügerrand hat aber schon Goldpreise von weniger als 300 Dollar überlebt.

Wirkliche Gefahr droht der legendären Münze eher aus der Heimat. Dass nämlich ausgerechnet Paul Krüger den Goldtaler schmückt, jener umstrittene Buren-Führer, der einst den Krieg der "Afrikaaner" gegen die Engländer vom Zaun brach und als einer der Urväter der Apartheid gilt, ist im befreiten Südafrika vielen ein Dorn im Auge. "Man hat bereits eine Alternative vorgeschlagen", lacht Supervisorin Judith Rampai: "Natürlich den Mandela-Rand."

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