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Kurz vor Schluss abkassiert

Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hat deutsche Anleger um mindestens eine Milliarde Euro gebracht. Nach einem Bericht des stern hegen Finanzexperten jetzt einen ungeheuren Verdacht: Wurden die Sparer mithilfe der Citibank von Lehman regelrecht angezapft?

Von Rolf-Herbert Peters

Nach den Erkenntnissen der Ottweiler Wirtschaftsdetektei Fuchsgruber geriet die Investmentbank Lehman Brothers schon vor gut zwei Jahren in massive Schwierigkeiten. Die Citibank, so die Erkenntnisse der Detektei, habe spätestens ab dieser Zeit als führender Vertriebspartner den Verkauf von Lehman-Zertifikaten massiv vorangetrieben. Laut Konkursakte war die Citibank (neben der Bank of New York Mellon) Lehmans größter Gläubiger: Sie verwaltete treuhändlerisch für ihre Kunden Verbindlichkeiten gegenüber Lehman von fast 110 Milliarden Euro. Eine Pleite der Investmentbank, so die Finanzexperten, hätte die Citibank deshalb selbst in eine tiefe Krise stürzen können.

Seit Ende 2006 hatten einige Geldinstitute in Deutschland im großen Stil Zertifikate der Investmentbank Lehman auf den Markt gebracht. Als Folge der Finanzkrise ging Lehman dann Mitte September pleite. Das Geld auch der deutschen Anleger war damit verloren, denn die Lehman-Zertifikate sind nicht von der deutschen Einlagensicherung geschützt.

Teil des Geldes sei nie zur Rückzahlung vorgesehen gewesen

Fuchsgruber-Partner Professor Klaus F. Bröker, Anwalt und ausgewiesener Experte für Börsen- und Kapitalmarktrecht in Göttingen, geht davon aus, dass ein Teil des Geldes, das Lehman über die Zertifikate eingesammelt hat, von vornherein nie zur Rückzahlung vorgesehen war. Vielmehr sei es über einen Bilanztrick als Eigenkapital der klammen Lehman-Holding zugeflossen. Bröker im stern: "Die Zertifikate waren so ausgelegt, dass am Ende immer nur einer gewinnt: Lehman Brothers."

Ein ehemaliger Anlageberater der Citibank bestätigt den Verdacht. Er erhebt im stern schwere Vorwürfe gegen das Institut. Die Kundenberater seien über erhöhte Provisionen subtil unter Druck gesetzt worden, Lehman-Zertifikaten zu verkaufen. Der Arbeitgeber habe sie viel zu sicher eingestuft und die Mitarbeiter über die zweifelhafte Bonität des Emittenten nicht informiert. Der Zeuge selbst verkaufte noch kurz vor der Lehman-Pleite Lehman-Schrottanleihen an seinen Vater und seine Schwiegermutter, die das gesamte Geld verloren.

Entschädigung bleibt weitgehend aus

Warum die Abzocke gerade in Deutschland so gut funktionierte, erklärt der Anlegeranwalt Peter Mattil im stern: "Weil solche Zockerpapiere fast nur hier erlaubt sind. Die Deutschen werden als gierig und gutgläubig gegenüber den Banken eingeschätzt und haben jede Menge Geld auf der hohen Kante."

Bislang verweigern deutsche Partnerbanken die Entschädigung betroffener Anleger auf breiter Front. Eine Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg unter fast 400 geschädigten Kunden ergab, dass nur acht Prozent der untersuchten Fälle Entschädigungsangebote erhalten hätten. Geld hätten bislang nur Kunden der Hamburger Sparkasse bekommen. "Alle anderen Geldinstitute verweigern eine Entschädigung", sagte Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale.

Klage empfohlen

Die Verbraucherzentrale rät betroffenen Kunden zur Klage, falls die Banken nicht freiwillig entschädigen. "Anfang 2009 werden wir die ersten Prozesse sehen", sagte Hörmann. Ein Urteil des Landgerichts Frankfurt, das einem Lehman-Anleger eine Entschädigung verweigert hatte, ist nach Ansicht von Hörmann nicht wegweisend.

mit hil/mbo/AP/AP
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