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Bibliothekar lebte 50 Jahre spartanisch - und hinterlässt Uni Millionen-Vermögen

Er ging niemals aus, fuhr ein altes Auto und gönnte sich keinen Luxus - dabei war er längst Millionär: Über fast 50 Jahre arbeitete Robert Morin an seiner Alma Mater als Bibliothekar. Sein letzter Wille ist an Großherzigkeit kaum zu überbieten.

University of New Hampshire

Die University of New Hampshire kann sich über ein großzügiges Erbe eines langjährigen Mitarbeiters freuen

Die Universität New Hampshire kann sich über eine überaus großzügige Spende freuen - von ihrem wohl treusten Mitarbeiter. Robert Morin hatte fast 50 Jahre an der Universität als Bibliothekar gearbeitet, an der einst selbst studierte, bis er 2014 in den Ruhestand ging. Vor ungefähr einem Jahr ist er im Alter von 77 Jahren gestorben und überraschte seine Alma Mater mit einer Geste, die ihn wohl in die Geschichte der Universität eingehen lässt: Wie das Institut in einer Mitteilung bekanntgab, habe Robert Morin sein gesamtes Vermögen von vier Millionen US-Dollar seiner Alma Mater vermacht. Morin war über Jahrzehnte die gute Seele der Dimond-Bibliothek, kaum jemand habe von Morins Wohlstand gewusst, wie es in der Mitteilung heißt.

Stattdessen sei Morin bekannt dafür gewesen, ein einfaches Leben zu führen: In seinem Nachruf heißt es, er sei der Mann gewesen, der die Kurzbeschreibungen auf DVDs geschrieben habe, ISBN-Nummern von CDs verwaltete und Notenbücher katalogisierte, wie die Zeitung "New Hampshire Union Leader" berichtet. Doch wie kann ein Bibliothekar so viel Geld anhäufen?

"Er ist niemals ausgegangen"

Sein Vermögensverwalter verdeutlichte gegenüber der Zeitung, wie bescheiden Morin wirklich lebte. Er habe einen alten Wagen gefahren und abends Tiefkühlmahlzeiten gegessen. "Er ist niemals ausgegangen", so der Vermögensverwalter. Verwandte, denen er das Geld hätte hinterlassen können, habe es nicht geben. Stattdessen sei Morin der Überzeugung gewesen, die würde das Geld weise und zum Wohle der Studenten einsetzen.

Und es sieht ganz danach aus, als ob Morins letzter Wunsch in Erfüllung geht. Der Präsident der Universität, Mark Huddleston, sagte in einer Pressemitteilung: "Bobs (Robert Morin) Engagement für die UNH durch seine Wohltätigkeit ist ungemein inspirierend. (…) Als Alumni würde es Bob sicher gefallen, dass der Großteil seines Vermögens in Höhe von 2,5 Millionen US-Dollar in den Ausbau eines Jobcenters für Studenten und Alumni investiert wird. Wir fühlen uns verpflichtet, dass jeder Student die nötigen Ressourcen erhält, um beruflich Erfolg zu haben, und Bobs Geschenk wird einen wichtigen Teil dazu beitragen."

100.000 Dollar für seine alte Bibliothek

Eine weitere Million aus Morins Nachlass solle zudem in eine Videowand für das neue Football-Stadium investiert werden. In den letzten 15 Monaten seines Lebens, die Morin in einer Einrichtung für betreutes Wohnen verbrachte, sei er zum Football-Fan geworden. Morin hatte auch andere, ausgefallenere Hobbies: Er liebte Filme, die zwischen 1979 und 1997 gedreht wurden - über 22.000 Videos soll er sich aus diesem Zeitraum angesehen haben, heißt es in der Mitteilung der Universität.

Wie sein Beruf bereits vermuten lässt, mochte Morin auch Bücher, besonders solche, die zwischen 1930 und 1940 in den USA veröffentlicht wurden. Er habe jedes dieser Bücher in chronologischer Reihenfolge gelesenen, mit Ausnahme von Kinderbüchern, Lehrbüchern, Kochbüchern und Büchern über Technologie. Zum Zeitpunkt seines Todes habe er gerade Bücher von 1938 gelesen - dem Jahr, in dem er geboren wurde.

Morins Testament beinhaltete nur eine Bedingung: 100.000 sollten in die Bibliothek investiert werden, in der er so lange gearbeitet hatte. Das Geld soll hier unter anderem für Renovierungen und Stipendien für Studenten genutzt werden. Deborah Dutton, Präsidentin der UNH-Foundation, sagte in einem Statement: "Dies ist ein außergewöhnliches Geschenk, das uns zu einem kritischen Zeitpunkt erreicht und uns erlaubt, mehrere Initiativen nur dank seiner Großzügigkeit umzusetzen."

amt