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12. September 2003, 16:42 Uhr

In der Schweiz erbt es sich billiger

Alles sparen ... oder was? Theo Müller, 63 und Eigentümer des gleichnamigen Milch-Konzerns, plant den Umzug in die Schweiz. Begründung: Deutsche Erbschaftssteuern gefährden den Bestand seines Unternehmens.

"Ich muss meinen Wohnsitz verlagern. Das ist zwar eine Katastrophe, aber ich habe keine andere Chance", sagte der Unternehmer nach einem Bericht des 'Münchner Merkur'© dpa/ Stefan Puchner

Der schwäbische Milch-"Baron" Theo Müller will weg - er plant einen Umzug in die Schweiz. Der Grund: die "Existenz gefährdende deutsche Erbschaftssteuer". Im Falle der Übertragung des Unternehmensvermögens an seine Nachkommen müsse er eine dreistellige Millionensumme an Schenkungs- und Erbschaftssteuer zahlen, erklärte Theo Müller in Aretsried bei Augsburg. Diese Steuerzahlung würde den Fortbestand des Unternehmens ('Müller-Milch') mit mehr als 4400 Mitarbeitern gefährden, so Müller.

Bei einer öffentlichen Veranstaltung in Freising bezifferte Müller nach einem Bericht des 'Münchner Merkur' den zu zahlenden Steuerbetrag bei gut 501 Millionen Euro Eigenkapital auf rund 200 Millionen Euro. Müller wies am Freitag darauf hin, dass weder Aktiengesellschaften noch Molkereigenossenschaften Erbschaftssteuer zahlen müssten. Dadurch sei die Müller-Gruppe im Vergleich zu ihren Hauptwettbewerbern "erheblich benachteiligt".

Erbschaftssteuer bis zu 50 Prozent

Nach Angaben des bayerischen Finanzministeriums müssen Kinder, Ehegatten und Eltern (Steuerklasse I) bei Vermögen über 25 Millionen Euro 30 Prozent Erbschaftssteuer zahlen. Geschwister, Stiefeltern und geschiedene Ehepartner (Steuerklasse II) werden mit 40 Prozent zur Kasse gebeten, und alle Nicht-Familienmitglieder (Steuerklasse III) sogar mit 50 Prozent.

Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) nutzte die Ankündigung Müllers zu einer Attacke auf die SPD. "Mit der erneuten Forderung nach einer Erhöhung der Erbschaftssteuer will die SPD wohl noch die letzten Steuerzahler aus Deutschland vertreiben", teilte Faltlhauser mit. Müller sei kein Einzelfall. In der Schweiz hätten in den vergangenen Jahren viele Kantone die Erbschaftssteuer abgeschafft, in Italien gebe es die Erbschaftssteuer überhaupt nicht mehr.

Zunächst keine Auswirkung auf das Unternehmen

Müllers Wohnsitzwechsel in die Schweiz ist für den November geplant. Dies werde zunächst keine Auswirkungen auf die deutschen Werke der Unternehmensgruppe haben, hieß es in einer Presseerklärung. Die in Deutschland erzielten Gewinne seien weiterhin in Deutschland in vollem Umfang steuerpflichtig. Das Unternehmen wollte aber nicht ausschließen, weiteres Wachstum künftig von einer Schweizer Managementgesellschaft steuern zu lassen.

Der 63-jährige Theo Müller ist Alleingesellschafter der Unternehmensgruppe Müller-Milch. Sie erzielte mit rund 4400 Beschäftigten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro.

 
 
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