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Die Rürup-Rente im Überblick

Auch Selbstständige und Freiberufler können mit staatlicher Förderung für das Alter vorsorgen. Hier bekommen Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Rürup-Sparen.

Von Tanja Vedder

Selbstständige dürfen zwar meist nicht "riestern" - eine staatlich geförderte Altersvorsorge gibt es aber auch für sie: die Rürup-Rente. Sparer können jährlich ein üppiges Sümmchen mit steuerlicher Förderung durch Vater Staat anlegen. Neben Freiberuflern und Gewerbetreibenden dürfen auch Angestellte und Beamte einen Rürup-Vertrag abschließen.

Wer mit einer Rürup-Rente fürs Alter vorsorgt, kann seit 2014 mehr Geld von der Steuer absetzen: Seit Januar erkennt das Finanzamt bei einer Rürup-Rente 78 Prozent der Einzahlungen als Sonderausgaben an. Bis zum Jahr 2025 sollen es hundert Prozent sein. Insgesamt werden Beiträge in Höhe von 20.000 Euro bei Alleinstehenden und 40.000 Euro bei Verheirateten steuerlich gefördert. Singles können damit nächstes Jahr bis zu 15.600 Euro von der Steuer absetzen, Verheiratete bis zu 31.200 Euro.

Die Rürup-Rente wurde 2005 eingeführt und basiert auf dem Modell einer Expertenkommission unter der Leitung des Wirtschaftswissenschaftlers Bert Rürup. Wie die gesetzliche Rente gehört die Rürup-Rente in diesem Modell zur ersten Schicht der Altersvorsorge, der Basisvorsorge, und wird deshalb auch "Basis-Rente" genannt.

stern.de hat die wichtigsten Fakten zu diesem staatlich geförderten Steuerspartrick zusammengefasst.

Was unterscheidet die Rürup-Rente von der gesetzlichen Rente?

Zwar ist die Rürup-Rente der gesetzlichen Rente steuerlich und in den Leistungen gleichgestellt. Dennoch handelt es sich um ein anderes Verfahren. Die gesetzliche Rente ist umlagefinanziert: Das Geld, das durch die Gehaltsabzüge bei den Arbeitnehmern "hereinkommt" wird binnen eines Tages auf alle Rentner wieder verteilt – oder umgelegt, wie es die Fachleute nennen. Dagegen ist die Rürup-Rente kapitalgedeckt. Es wird also Kapital aus einem individuell angesparten Konto ausgezahlt. Das hat die Rürup-Rente auch mit der Riester-Rente gemein. Im Unterschied zu dieser Sparform werden hier aber deutlich höhere Beträge steuerlich gefördert, dafür gibt es aber keine staatlichen Zulagen. Außerdem dürfen Selbstständige in den meisten Fällen nicht "riestern".

Was unterscheidet die Rürup-Rente von der privaten Rentenversicherung?

Anders als bei einer privaten Rentenversicherung gibt es bei der Rürup-Rente keinerlei Kapitalwahlrecht zu Rentenbeginn. Es wird lediglich eine lebenslange Rente ausgezahlt. Auch in der Beitragsgestaltung ist eine private Rentenversicherung meist flexibler. Außerdem werden Rürup-Renten und private Rentenversicherungen in der Auszahlungsphase unterschiedlich besteuert: Die Rürup-Rente wird ab 2040 voll versteuert, bei einer private Rente aber nur der sogenannte Ertragsanteil (gilt für Neuverträge ab 2005).

Steuerliche Förderung und Besteuerung - wie funktioniert das?

Seit 2005 dürfen Sparer ihre Beiträge zur sogenannten Basisversorgung im Alter bis zu einer Grenze von 20.000 Euro (Verheiratete 40.000 Euro) steuerlich absetzen - zunächst aber noch nicht komplett. Erst ab dem Jahr 2025 akzeptiert das Finanzamt die volle Summe. Bis dahin wird der steuerfreie Anteil Schritt für Schritt um jeweils zwei Prozentpunkte angehoben. 2014 können beispielsweise 78 Prozent der Beiträge als Sonderausgaben geltend gemacht werden, 2015 werden es bereits 80 Prozent sein. Das heißt: Ein Alleinstehender kann in diesem Jahr bis maximal 15.600 Euro von der Steuer absetzen, 2015 entsprechend bis maximal 16.000 Euro. Im Gegenzug werden die Altersbezüge - und damit also auch die Rürup-Rente - ab Rentenbeginn versteuert (nachgelagerte Besteuerung). Auch hier greift der Fiskus in Häppchen zu: Wer 2010 in Rente ging, musste 60 Prozent seiner Rürup-Rente versteuern. Für alle späteren Rentnerjahrgänge erhöht sich der zu versteuernde Anteil jährlich um zwei Prozentpunkte, ab 2020 um je einen Prozentpunkt. 2040 unterliegt die Rente dann zu 100 Prozent dem persönlichen Steuersatz. Für 2014 gilt also: 68 Prozent der Zahlungen sind steuerpflichtig, 2015 sind es dann 70 Prozent.

