28. November 2007, 08:18 Uhr

Angst vor Inflationsmentalität

Wirtschaftsexperten sind besorgt: Die hohe Inflation frisst einen Großteil der Lohnerhöhungen auf und könnte deshalb den Konsum ausbremsen. Der Kieler Ökonom Joachim Scheide warnt davor, dass die Unternehmen die "Gunst der Stunde" für weitere Preiserhöhungen nutzen könnten.

Was wurde teurer, was billiger? Preissteigerungen im Oktober©

Die hohe Inflationsrate wird nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds die Lohnsteigerungen der Tarifrunde 2007 praktisch aufzehren. "Die durchschnittlichen Tariflohnsteigerungen liegen in diesem Jahr bei 2,4 Prozent", sagte DGB-Chefökonom Dierk Hirschel der "Berliner Zeitung". "Das bedeutet, dass die Reallohnsteigerungen nur minimal ausfallen werden."

Von der Lohnseite könne es somit keine Impulse für den privaten Konsum geben. Sollte im nächsten Jahr auch die Investitionsbereitschaft der Firmen nachlassen, sei es sehr wahrscheinlich, "dass die Binnennachfrage am Boden liegt".

Der Volkswirt des Bundesverbands deutscher Banken, Karl Knappe, sagte, die gestiegene Teuerung reduziere natürlich die reale Kaufkraft der Verbraucher. Diese spürten vor allem den starken Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise. "Die gefühlte Inflation dürfte deshalb noch höher sein als die tatsächliche." Deshalb bestehe durchaus die Gefahr, dass die Verbraucher das, was sie zusätzlich für Energie und Lebensmittel ausgäben, an anderer Stelle einzusparen versuchten. Es gebe aber keinen Anlass zu übertriebenem Pessismismus: "Wegen der steigenden Beschäftigung und der erwarteten höheren Lohnabschlüsse rechne ich im kommenden Jahr weiterhin mit einem Anstieg des privaten Konsums", sagte Knappe.

Preissteigerung "problematisch hoch"

Der Konjunkturexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide, sagte: "Wir können froh sein, dass der Euro so stark im Vergleich zum Dollar ist. Sonst würde der Preisanstieg beim Öl viel stärker durchschlagen." Die Preissteigerung bezeichnete er als "problematisch hoch". Das sei "ganz klar für den Einzelnen ein Einkommensabzug, da bleibt real im Portemonnaie weniger übrig als noch zu Jahresanfang gedacht". Unternehmen könnten versuchen, ihre Preise deutlicher zu erhöhen, weil sich die Verbraucher an die stärker steigenden Preise gewöhnt hätten, sagte er der "Bild"-Zeitung.

DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Fox59Fire (28.11.2007, 14:20 Uhr)
Euro-Hartz-IV war einmal DM-Sozialhilfe!
@Der_liebe_Gott
Entgegen Ihrer Auffassung bin ich davon überzeugt, dass eine Umrechnung insbesondere für Hartz-IV-Empfänger sehr empfehlenswert ist. Diese erhalten ihre sozialen Leistungen noch immer auf DM-Basis, müssen mittlerweile jedoch in allen Bereichen des täglichen Lebens Euro-Preise zahlen.
Zur Info: Für Hartz-IV (ALG II) wurde der seinerzeitige Sozialhilfe-Regelsatz in Höhe von 561 DM (oder 287 Euro) herangezogen. ALG II wurde dann im Rahmen der Pauschalierung auf 345 Euro angehoben und beträgt heute (Anpassung!) sagenhafte 347 Euro! Durch den Wegfall der "einmaligen Leistungen zum Lebensunterhalt", die in der Pauschalierung aufgingen, fand seinerzeit bereits eine reale Absenkung der Sozialhilfe bzw. des ALG II statt!
Abgesehen also von 2 Euro erhält ein ALG-II-Empfänger somit noch immer die ehemalige Sozialhilfe in D-Mark, obwohl die Lebenshaltungskosten schon seit Jahren kräftig davongaloppieren, ohne das eine dringend notwendige Anpassung des ALG II bisher erfolgte. Hartz-IV-Empfänger kämpfen schon seit Jahren mit einem realen und unverhältnismäßig hohen Wertverlust ihrer sozialen Leistungen, der die erfolgte Anhebung um 2 Euro wie Hohn erscheinen lässt.
Ansonsten stimme ich Ihnen zu. Auch in der heutigen Bundeshaushaltsdebatte wurde das ALG II seitens der Regierungskoalition zwar erwähnt, doch nur im Sinne von "es wird darüber nachgedacht, die Leistung anzupassen!" Einzig die Oppositionsparteien forderten eine Anhebung von Hartz-IV auf mindestens 420 Euro! Wahrscheinlich wird man dem Wähler diese mögliche Erhöhung erst in zwei Jahren als Präsent kredenzen, sodass mit einer dringend notwendigen Anhebung frühestens ab dem Jahr 2010 zu rechnen ist. Wenn die ALG-II-Empfänger Glück haben, wird die Regierung die Anpassung bereits ins Wahljahr 2009 vorziehen, um sich das Wählerpotential der dankbaren Hartz-IV-Empfänger zu sichern.
whismerh2 (28.11.2007, 10:41 Uhr)
@atride
ist überhaupt nicht naiv das Sie umrechnen auch wenn viele Leute
sagen es gäbe keine D Mark mehr.
Das ist zwar richtig ab er niemand hat uns gesagt das unsere Kaufkraft auf Grund unser gleicher Arbeit geleistetem,so dramatsch schwindet.
Gerade der Staat mit seinen unendlichen Gebühren hat doch still und heimlich fast alles verdoppelt
und war zugleich der größte Mahner
in Sachen Preistreiberei.
Aber ich mach das jetzt auch so wie
armin42 ich ess zwar keine Fernseher
kauf mir dafür aber jeden Monat einen Neuen, weil die sind billiger geworden, so spare ich jeden Monat bares Geld und kann der Inflation entgegenwirken.
Haben mir die Politiker empfohlen.
Der_liebe_Gott (28.11.2007, 10:03 Uhr)
Euro und D-Mark...
...kann man inzwischen nicht mehr 1:2 umrechnen, das war der Kurs von vor fast einem Jahrzehnt. Inzwischen kann man für einen Euro gerademal so viel wie damals für 'ne Mark bekommen.
Aber: wenn es zu D-Mark Preisen so unverschämte und drastische (und auch häufige) Preiserhöhungen gegeben hätte, wie heute, hätten die Verbraucher viel lauter aufgeschrien. Die Industrie gewöhnt uns an Preisschocks (Milchprodukte 50% rauf, Energie über 30% rauf, Inflation 3%) und wir meckern wieder mal nur. Wir müssten uns viel härter wehren! Vielleicht sollten wir uns an den Franzosen mal ein Beispiel nehmen, die haben uns 1789 auch schon vorgemacht, wie's geht!
Silbador (28.11.2007, 09:51 Uhr)
Was mich nur wundert
Wenn der Dollar gegenüber dem Euro steigt, werden sofort die Spritpreise erhöht, weil ja alles im Ölgeschäft in Dollars abgwickelt wird.
NUR derzeit steht der Dollar bei 1,50 Euro und wird merken absolut nicht, daß die Preise nach unten gehen.
Letzendlich ist es so: Die Konzerne kassieren immer ab - imm Moment mehr denn je!
atride (28.11.2007, 09:43 Uhr)
schön, dass
meine vor-foristen die sache mit humor nehmen... ich weiß, dass es völlig naiv ist, aber hin und wieder rechne ich doch noch mal euro in mark um, und da bleibt mir wirklich nur noch die spucke weg; bei mindestens dem halben supermarkt-sortiment haben sich die preise doch glatt verdoppelt, wenn das überhaupt reicht. wer das verneint, geht nicht einkaufen.
Amin42 (28.11.2007, 09:03 Uhr)
esst mehr Fernseher......
ich mach das jetzt auch: ich kaufe nur noch Fernseher und PCs und Laserdrucker, jeden Monat so ein gutes Dutzend und PENG schon gehen die Lebenshaltungskosten runter..... ;-))
insLot (28.11.2007, 09:00 Uhr)
da gibts nur eines ...
Weihnachten kommt keine Weihnachtsganz in den Backofen, sondern der PC!
Guten Appetit!
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