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So kommt das Geld aus dem Netz

Sie brauchen ein Auto, ein neue Heizung oder wollen eine Weltreise machen? Günstigere Kreditkonditionen als bei der Hausbank gibt es oft bei Kreditportalen im Internet. Hier erfahren Sie, worauf Sie achten müssen.

Von Tanja Vedder

Wer einen Kredit braucht, geht normalerweise zu seiner Bank. Doch in unsicheren Zeiten spielen Geldinstitute oft nicht mit, sie verlangen hohe Zinsen oder wahnwitzige Sicherheiten. Es gibt aber noch einen anderen Weg: den ins Internet. Dort boomen spezielle Kreditportale für Verbraucher. Platzhirschen dieser Peer-to-Peer-Portale sind Smava und Auxmoney. Das Prinzip ist einfach: Wer Geld hat, leiht es dem, der es braucht. Dabei bekommen häufig auch Kunden mit geringer Bonität Kredit.

Selbst Finanzexperten halten die Kreditportale inzwischen für einen guten Weg, um unkompliziert und günstig an Geld zu kommen. Der klare Vorteil zum Bankkredit: Der Kreditnehmer kann die Höhe der Zinsen in gewissem Rahmen selbst bestimmen. "Und unter Umständen bekommen Sie bei diesen Portalen sogar Kredite für eher untypische Vorhaben", hebt Dr. Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin hervor.

Für die Kreditgeber wiederum können die Portale sogar eine lukrative Anlage sein. Manche Anbieter werben mit bis zu zweistelligen Renditen. Weil sich Kreditgeber und -nehmer nicht kennen, bergen diese Portale aber vor allem für Anleger gewisse finanzielle Risiken. Das sollte niemand vergessen, der sich auf diesen unkonventionellen Weg einlässt. Mit etwas Vorsicht lassen sich aber einige Stolpersteine umgehen.

In jedem Fall sollten Verbraucher, die auf der Suche nach einer Finanzierung sind, zunächst die Konditionen des jeweiligen Kreditportals genauestens studieren. Denn manche Betreiber verlangen eine Gebühr, auch wenn sich kein Kreditgeber findet. Die Verbraucherschützer von "Finanztest" warnen deshalb immer wieder vor Auxmoney: Mit so genannten Zertifikaten und Einstellgebühren verlange dieser Anbieter auch unabhängig vom Vermittlungserfolg viel Geld.

Bonitätsprüfung entscheidet

Das Kreditverfahren selbst ist bei allen Anbietern ähnlich und sehr einfach: Egal ob Kreditsuchender oder -geber, alle Akteure müssen sich beim Portal zunächst anmelden und per Post-Identverfahren ausweisen. Dafür legen beide Seiten in einer Postfiliale den Personalausweis vor. Die eigene Zahlungsfähigkeit (Bonität) entscheidet darüber, ob man zugelassen wird. Smava beispielsweise verlangt deshalb von Angestellten Einkommensnachweise, Selbstständige müssen auch Unterlagen wie eine betriebswirtschaftliche Auswertung oder eine Gewinnermittlung vorlegen. Auch Kontoauszüge werden gegebenenfalls nachgefragt.

Anhand dieser Nachweise überprüft das Portal, ob der Interessent in der Lage ist, den Kredit zu schultern. Zusätzlich fragt es bei der Schufa nach der Bonität - nur Kreditsuchende bis zur Risikoklasse H werden zugelassen. A bedeutet, dass der Kunde das Geld sehr wahrscheinlich zurückzahlt, in der Klasse H fallen laut Smava rund 15 Prozent der Kredite aus. Die Prüfung soll für die Geldgeber sicherstellen, dass nicht reihenweise Kredite ausfallen und sie viel Geld verlieren. Die Portale sind deshalb auch keine Ersatz-Bank für Menschen, die anderswo ihre Kreditwürdigkeit verspielt haben.

