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Der richtige Anbieter, die passende Police

Eine Lebensversicherung kann Ihre Altersvorsorge sinnvoll ergänzen. Sie müssen aber vorher prüfen, welche Versicherung sich für Sie eignet - und von welcher Sie besser die Finger lassen sollten.

Sie wollen entspannt im Alter leben? Dann sollten Sie rechtzeitig vorsorgen

Sie wollen entspannt im Alter leben? Dann sollten Sie rechtzeitig vorsorgen

Was hat man der Lebensversicherung in den vergangenen Jahren nicht alles vorgeworfen: altmodisch, undurchsichtig, renditeschwach. Doch selbst wenn all das zuträfe, kann eine kapitalbildende Lebensversicherung sinnvoll sein. Sie ist der "Klassiker" der Branche. Kein anderer Sparvertrag schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: finanzielle Absicherung von Angehörigen (und/oder größeren Krediten) im Todesfall und eine mit einem festen Satz verzinste Kapitalauszahlung im Erlebensfall.

Wer genau diesen Bedarf hat (zum Beispiel Familien mit Wohneigentum), macht mit der Kapitallebenspolice zwar kaum einen Rendite-Reibach, aber ein solides Geschäft: 2014 beläuft sich die laufende Verzinsung in der Lebensversicherung laut der Rating-Agentur Assekurata über alle Tarifgenerationen und Produktarten hinweg auf durchschnittlich 3,53 Prozent. Die Gesamtverzinsung inklusive Schlussüberschuss und anderer Gewinnanteile beträgt 4,31 Prozent. Das schafft weder das beste Sparkonto noch ein Bundesschatzbrief. Weiterer Pluspunkt: Einmal gewährte Jahresgutschriften können nicht wieder verfallen.

Auswahl eines soliden Anbieters ist schwierig

Schwieriger als noch in früheren Jahren ist die Auswahl eines soliden Anbieters geworden. Am Markt tummeln sich allein bei den Lebensversicherern knapp 100 Unternehmen. Dabei reißen die Negativ-Schlagzeilen aus der Branche nicht ab. Seit Jahren bröckeln der Garantiezins und die sogenannten Überschussbeteiligungen.

Den Versicherern fällt es angesichts der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt immer schwerer, die Garantien zu erwirtschaften, die sie ihren Kunden vor Jahren versprochen haben. Um die Lebensversicherer zu entlasten, plant die Regierung, die Beteiligung der Kunden an den sogenannten Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere zu beschneiden. Kunden, deren Policen bald auslaufen, könnte das einige Tausend Euro kosten.

Die Lebensversicherung hat schon einige Tiefschläge hinnehmen müssen: Als der Staat vor ein paar Jahren beschloss, auf Zinsgewinne aus Lebensversicherungen Steuern zu kassieren, sahen viele Experten das Ende dieser Versicherungsform gekommen. Denn nur wer noch bis 31. Dezember 2004 einen Lebensversicherungs-Vertrag unter Dach und Fach gebracht hat, kassiert seine Auszahlung irgendwann steuerfrei.

Angst ist ihr Geschäft

Den Steuerangriff, glaubten viele Experten, würde der Deutschen liebstes Vorsorgekind nicht überleben. Doch weit gefehlt. Die Lebensversicherung spielt auch mehr als 150 Jahre nach ihrer Erfindung noch eine zentrale Rolle für die Altersvorsorge der Bundesbürger. Derzeit gibt es rund 78 Millionen Verträge bundesweit, die dem Aufbau der Altersvorsorge dienen. Die Lebensversicherungen bilden damit eine gigantische Industrie, die überall dort einspringt, wo sich der Sozialstaat zurückzieht. Es ist aber auch ein Geschäft mit der Angst der Menschen und ihrem Bedürfnis nach Sicherheit.

Komplizierte Mathematik

Das Angebot der Versicherungskonzerne ist so verlockend, weil es so einfach klingt: Man zahlt regelmäßig etwas ein, und zu einem verabredeten Zeitpunkt bekommt man etwas heraus, entweder als Gesamtsumme oder monatlich als Rente bis ans Lebensende. Mit Zins und Zinseszins, versteht sich. Das hört sich gut an, logisch und überschaubar. Tatsächlich hapert es mit der Überschaubarkeit - niemand vermag nämlich präzise vorherzusagen, wie viel Geld am Ende ausgezahlt wird, wie hoch der Zins also wirklich sein wird. Das liegt daran, dass Lebensversicherungen auf den zweiten Blick eine höchst komplizierte Rechenaufgabe sind. Vereinfacht gesagt, müssen drei Dinge in die Kalkulation einbezogen werden:

  • die Entwicklung am globalen Kapitalmarkt, besonders die Zinsentwicklung,
  • die Verwaltungskosten der Versicherung,
  • und die Sterblichkeit von Menschen.

