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Die Fallstricke der Riester-Rente

Immer mehr Deutsche verlieren das Vertrauen in die private Altersvorsorge. Tatsächlich ist die Riester-Rente nicht für jeden geeignet. Was Sie unbedingt vor einem Abschluss beachten sollten.

Aufgrund des Niedrigzinsumfelds beurteilen die Deutschen die private Altersvorsorge immer skeptischer. Knapp die Hälfte aller Berufstätigen will sie wegen der geringen Rendite derzeit nicht weiter ausbauen, wie eine Umfrage ergab.
Bei denen, die vermehrt vorsorgen wollen, sind Immobilien hoch im Kurs. Andere Anlageformen wie die Lebensversicherung – einst liebstes Kind der Deutschen bei der Altersvorsorge – haben stark an Ansehen verloren. Nur noch fünf Prozent planen, eine klassische Lebensversicherung mit Kapitalauszahlung abzuschließen. Auch für eine staatlich geförderte Riester-Rente interessieren sich nur noch neun Prozent der Berufstätigen, die ihre Altersvorsorge ausbauen wollen.
Die Skepsis ist angebracht, denn die Riester-Rente hat auch Nachteile. Grundsätzlich ist die Förderung für die meisten Menschen zwar eine gute Sache. Bei keiner anderen Altersvorsorge profitiert man mehr von direkter und indirekter staatlicher Förderung über Zulagen und Steuervorteile. Doch die Großzügigkeit des Staates ist an Bedingungen geknüpft. Und das ein oder andere Vertragsdetail macht die Riester-Rente für einige unattraktiv: So bekommen Geringverdiener im Alter unter Umständen keinen Cent mehr, als sie auch ohne Riestervertrag erhielten.

Lesen Sie unten, welche Knackpunkte die Riester-Rente hat und was sie konkret bedeuten.

Nicht immer kann das Riester-Vermögen vererbt werden

Leider gibt es keine pauschale Regelung, wie Riester-Vermögen vererbt werden kann. Je nach Todeszeitpunkt, Verwandtschaftsgrad und Art der Anlage ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen. Grundsätzlich gilt: Nicht in Trennung lebende Ehegatten und Kinder werden bevorzugt, alle anderen Erben müssen mit Abschlägen rechnen.

Riester-Versicherungen

Bei Versicherungen ist die Lage kompliziert. Hier muss man unbedingt eine Zusatzvereinbarung treffen - denn sonst fällt das Vermögen bei Tod des Riester-Zahlers der Versicherung zu; für die Erben ist es dann komplett verloren. Verhindern kann man das mit einer vertraglich festgehaltenen Rentengarantiezeit. Diese Vereinbarung ist aber oft mit Zusatzkosten verbunden beziehungsweise drückt die späteren Rentenauszahlungen. Die Rentengarantiezeit kann meistens fünf bis zehn Jahre umfassen. Verstirbt der Riester-Sparer während der Auszahlphase, wird die Rente bis zum Ende dieser Zeit den Begünstigten ausgezahlt. Bei einem Tod nach der Garantiezeit gehen die Erben komplett leer aus. Verstirbt der Sparer während der Einzahlphase, können die schon gezahlten Beiträge übertragen werden. Ehegatten bekommen alles, andere Erben nur die Eigenleistungen ohne die staatlichen Förderungen. Für den Ehegatten entfällt die Verpflichtung zur Rückzahlung der Förderung allerdings nur dann, wenn die Erbschaft anschließend in den eigenen Riester-Vertrag fließt.

Riester-Bank- oder Fondssparen

Stirbt der Riestersparer vor seinem 85. Geburtstag, wird das verbleibende Vermögen vererbt. Die staatlichen Zulagen und Steuervergünstigungen allerdings gehen in jedem Fall verloren. Bei einem Tod nach dem 85. Geburtstag gibt es keinen Erbanspruch mehr.

