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So verhindern Sie Erbstreitigkeiten

Sobald es ums Erben geht, ist in vielen Familien schnell Schluss mit lustig. Dabei lassen sich viele Konflikte verhindern - durch ein offenes Gespräch.

  Eine Mediationssituation: Ein Vermittler kann Familien gerade bei heiklen Situationen helfen - wie bei Diskussionen über das Vererben

Eine Mediationssituation: Ein Vermittler kann Familien gerade bei heiklen Situationen helfen - wie bei Diskussionen über das Vererben

Frau Johannsen, warum ist das Vererben eine so emotionale Angelegenheit?
Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie werden Sie als Kind von Vater oder Mutter im Erbfall bedacht? Dabei geht es nicht nur um Geld oder andere materielle Zuwendungen. Häufig besteht das Drama in Erbsituationen darin, dass man als Erbe oder Enterbter keine Chance mehr hat, verstehen zu können, warum dieses oder jenes verfügt worden ist. Den Verstorbenen können Sie ja nicht mehr fragen.

Testamente berühren also nicht nur die Geldfrage, sondern auch die Beziehungsebene?


Ja. Und als Erbe wollen Sie bestätigt bekommen, wie viel Sie den Eltern wert waren und bleiben, ob diese auch über ihren Tod hinaus noch für Sie sorgen wollten.

Das ist besonders problematisch, wenn etwa die eine Schwester mehr bekommt als die andere.
Eine Ungleichbehandlung belastet die Beziehung der Geschwister untereinander. Wenn Kinder vom verstorbenen Elternteil ungleich bedacht werden und das nicht erklären, verlängern sich die Probleme in der Eltern - Kind- Beziehung sogar noch über den Tod hinaus und können nicht aufgelöst werden. Dabei löst ein Elternteil den Konflikt aus, es sind nicht die Geschwister selbst. Nach dem Tod des Elternteils müssen die Hinterbliebenen so einen Konflikt bewältigen, der plötzlich auf ihre Generation übertragen worden ist. Das kann auch den überlebenden Elternteil unnötig in Konflikte mit den Kindern treiben, da er für die Entscheidung des Verstorbenen verantwortlich gemacht wird.

Wie sollte man sich als Geschwisterteil verhalten?
Wenn man vorher nicht gewusst hat, dass man ungleich behandelt wurde, dann rutscht auch der bevorzugt Behandelte plötzlich in eine ungute Verteidigungsposition. Dabei hat der Betroffene diese Entscheidung ja gar nicht getroffen.

Kann so etwas eine Familie zerreißen?

Wenn so ein Konflikt zwischen Eltern und Kindern oder unter den Geschwistern nicht aufgelöst wird, wirkt das sogar in der Enkelgeneration weiter.

Es ist also besser, seine Erben noch zu Lebzeiten über sein Testament zu informieren?


Als Erblasser sollte man unbedingt das Gespräch suchen . Und zwar mit beiden Elternteilen und allen Kindern. Nur so haben Sie eine Chance, mögliche Konflikte zu lösen oder zu vermeiden..:

Das ist dann eine Art Familienkonferenz?

Eltern sollten die Gelegenheit nutzen, ihre Pläne verständlich zu machen. Sie verhindern damit, dass Empfindungen wie Wut, Enttäuschung, Neid oder Gier bei den Kindern ausgelöst werden. Den Kindern wird die Chance gegeben, sich mit den Eltern auch hierüber ehrlich und offen auszutauschen und ihre eigenen Wünsche und Hoffnungen einbringen zu können.

Und bei diesem Gespräch sollten alle an einem Tisch sitzen?


Ein runder Tisch mit allen Familienmitgliedern bietet die größten Erfolgsaussichten. Einzelgespräche könnten Konkurrenz und Misstrauen schüren.

Wird so der Erbstreit nicht nur vorverlegt?


Was im Testament geschrieben steht, ist unabänderbar. Selbst wenn mittels eines Gerichtsprozesses Änderungen erreicht würden, sind die hinterbliebenen Familienmitglieder spätestens dann heillos zerstritten. Das Thema Erben bietet die Chance, einen lang anhaltenden, ungelösten Familienkonflikt anzugehen und aufzulösen. Da es um eines der sensibelsten Familienthemen geht, kann eine professionelle Moderation der Gespräche vor ungewollten gegenseitigen Verletzungen schützen. Eine Mediation garantiert auch eher, dass trotz unterschiedlicher Vorstellungen eine Lösung erzielt wird, mit der alle Familienmitglieder gut weiterleben können.

Gibt es einen guten Zeitpunkt für ein solches Gespräch?


Je eher solche Familienkonferenzen stattfinden, desto weniger sind Alterserscheinungen und Gesundheitsbeeinträchtigungen zu befürchten. Sowohl Eltern als auch ihre Erben können sich so rechtzeitig auf die erzielten Ergebnisse einstellen.

Wie können sich Eltern auf das Gespräch vorbereiten?


Eltern sollten sich in ihren Vorstellungen über das Erbe untereinander abstimmen, bevor sie an die Kinder herantreten. Ziel sollte es sein, dass zunächst der überlebende Ehegatte bedacht wird.

Und die Kinder?
Kinder sollten mit Erbfragen nicht fordernd an die Eltern herantreten, sondern deren Initiative und Bereitschaft abwarten, sich mit dem eigenen Tod auseinandersetzen zu wollen. Voraussetzung ist der Respekt der Erben davor, dass ihre Eltern sich einen in jeder Hinsicht sorglosen Lebensabend verdient haben. Es soll nur das verteilt werden, was dann noch übrig ist. Gerade wenn Kinder sich weigern, ihr Leben eigenverantwortlich zu führen und von den Eltern selbst im fortgeschrittenen Erwachsenalter noch finanzielle Unterstützungen fordern, sind die erbrechtlichen Folgen solcher Zuwendungen rechtzeitig zu bedenken. Auch Änderungen in der Erbrechts- und Steuergesetzgebung erfordern vorausschauendes Handeln.

Wer soll das Testament verwalten?


In jedem Fall sollte es vor einem Notar beurkundet werden und jeder Beteiligte eine Ausfertigung bekommen, nicht nur das Nachlassgericht.

Interview: Johan Kornder

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