Großanleger mit Pannen

Es ist also eine Mixtur aus Finanzmathematik, Wahrscheinlichkeitstheorie und Rechnungswesen.

Zunächst zum Kapitalmarkt: Wie schaffen es die Versicherer überhaupt, die Garantiesummen auch wirklich auszuzahlen? Das Versprechen kann nur eingelöst werden, wenn das eingezahlte Kundengeld rentabel investiert wird. Zur Verfügung stehen dazu im Wesentlichen Rentenpapiere, Immobilien sowie Aktien. Auch Investitionen in Infrastrukturprojekte erfreuen sich bei den Gesellschaften wachsender Beliebtheit. Die deutschen Versicherer sind nach den jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten nur noch minimal in Aktien investiert. Der größte Batzen - fast 90 Prozent - steckt in Anleihen und anderen Wertpapieren mit fester Verzinsung. So sind die deutschen Versicherer der größte Abnehmer von Euro-Staatsanleihen und zählen zu den größten Immobilieneignern des Landes - alles in allem ein enormer Einfluss auf die Kapitalmärkte.

Vor Pannen sind auch die Versicherer nicht gefeit. Auch die strenge behördliche Kontrolle der Geldanlage von Versicherern konnte nicht verhindern, dass einige Gesellschaften im Börsencrash zu Beginn des neuen Jahrtausends mit hastigen Aktienverkäufen die wegbrechenden Kurse noch tiefer prügelten und so die Krise verschärften. Der Staat musste Schützenhilfe leisten und erlaubte der Branche das Ausbügeln der Verluste in den Bilanzen. Mit gewissem Erfolg: Die durchschnittliche Jahresgutschrift für die Kunden sackte zumindest nicht noch weiter ab.

Verlockend, aber undurchsichtig

Zur Erklärung: Die Jahresgutschrift (gleich laufende Verzinsung) ist die Summe aus dem Garantiezins (Fachbegriff: Höchstrechnungszins), der bei Vertragsabschluss festgesetzt wird, und einer Überschussbeteiligung, die jährlich neu festgelegt wird. Hinzu kommen gegebenenfalls noch ein Schlussüberschuss sowie weitere Gewinnanteile. Zusammen bilden diese Komponenten die Gesamtverzinsung.

Weitere Feinheit: Der Garantiezins gilt nur für den sogenannten "Sparanteil" der Kundeneinzahlung, also nicht für die gesamte Rate (Prämie). Ein Teil des Kundengeldes wird bei Kapitallebensversicherungen dazu verwendet, im Todesfall Leistungen an Hinterbliebene auszahlen zu können. Dieser Teil nennt sich deshalb "Risikoanteil". Die Aufteilung der Einzahlungen in Risiko- und Sparanteil fabriziert der Versicherer intern, Sparer merken davon nichts. Mit einem kleinen Trick können Sie den Effekt des Aufteilens "sichtbar" machen:

Vergleichen Sie im Internet oder mit Ihrem Berater zwei Angebote für eine Lebenspolice - von ein und demselben Anbieter. Wählen Sie sämtliche Vorgaben (Alter, Sparrate usw.) der beiden Offerten identisch - außer einer, nämlich die des Todesfallschutzes in Prozent. Geben Sie für ein Angebot 100 Prozent ein und für das andere 60 Prozent. Ergebnis: Die Police mit nur 60 Prozent Todesfallschutz spuckt Ihnen eine deutlich höhere, garantierte Ablaufleistung aus ("garantierte Versicherungssumme") - weil der Risikoanteil, der von Ihren Einzahlungen abgeht, geringer ist. Übrigens: Diese Rechnung können Sie selbst im Internet durchführen, zum Beispiel auf dem Makler- und Tarifvergleichs-Portal www.fss-online.de.

Weniger Todesfallschutz, mehr Auszahlung

Wem es in Sachen Altersvorsorge also mehr um Geld für die Rente und etwas weniger um Geld für Hinterbliebene geht, wählt 60 Prozent Todesfallschutz - wovon Berater übrigens gerne mit allerlei Argumenten abraten. Bleiben Sie, sofern Sie sich Ihren Entschluss gründlich überlegt haben, einfach hartnäckig. Alternativ können Sie auch eine Rentenversicherung abschließen. Diese Policen sehen grundsätzlich keinen Todesfallschutz vor.

