Die Umlage zur Förderung Erneuerbarer Energien steigt im kommenden Jahr um fast 50 Prozent. Zwei Experten streiten, ob die Ökostrom-Subvention abgeschafft werden sollte.
Keine Frage: Der Ausbau der Erneuerbaren mithilfe des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) war effektiv. Derzeit beträgt der Anteil "grünen Stroms" am Stromverbrauch rund 25 Prozent, knapp vier Mal so viel wie bei Einführung des EEG im Jahr 2000. Der Preis für diesen Erfolg ist allerdings enorm: Allein für die bis Ende des Jahres 2011 installierten Photovoltaikanlagen betragen die Subventionen nach Berechnungen des RWI knapp 100 Milliarden Euro.
Dem gigantischen Fördervolumen steht jedoch nur ein geringer Solarstromanteil von aktuell weniger als vier Prozent gegenüber. Dieses Missverhältnis ist ein klares Indiz für die hohe Ineffizienz des EEG. Die Ursachen liegen nicht zuletzt in der übermäßigen Vergütung für Solarstrom und dem explosionsartigen Zubau an Photovoltaikkapazität in den vergangenen Jahren. Als Folge dieses Solarbooms stieg die sogenannte EEG-Umlage auf der Stromrechnung zwischen 2009 und 2011 besonders stark an, von 1,31 auf 3,53 Cent je Kilowattstunde. 2013 klettert sie nun noch einmal auf knapp 5,3 Cent. Die Zwangsabgabe liegt damit höher als die derzeitigen Einkaufspreise für Strom an der Strombörse in Leipzig.
Um die Akzeptanz für die Erneuerbaren nicht zu gefährden, ist es deshalb höchste Zeit für den Wechsel zu einem kosteneffizienten Fördersystem. Geeignet wäre ein Quotenmodell, bei dem die Politik lediglich festlegt, welchen Marktanteil der grüne Strom insgesamt erreichen soll, ohne bestimmte Technologien stärker zu fördern als andere. Auf diesem Weg wäre das von der Politik gesetzte Ziel eines Grünstromanteils von 35 Prozent im Jahr 2020 nach Berechnungen des RWI mit etwa einem Zehntel jener zusätzlichen Kosten erreichbar, die das EEG verursachen würde. Wesentlicher Grund für das große Sparpotenzial ist, dass Investoren in einem Quotensystem die jeweils günstigste Technologie an den jeweils geeignetsten Standorten einsetzen würden. In Deutschland würden dann vorwiegend kostengünstige Windkraftanlagen an Land installiert.
Bei einer bereits erreichten Grünstromquote von 25 Prozent kommt es jetzt nicht mehr darauf an, weitere Nischentechnologien mit immensen Subventionen zu fördern. Die Herausforderung der Energiewende besteht vielmehr darin, den massiven und international beispiellosen Kapazitätsaufbau möglichst kosteneffizient zu gestalten. Das finanzielle Desaster des deutschen Solarbooms beweist, dass das EEG dafür nicht geeignet ist.
Prof. Dr. Manuel Frondel ist Leiter des Kompetenzbereichs "Umwelt und Ressourcen" am Rheinisch-Westfälischen Institut
für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.