Ab wann wird die Rürup-Rente ausgezahlt?

Rürup-Verträge, die bis zum 31.12.2011 geschlossen wurden, dürfen nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres als lebenslange Monatsrente ausgezahlt werden. Zu Jahresbeginn 2012 wird diese Altersgrenze angehoben. Wer nach diesem Zeitpunkt einen Rürup-Vertrag abgeschlossen hat, muss bis zu seinem 62. Geburtstag auf die Rentenzahlung warten.

Wie viel kann ich in einen Rürup-Vertrag einzahlen?

Grundsätzlich kann jeder Sparer (auch ohne Rürup-Vertrag) so viel für seine Altersvorsorge zurücklegen, wie er kann und will. Steuerlich gefördert wird jedoch nur eine Summe von jährlich maximal 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 Euro). Vorrang vor der Rürup-Rente haben für das Finanzamt aber immer die gesetzliche Rentenversicherung oder die Beiträge für ein berufsständisches Versorgungswerk. Ein Beispiel: Ein Angestellter wendet aus eigener Kasse jährlich 16.000 Euro für die gesetzliche Rente auf. Er könnte also bis maximal 4000 Euro in einen Rürup-Vertrag einzahlen und dafür die steuerliche Förderung kassieren. Entsprechend müssen Selbständige ihre Beiträge für ein berufsständisches Versorgungswerk zunächst von der maximalen Fördersumme abziehen – den Rest können sie für einen steuerlich geförderten Rürup-Vertrag verwenden.

Was muss ich bei der Steuererklärung beachten?

2006 wurde das Steuerrecht geändert, seitdem ist die Rürup-Rente in jedem Fall als Sonderausgabe abzugsfähig. Davor wurde die Rürup-Rente nur nachrangig berücksichtigt, oft war die alte Höchstgrenze bereits durch andere Vorsorgeaufwendungen wie etwa zur Kranken- oder Pflegeversicherung erschöpft. Das neue Recht kann nun aber gerade bei Selbstständigen mit einem sehr niedrigen Jahreseinkommen zu einer Schlechterstellung führen. Deshalb führt das Finanzamt in jedem Fall bis 2019 bei jedem Steuerpflichtigen eine Günstigerprüfung durch.

Worauf muss ich bei einer Rürup-Rentenversicherung achten?

Entscheidend ist, wie viel Rente Ihnen Ihr Anbieter am Ende garantiert. Der Garantiezins (eigentlich Höchstrechnungszins) ist in der Regel bei allen Anbietern gleich. Er lag für Neuverträge bis Ende 2011 bei 2,25 Prozent auf den Sparanteil an den Beiträgen und beträgt seit 2012 nur noch 1,75 Prozent. Anfang 2015 wird der Garantiezins wahrscheinlich noch weiter auf 1,25 Prozent sinken. Der entscheidende Punkt sind die Kosten und die Höhe der gewährten Überschussbeteiligungen. Sie sollten in jedem Fall die Rürup-Verträge gleich mehrerer Anbieter vergleichen, und zwar allein mit Blick auf die Höhe der garantierten Rente. Denn die künftigen Überschussbeteiligungen, die Ihnen der Anbieter aufführt, sind lediglich eine Schätzung, also keineswegs sicher. Die Stiftung Warentest hat die Anbieter von Rürup-Renten zuletzt Ende 2011 (Finanztest, Ausgabe 12/2011) getestet. Fazit: Die besten Angebote machen Debeka, Europa und die Hannoversche. Immerhin bei 25 von 62 überprüften Tarifen war es möglich, die Höhe der gezahlten Beiträge aufzustocken. Dabei raten Verbraucherschützer dazu, die Beiträge zur Rürup-Rente am besten jährlich zu zahlen - denn hierfür gewähren die Versicherer teils nicht unerhebliche Rabatte. Wer sich für eine monatliche Beitragszahlung entscheidet, zahlt also drauf.

Kann ich meinen Rürup-Vertrag beitragsfrei stellen?

Mit der Beitragsfreistellung bei Rürup-Verträgen ist das so eine Sache. Grundsätzlich sollte das kein Problem sein. Doch die wenigsten Versicherer bieten eine Beitragsfreistellung kostenlos an. Meist werden Gebühren fällig. Außerdem können Zusatzversicherungen wie Hinterbliebenenschutz oder die Berufsunfähigkeitspolice wegfallen, wenn keine Beiträge mehr eingezahlt werden. Und bei manchen Anbietern ist das Kapital sogar komplett weg, wenn bis zur Beitragsfreistellung nicht eine bestimmte Summe angespart wurde.