Von Ihrer Einzahlung wird nicht nur der Risikoanteil nicht mit dem Garantiezinssatz verzinst, sondern ebenso wenig der Teil, der für die Provision des Beraters und die Verwaltungskosten des Konzerns abgezwackt wird. Das mindert - bezogen auf Ihre gesamte Einzahlung - den Garantiezins. Zum Vergleich: Zwei Prozent Jahreszins auf einem kostenlosen Sparbuch sind für Sparer "echte" zwei Prozent Plus pro Jahr. Aus 100 eingezahlten Euro werden 102 Euro. Aus 100 Euro Einzahlung in eine Lebensversicherung werden bei 1,75 Prozent jährlichem Garantiezins aber nach einem Jahr eben nicht 101,75 Euro. Bei teuren Anbietern in Sachen Provision und/oder Verwaltung rechnet Stiftung Warentest vor, dass deren Garantiezins bezogen auf die gesamte Einzahlung des Sparers nur ein (!) Prozent beträgt. Schockschwerenot?

Nein. Denn zum einen ist der Garantiewert ja nur ein Teil der Gutschrift. Und zum anderen gibt es auch günstige Versicherer, zum Beispiel die Direktanbieter ohne Außendienst. Gerade darum lohnt sich die Rechnerei.

Finger weg von ausländischen Policen

Um Sie zu wappnen: Immer mehr sogenannte "freie Finanzdienstleister", also Geldberater, die formal an keinen einzelnen Produktanbieter gebunden sind, versuchen, Lebensversicherungen ausländischer Gesellschaften unters Volk zu bringen, bevorzugt aus Großbritannien, aber auch aus Kanada oder der Schweiz. Überzeugungsarbeit leisten sie sehr gerne mit dem "Ein-Prozent-Garantiezins"-Schocker. Auf den Tisch legen sie dann zum Beispiel ein Angebot eines britischen Hauses - mit geradezu märchenhaft klingenden zweistelligen Jahresgutschriften. Hier gilt: Achtung, höchste Alarmstufe! Denn ausländische Policen sind in punkto Verbraucherschutz und Sicherheit nicht mit heimischen Offerten vergleichbar - rede der Vermittler da, was er wolle. Deshalb: Finger weg!

Und lassen Sie sich auch bei deutschen Anbietern nicht von Top-Renditen oder allerlei Zusatz-Schnickschnack blenden. Am Ende entscheiden einzig und allein Finanzstärke, niedrige Kosten und seriöse Geldanlagepolitik des Versicherers über Ihre Rendite. Bevorzugen Sie finanzstarke Gesellschaften mit stetiger Verzinsungspolitik - und zahlen Sie die Beiträge stets jährlich. Das erhöht Ihren Profit zusätzlich.

Alternativen zum Klassiker

Weil die Lebensversicherungen immer weniger Rendite abwerfen und für die Anbieter auch immer kostspieliger werden - unter den neuen Eigenkapitalregeln Solvency II müssen sie für lebenslange Garantien viel Eigenkapital vorhalten - bieten einige Gesellschaften wie die Zurich keine klassischen Policen mehr an.

Sie setzen stattdessen auf fondsgebundene Lebensversicherungen, die zum Beispiel in Aktienfonds investieren. Hier trägt der Kunde das Kapitalanlagerisiko. Wenn die Börsenkurse einbrechen, schmälert das auch seine Altersvorsorge. Zwar bieten Versicherer auch für die Fondspolicen Garantien an, doch die kosten Rendite. Verbraucherschützer raten dazu, wegen der hohen Kosten der Policen lieber gleich in Aktienfonds zu investieren.

Einige Versicherer wie Allianz, Ergo und Axa bieten auch neuartige Lebenspolicen mit modifizierten Garantien an. Hier gibt es in der Regel keine garantierte Verzinsung mehr, sondern nur noch eine Beitragserhaltsgarantie. Das soll den Gesellschaften mehr Spielraum beim Investieren am Kapitalmarkt geben und den Kunden unter dem Strich mehr Rendite bescheren. Doch auch hier raten Verbraucherschützer zur Vorsicht. Die Policen seien komplex und schwer zu durchschauen, so die Kritik.