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Deutsche Superreiche spenden lieber leiser

7. August 2010, 14:58 Uhr

Die Idee von 40 US-Milliardären, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden, stößt bei deutschen Superreichen auf Skepsis. Die Aktion sei zu "marktschreierisch".

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Dietmar Hopp, Gründer von SAP, Fußball-Mäzen und Milliardär: Großteil des Vermögens in Stiftungen angelegt©

Schlappe für Bill Gates: Im Zuge seiner von ihm mitgegründeten Spendeninitiative, bei der mindestens 40 US-Milliardäre die Hälfte ihres Vermögens spenden wollen, hat der Microsoft-Grüner nach Informationen des "Spiegel" auch deutsche Milliardäre kontaktiert. Diese hätten jedoch das Ansinnen von Gates abgelehnt, berichtet das Magazin unter Berufung auf den Vermögensverwalter eines der konktaktierten Milliardäre: "Das ist den Leuten zu marktschreierisch."

Viele deutsche Vermögende hätten längst deutlich größere Teile ihres Vermögens in gemeinnützige Stiftungen überführt, sagte der Vermögensverwalter weiter. So habe etwa SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp nicht nur den Fußballclub TSG 1899 Hoffenheim, sondern auch Vermögenswerte von rund 2,9 Milliarden Euro in eine Stiftung gegeben. Klaus Tschira, ebenfalls Teil der SAP-Gründergeneration, hat demnach über die Hälfte seines Vermögens in Stiftungen überführt.

Weltweites Aufsehen für die Aktion

In der vergangenen Woche hatte die Aktion, die Gates unter anderem gemeinsam mit dem amerikanischen Finanzexperten Warren Buffett initierte, weltweit für Aufsehen gesorgt. Gates und Buffett hatten angekündigt, die Aktion nicht nur auf die USA zu beschränken - sie kündigten an, auch international nach Wohlhabenden zu suchen, die bereit seien, 50 Prozent ihre Vermögens für karikative Zwecke zu spenden. Über die Verwendung der Gelder sei aber im Einzelnen noch nicht entschieden.

Auch deutsche Politiker hatten in den vergangenen Tagen das Projekt sehr gelobt. So forderte etwa die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth die deutschen Milliardäre auf, sich der Initiative, die "ein gutes Vorbild" sei, anzuschließen: "Wer spenden kann, sollte das auch tun." Und Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, urteilte: "Ein sehr lobenswertes Beispiel dafür, dass die Reichen sich nicht aus sozialer Verantwortung ausklinken." In Deutschland sei leider ein gegenläufiger Trend zu beobachten.

"Von der Staatsgewalt zum Milliardärsgusto"

Die reichen Deutschen aber sehen das offensichtlich anders: "Ich finde diese US-Aktion höchst problematisch", sagte der Hamburger Reeder und Multimillionär Peter Krämer , der seit langem für eine höhere Besteuerung von Vermögenden eintritt. Weil Spenden in den USA zum großen Teil steuerlich absetzbar seien, würden Reiche entscheiden, ob sie lieber spenden oder Steuern zahlen, sagte Krämer. "Die Spender treten an die Stelle des Staates. Das geht nicht. Das ist alles nur ein schlechter Transfer von der Staatsgewalt hin zum Milliardärsgusto."

Krämer fügte hinzu: "Nicht der Staat soll entscheiden, was gut für die Menschen ist, sondern die Reichen wollen dies bestimmen. Das ist eine Entwicklung, die ich wirklich schlimm finde. Wer legitimiert diese Menschen zu entscheiden, wo solche riesigen Beträge hinfließen?" Deutschen Reichen empfahl Krämer, nicht in dieser Form ihr Geld abzugeben. Sinnvoller sei es, gemeinsam mit etablierten Organisationen zusammenzuarbeiten und zu spenden. Krämer trat in den vergangenen Jahren immer wieder mit Forderungen in Erscheinung, Reiche wie er sollten von der öffentlichen Hand stärker zur Kasse gebeten werden.

Familien Otto und Fielmann begrüßen die Idee

Andere Hamburger Milliardäre stehen der Initiative positiver gegenüber: Die Familie Otto, Besitzer des gleichnamigen Versandhauses, läßt über die "Hamburger Morgenpost" (Mopo) ausrichten, dass sie diese Aktion aus den USA begrüße. "Die Familie zählt zu den größten Spendern Deutschlands", so der Sprecher weiter. Auch die Familie Fielmann, Eigentümer der Brillenkette, begrüßt die Idee: "Steuern zahlen reicht nicht", zitiert die Mopo einen Sprecher.

Auch die Aktion "Deutschland hilft", ein Bündnis großer Hilfsorganisationen, sieht die Aktion der US-Milliardäre skeptisch. "Ich bin tatsächlich geteilter Meinung. Das eine ist, dass es immer gut ist, seine Sympathie zu signalisieren mit Menschen, denen es nicht so gut geht, und zu spenden", sagte die Geschäftsführerin Manuela Roßbach im Deutschlandfunk. Aber bei den in den USA zugesagten Dimensionen müsse man sich fragen, wohin die Spenden gehen sollen. "Sind das vielleicht auch Zwecke, die der Staat erfüllen könnte?"

rk/AFP/DPA

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