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5000 Euro für alle!

Das klingt ja traumhaft: Zwei renommierte Ökonomen fordern, dass die EZB Geld an Bürger verschenken oder Schulden erlassen soll. Sie hoffen, dass die Wirtschaft so angekurbelt wird.

  5000 Euro, für jeden: Der Vorschlag der Ökonomen klingt verlockend. Sie hoffen, dass durch diese Maßnahme die Wirtschaft belebt.

5000 Euro, für jeden: Der Vorschlag der Ökonomen klingt verlockend. Sie hoffen, dass durch diese Maßnahme die Wirtschaft belebt.

Das wäre ein schöne Überraschung: Stellen Sie sich vor, auf dem nächsten Kontoausdruck würden Sie eine Überweisung von der Europäischen Zentralbank (EZB) über 5000 Euro finden. Jeder Haushalt in der Eurozone würde diesen Geldsegen erhalten oder Schulden würden über diese Höhe erlassen. Was wie ein unrealistischer Traum klingt, ist volkswirtschaftlich keine so hanebüchene Idee.

Mit der Geschenkaktion könnte die Zentralbank gleich zwei Probleme auf einen Schlag lösen: Die Wirtschaft in Europa schwächelt, die Kaufkraft der Bürger lässt nach. Statt das Geld auszugeben, horten die Menschen es auf dem Sparbuch. Anschaffungen verschieben sie lieber. Aber diese Abwartehaltung setzt Europas Unternehmen zu. Ein Auto kaufen? Besser nicht. Endlich eine neue Waschmaschine anschaffen? Lieber noch warten. Mit dem Geldgeschenk der EZB würden solche Wünsche gekauft. Das könnte die Wirtschaft ankurbeln, berichtet der "Kurier".

Die Fehler der EZB

Und noch einen zweiten Effekt hätte der Vorschlag: Die Deflation würde abgebremst. Denn wenn die Menschen wieder mehr einkaufen, steigen auch die Preise. Auch das hilft der Wirtschaft.

Ausgetüftelt haben diese Idee der US-Wirtschaftsprofessor Mark Blyth von der Brown University und der anerkannte Management-Berater Daniel Stelter, der zuvor bei Boston Consulting Group tätig war. Blyth meint, die EZB solle zwei bis fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts an die Bürger verteilen - das wären 3600 Euro pro Kopf. "Ja, oder 5000 Euro, ganz egal. Es wäre immer noch effizienter als das, was die EZB jetzt macht", sagt Blyth dem Kurier. "Das ist nämlich der verdrehteste Weg, die Probleme zu lösen."

Beide kritisieren die Geldpolitik der EZB scharf: Es würde nichts bringen, Geld als billige Kredite zu verteilen. Denn zum einen würden Banken das Geld eben nicht wie erhofft an Unternehmen weiterleiten. Außerdem würden sich Firmen derzeit scheuen, große Investitionen zu tätigen. Und zum anderen würden Menschen sich aktuell aus der Angst vor einem Jobverlust keinen Kredit ans Bein binden.

Nicht zu früh freuen

Für die EZB wäre ein solcher Schritt aktuell kaum denkbar. Geld direkt an die Bürger zu verteilen, könnte als wirtschaftlicher Effekt auch sehr schnell verpuffen. Bislang landet das Geld quasi mit Nullzins bei Banken, die es dann als Kredit weitergeben sollten. Doch das Billiggeld hilft nicht, weil es bei den Unternehmen nicht ankommt. Statt mehr Kredite zu verteilen, bunkern die Banken das Geld.

Katharina Grimm

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