Wenn Smava grünes Licht gibt, beschreibt der Kunde sein Projekt und gibt an, welche Zinsen er dafür zu zahlen bereit ist. Daraufhin geben interessierte Investoren Gebote ab, meist in Höhe von einigen hundert Euro. Gehen genug Gebote ein, wird das Geld ausgezahlt. In der Regel sind die Kredite gedeckelt: Bei Smava liegt der Höchstbetrag bei 50.000 Euro, bei Auxmoney sind es 20.000 Euro. Investoren können bei Smava ab 250 Euro anlegen, bei Auxmoney bereits ab 50 Euro.

Risiko für Anleger

Als Vermittler sorgen die Portale dafür, dass das Geld beim Kreditnehmer landet und die Rückzahlung samt Zinsen wiederum beim Geber. Die Abwicklung sämtlicher Geldströme übernehmen zum Teil auch Partnerinstitute wie die SWK Bank bei Auxmoney. Kreditgeber und -nehmer haben also keinen unmittelbaren Kontakt. Das macht die Sache problematisch. Schließlich besteht immer die Gefahr, dass ein Kredit nicht zurückgezahlt wird.

Deshalb sollten sich die Kreditgeber die Projekte sehr genau anschauen, in die sie investieren wollen. Informationen lassen sich am besten sammeln, wenn das Projekt des Kreditsuchenden sehr detailliert beschrieben ist. "Allerdings bleiben dessen Angaben ungeprüft - und so bleibt dem Kreditgeber letztlich nur der Schufa-Eintrag, um das Ausfall-Risiko einzuschätzen", gibt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zu bedenken. Mit der Sicherheit einer Einlage bei einer Bank seien Investitionen bei den Peer-to-Peer-Portalen eben nicht zu vergleichen.

Risiko verteilen

Finanzexperte Nauhauser empfiehlt Investoren daher, nur Kreditportale auszuwählen, bei denen das Risiko eines Ausfalls auf Anleger der gesamten Risikoklasse verteilt ist. Ohnehin sollten Geber wissen, dass es bei den Online-Portalen keinerlei Einlagensicherung gibt. Deshalb sollten sie auch nur kleine Summen bereit stellen, auf die sie schlimmstenfalls sogar verzichten können, oder ihre Investition auf mehrere Kreditnehmer verteilen. So lässt sich der Ausfall eines Kredits am besten abfedern.

Für den Kredit werden - wie bei der Bank - klare Vereinbarungen getroffen, festgehalten werden sollten neben der Höhe der Kreditsumme natürlich auch die Rückzahlungsmodalitäten, Laufzeit, Höhe der Raten, mögliche Sonderzahlungen und Zinsen "Außerdem sollten Kreditgeber den Kreditnehmer immer nach Sicherheiten fragen", so Verbraucherschützer Peter Lischke.

Auf Gebühren achten

Ganz kostenlos ist die Kreditvermittlung übrigens für beide Seiten nicht. Denn die Plattformbetreiber verlangen eine Bearbeitungsgebühr. Bei Smava sind es beispielsweise für den Kreditgeber einmalig 1,35 Prozent des Gebotsbetrags. Bei laufenden Krediten stellt das Portal außerdem eine monatliche Servicegebühr in Rechnung. Für den Kreditnehmer wiederum ist die Laufzeit entscheidend. Bei 60 Monaten zahlt er beispielsweise 3 Prozent des Gesamtbetrags als Vermittlungsgebühr. Daher sollten Kreditnehmer immer ein Vergleichsangebot einer Bank einholen. Möglicherweise überrascht das Institut ja doch mit besseren Konditionen.

Wenn der Zahlungsausfall droht

Und was passiert, wenn der Kreditnehmer nicht zahlen kann? Dann folgen natürlich die im Vertrag vereinbarten Sanktionen. Heißt beispielsweise bei Smava: Fallen die Zahlungen aus, verkauft das Unternehmen den Schuldschein an eine Inkassofirma, um den Gläubigern zumindest einen Teil des investierten Geldes zu sichern. Was dann passiert - etwa eine gütliche Einigung oder ein Gerichtsverfahren - liegt in der Hand des Inkassounternehmens. Wer das trotz einer schwierigen Finanzlage abwenden will, kann nur auf Kulanz hoffen. Smava schreibt auf seiner Internetseite: "Bei Zahlungsschwierigkeiten stehen wir immer für ein offenes Gespräch zur Verfügung."

Von Tanja Vedder (mit AFP)
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