Für manchen Geringverdiener lohnt sich Riester nicht

Für einige Geringverdiener macht es keinen Unterschied, ob sie über einen Riester-Vertrag fürs Alter sparen oder überhaupt nicht privat vorsorgen - sie bekommen später die gleiche Summe. Denn wer mit allen Einkünften nicht über ein bestimmtes Existenzminimum kommt, dem hilft der Staat mit der sogenannten Grundsicherung aus, eine Art Sozialhilfe im Alter. Allerdings gibt es keinen festen Hilfe-Satz, es wird lediglich auf alle anderen Einkünfte aufgestockt, bis eine bestimmte Gesamt-Höhe erreicht ist. Im Klartext: Geringverdiener, die keine Aussicht haben, später das Niveau der Grundsicherung zu erreichen, würden mit einer Riester-Anlage nicht für sich sparen, sondern für den Staatshaushalt. Denn die Grundsicherung wird sozusagen um alle Einkünfte, also auch Riester-Einkünfte, gekürzt. Ein vereinfachtes Beispiel: Angenommen, die Grundsicherung liegt bei 800 Euro. Wer 500 Euro gesetzliche Rente und 200 Euro aus einem Riester-Vertrag erhält, dem schießt der Staat dann 100 Euro dazu. Wer nur die gesetzliche Rente und keine weiteren Einkünfte hat, der bekommt 300 Euro, um das Niveau der Grundsicherung zu erreichen. Wer aber so viel in einen Riester-Vertrag eingezahlt hat, dass als Zusatzrente 500 Euro herausspringen, erhält zwar gar keinen staatlichen Zuschuss im Alter - hat aber auch unter dem Strich 200 Euro mehr. Für Geringverdiener gilt es also zu kalkulieren, ob beziehungsweise mit welchem Riester-Sparbetrag sie über die Grundsicherung kommen. Die Frage stellt sich natürlich nicht, wenn sie in jedem Fall selbst für ihre Altervorsorge verantwortlich sein und dem Gemeinwesen nicht zur Last fallen wollen.

Eine Auszahlung auf einen Schlag ist nicht möglich

Zu Rentenbeginn können - je nach Vertrag - maximal 30 Prozent des gesparten Gesamtkapitals ausgezahlt werden. Der Rest folgt in monatlichen Raten. Abgesehen von einer meist mit Verlusten verbundenen Kündigung des Vertrags gibt es keine Chance, vorher an das Geld zu kommen. Das ist ärgerlich, wenn man im Alter andere Pläne verfolgt. Im schlimmsten Fall könnte es ja zum Beispiel passieren, dass man wegen einer Erkrankung nur noch eine geringe Lebenserwartung hat - und dann natürlich nicht auf eine tropfenweise Auszahlung warten kann und will.

Eine Kündigung oder ein Wechsel kann teuer werden

Wer bis Ende 2011 einen Vertrag abgeschlossen hat, bekommt sein Geld frühestens ab dem vollendeten 60. Lebensjahr ausgezahlt. Für seit 2012 abgeschlossene Neuverträge gilt: Eine Auszahlung ist erst ab dem 62. Lebensjahr möglich. Eine Beleihung ist in den meisten Fällen nicht möglich. So ist das eingesetzte Kapital im Grunde bis zur Rente nicht verfügbar, außer man nimmt ein Verlustgeschäft in Kauf. Wenn man vorher über das angesparte Kapital verfügen möchte, wird es teuer: Bei Kündigung eines Riester-Vertrags verlangt der Staat die Zulagen und die Steuervergünstigungen zurück. Außerdem fallen Extra-Gebühren für den Anbieter an, die zuvor geleisteten Abschlussgebühren und laufenden Kosten werden natürlich nicht erstattet. Kurz: Die Auflösung bedeutet einen großen Verlust für den Riester-Sparer. Unproblematischer ist es, wenn man nur die laufenden Einzahlungen einstellen will, das bereits eingezahlte Kapital aber nicht braucht. Dann kann man den Vertrag ruhen lassen. Die staatlichen Zulagen fließen in dieser Zeit natürlich nicht, aber man kann den Vertrag jederzeit wieder aktivieren, also weiter besparen. Wenn man allerdings mit seinem bisherigen Riester-Partner nicht mehr zufrieden ist und zu einem anderen Anbieter wechseln will, muss man auch mit Extra-Kosten rechnen. Besonders bei Riester-Versicherungen kann das Verlustgeschäft groß sein, wenn man beim alten Anbieter bereits Abschluss- und andere Gebühren gezahlt hat. Für ab 2014 geschlossene Neuverträge hat der Gesetzgeber die Wechselkosten allerdings begrenzt: Der alte Anbieter darf nur noch maximal 150 Euro für den Wechsel in Rechnung stellen, der neue Anbieter nur 50 Prozent des übertragenen Kapitals für die Berechnung der Vertriebs- und Abschlusskosten heranziehen. Eine günstigere Möglichkeit wäre, den alten Vertrag ruhen zu lassen und einfach einen neuen abzuschließen. Staatlich gefördert werden bis zu zwei Riester-Verträge pro Berechtigtem.