Worauf muss ich bei Rürup-Fonds achten?

Wie alle Fonds unterliegen auch fondsgebundene Rürup-Produkte den Schwankungen des Marktes. Im schlimmsten Fall kann bei einer schlechten Börsenphase das Konto ins Minus geraten – besonders schlecht wäre das gerade zu Rentenbeginn. Denn anders als bei Riester-Fonds, wo dies gesetzlich vorgeschrieben ist, müssen Rürup-Fonds dem Sparer nicht den Erhalt seiner Einzahlungen garantieren. Einige Anbieter gewähren diese Garantie aber auf freiwilliger Basis.

Was passiert, wenn der Rürup-Sparer vorzeitig stirbt?

Egal, ob Versicherung, Banksparplan oder Fonds: Für die Rürup-Rente gilt ein generelles "Vererbungsverbot", so hat es der Gesetzgeber vorgesehen. Sowohl für die Anspar- also auch für die Rentenphase kann aber ein Hinterbliebenenschutz vereinbart werden. Das ist aber vergleichsweise teuer und mindert die eigene Rente. Außerdem können damit nur der Eherpartner und die Kinder bis zum 25. Lebensjahr abgesichert werden, das Guthaben wird dann in eine "Witwenrente" oder "Waisenrente" umgewandelt . Der unverheiratete Lebenspartner geht in jedem Fall leer aus.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Zusatzschutz oder nicht?

Es gibt die Möglichkeit, einen Rürup-Vertrag mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu kombinieren. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist ein steuerlicher: Denn eine separat abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung fällt steuerlich unter die sonstigen Vorsorgeaufwendungen, die inzwischen nur noch bis zur Höchstgrenze von 1900 Euro (bzw. 2800 Euro für Selbstständige) abzugsfähig sind. Weil die Beiträge zur Krankenversicherung diese Grenze oft schon sprengen, würde eine Berufsunfähigkeitsversicherung also vom Finanzamt gar nicht mehr berücksichtigt. Nicht so, wenn sie mit einem Rürup-Vertrag kombiniert wird. Die Nachteile: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist direkt an die Rürup-Rente gekoppelt. Bei einer Beitragsfreistellung würde diese Zusatzpolice automatisch erlöschen. Die Stiftung Warentest empfiehlt daher, besser eine separate Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Seit Anfang 2014 fördert der Staat nach dem Vorbild der Rürup-Rente auch separat abgeschlossene Berufsunfähigkeitspolicen mit den gleichen Steuervorteilen wie bei der Basisversorgung. Diese speziell zertifizierten Verträge bieten derzeit aber nur wenige Versicherer an. Der Grund: Weil die Berufsunfähigkeitsrente bei diesen Policen lebenslang gezahlt werden muss, sind sie wesentlich teurer als normale Verträge. Verbraucherschützer raten daher zum Abschluss einer herkömmlichen, eigenständigen Berufsunfähigkeitspolice.

Was passiert mit der Rürup-Rente, wenn ich arbeitslos werde?

Das im Rürup-Vertrag angesparte Kapital wird auch bei einer längeren Arbeitslosigkeit nicht als Vermögen berücksichtigt. Allerdings muss der Rürup-Vertrag geschlossen worden sein, bevor Hartz IV beantragt wurde.

Kann ich den Anbieter wechseln?

Anders als bei Riester-Verträgen gibt es nur wenige Anbieter von Rürup-Verträgen, die einen Anbieterwechsel erlauben. Im Check von Finanztest waren das CosmosDirekt, Hannoversche, Mamax, Neue Leben, PB Leben und Zurich Deutscher Herold. Natürlich kostet ein Anbieterwechsel auch Geld. Außerdem werden beim neuen Anbieter wieder Abschlusskosten fällig.

Die Vorteile im Überblick

* Staatliche Förderung bis maximal 20.000 Euro
* Hartz-IV-Schutz
* Pfändungsschutz während der Ansparphase
* Keine Abgeltungssteuer
* Flexible Besparung (viele Anbieter verlangen allerdings Gebühren, wenn sich die Sparsumme ändert)

Die Nachteile im Überblick

* Keinerlei Kapitalwahlrecht
* Beitragsgarantie hängt vom Anbieter ab, da nicht gesetzlich vorgeschrieben
* Rente wird nur als monatliche Leibrente ausgezahlt
* Rente wird nachgelagert versteuert
* Keine Beleihung, Übertragung, Schenkung, Kündigung oder Auszahlung eines Rückkaufswertes
* Anbieterwechsel nur selten möglich
* Angespartes Guthaben verfällt bei Tod (es sei denn, Hinterbliebenenschutz wurde vereinbart)

frk/tav