Im außereuropäischen Ausland geht die Förderung verloren

Wenn man im Alter seinen Wohnsitz in ein Land außerhalb der EU verlegt, verlangt der Staat die komplette Riester-Förderung - inklusive aller Steuervergünstigungen - zurück. Der Staat nimmt vor der Auszahlung Abschläge bei der Rente vor, bis die gesamte Förderung wieder zurückgeflossen ist. Unabhängig davon kann das jeweilige Gastland zusätzlich Steuern auf das verbliebene Renteneinkommen erheben. Wer also jetzt schon weiß, dass er seinen Lebensabend eventuell außerhalb der EU verbringen will, für den lohnt sich ein Riester-Vertrag gewöhnlich nicht. Kein Problem ist es, wenn man sich nur eine Ferienwohnung im außereuropäischen Ausland leistet, der Hauptwohnsitz aber in Deutschland bleibt - dann bleibt die Förderung erhalten. Auch eine vorübergehende Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland während der Einzahlphase ist unproblematisch: Zwar kann man die Steuervergünstigungen in dieser Zeit nicht geltend machen, aber die staatlichen Zulagen bekommt man trotzdem.

Dauerantrag verhindert oft optimale Förderung

In der Vergangenheit mussten Riester-Sparer die staatlichen Zulagen stets jährlich neu beantragen. Mittlerweile gibt es stattdessen einen Dauerantrag, der zwar den bürokratischen Aufwand verringert. Doch eine negative Folge ist, dass nun viele Riester-Verträge nicht mehr angepasst werden, beispielsweise wenn das Einkommen sinkt oder eine Familie Nachwuchs bekommt. Nachteil: Ungewollt leisten viele Sparer einen für die maximale Förderung plötzlich unnötig hohen Eigenbeitrag. Oder - im umgekehrten Fall - sie erhalten wegen eines zu geringen Eigenbeitrags nicht mehr die maximale Zulage.

Beim Fondssparen hat man keinen Einfluss auf Anlagepolitik

Bei der Riester-Variante Fondssparen sollte man sich vorher genau überlegen, auf welche Strategie man setzen will. Die Fonds unterscheiden sich darin, wie viele Anteile sie in Aktien und wie viele sie in festverzinsliche Rentenpapiere stecken. Generell gilt: Mehr Aktien bedeuten eine höhere Renditechance - aber auch ein höheres Risiko. Die Aktienquote wird gewöhnlich mit fortschreitendem Alter reduziert. Je früher und je stärker umgeschichtet wird, desto konservativer ist die Strategie: Die Sicherheit wird erhöht, aber die Aussicht auf eine hohe Gesamtrendite sinkt. Grundsätzlich sollten Fondssparer eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen (auf Sicherheit bedachte Anleger sind bei anderen Riester-Varianten wie dem Banksparen besser aufgehoben). Dass die Risiken real bestehen, hat die Finanzkrise gezeigt. Aufgrund von Sicherheitskonzepten musste beispielsweise Union Investment bei hunderttausenden Riester-Kunden die Aktienfonds-Anteile in Rentenfonds umtauschen - was ursprünglich nicht geplant war. Dadurch wurden Verluste an der Börse realisiert. Die Chancen auf eine ordentliche Gesamtrendite sind erheblich gesunken. Union Investment hatte auf hohe Aktienquoten gesetzt. Was zunächst besonders renditeträchtig schien, hat sich nun als wenig krisenrobust erwiesen. Fonds-Interessierte sollten sich also vorher genau über die Anlagestrategie informieren und sich der Risiken bewusst sein. Denn nachher kann man keinen Einfluss mehr auf die Fondspolitik nehmen.

frk/Sönke Wiese

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