Geldanlagen im Vergleich

19. Juli 2010, 10:17 Uhr

Die Finanzkrise hat die Verbraucher verunsichert. Damit Sie als Anleger das Beratungsgespräch entspannter angehen können, haben wir die wichtigsten Geldanlageformen für Sie zusammengestellt. Von Florian Junker

Ob Aktien, Anleihen, Investmentfonds, Immobilien, Rohstoffe oder Tages- und Festgeld: Jede Form der Geldanlage hat ihre Vor- und Nachteile. Deshalb gilt es, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern die verschiedenen Formen geschickt zu mischen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die einzelnen Anlagevarianten und erklären, was Sie dabei beachten sollten.

Aktien

Definition: Aktien sind Anteile an einem Unternehmen, das sich damit bei den Käufern (Aktionäre) Eigenkapital verschafft.

Vorteile: Aktionäre können doppelt profitieren. Macht das Unternehmen Gewinne, schüttet es diese in Form einer Dividende aus. Zudem sind Kurssteigerungen möglich, wenn die Nachfrage nach den Aktien an der Börse steigt.

Nachteile: Bei schlechten Unternehmensnachrichten oder in allgemeinen Krisenzeiten können die Kurse stark fallen. Im Falle der Unternehmenspleite droht Totalverlust.

Investmenttipps: Nur Aktien von Unternehmen kaufen, deren Geschäftsmodell man versteht und davon langfristig überzeugt ist. Nicht alles auf eine Karte setzen, sondern Aktien aus verschiedenen Branchen und Wirtschaftsregionen mischen. Am besten mit sehr langer Perspektive (mindestens 10 Jahre) anlegen.

Anleihen

Definition: Anleihen sind Wertpapiere, mit denen sich ein Schuldner (Unternehmen, Staat oder Kommune) Kapital leiht und dem Käufer dafür Zinsen zahlt.

Vorteile: Meist regelmäßige Zinszahlung über einen zuvor festgelegten Zeitraum, am Schluss erhält der Käufer sein eingezahltes Kapital zurück.

Nachteile: Geht der Schuldner Pleite, droht der Totalverlust.

Investmenttipps: Strenge Auswahl ist nötig, denn Anleihen sind immer nur so gut wie die Kreditwürdigkeit (Bonität) des Schuldners. Der höchste Zinssatz bringt nichts, wenn plötzlich das Unternehmen oder auch der Staat (z.B. Argentinien, Island) zahlungsunfähig ist. Ganz auf Sicherheit bedachte Anleger kaufen am besten Anleihen der Bundesrepublik Deutschland, zum Beispiel Bundeswertpapiere.

Investmentfonds

Definition: Eine Kapitalanlagegesellschaft sammelt Geld vieler Anleger in einem Topf (Investmentfonds) und erwirbt dafür Aktien, Anleihen und/oder Immobilien. Ein professionelles Fondsmanagement verwaltet das Kapital entsprechend der Chancen und Risiken.

Vorteile: Mit Fonds können Anleger mit vergleichbar geringen Summen komfortabel in verschiedene Anlageformen investieren und das Risiko streuen. Ein Totalverlust ist praktisch ausgeschlossen.

Nachteile: Teils hohe Gebühren, nur wenige Fondsmanager schaffen es über einen längeren Zeitraum, den maßgeblichen Vergleichsindex zu schlagen.

Investmenttipps: Der Kauf kostet Geld (Ausgabeaufschlag), und fürs Fondsmanagement werden zudem jährliche Gebühren fällig – beides geht zu Lasten der Rendite. Künstengünstigere Alternative sind zum Beispiel ETFs (Exchange Traded Funds), die Börsenindizes wie etwa den Deutschen Aktienindex Dax nachbilden.

Gold

Definition: Edelmetall Vorteile: Gold gilt als sicherer Hafen, vor allem für diejenigen, die eine Geldentwertung (Inflation) oder den Zusammenbruch des Finanzsystems befürchten – das gelbe Metall ist "unkaputtbar". Wer Barren oder Münzen kauft, muss keine Mehrwertsteuer zahlen.

Nachteile: Keine Verzinsung, für die sichere Lagerung (Tresor, Bankschließfach) fallen Kosten an.

Investmenttipps: Bei Barren ist der Aufschlag auf den aktuellen Goldpreis geringer als bei Münzen (Krügerrand, American Eagle, Maple Leaf). Dafür sind die Münzen kleiner und handlicher. Zudem sind sie als Zahlungsmittel akzeptiert. Goldschmuck lohnt sich nicht als Anlage, da im Ernstfall nur der Materialwert zählt. Eine Alternative sind börsengehandelte Indexfonds (ETF), die mit physischem Gold hinterlegt sind. Ihre Wertentwicklung orientiert sich am Goldpreis, und sie ermöglichen ein Investment auch mit kleineren Beträgen.

Festgeld, Tagesgeld etc.

Definition: Festgeld und Tagesgeld gehören zu den festverzinslichen Anlagen. Bei Festgeld ist der Zinssatz über den festgelegten Zeitraum garantiert, bei Tagesgeld kann er von der Bank täglich verändert werden.

Vorteile: Sehr sicheres Investment, da das Kapital in der Regel staatlich garantiert ist.

Nachteile: Geringe Verzinsung, bei langen Laufzeiten (Festgeld) kann eine Geldentwertung die Rendite auffressen und theoretisch sogar das Kapital anknabbern.

Investmenttipps: Vertrauen Sie Ihr Geld nur einer Bank an, für die ein zahlungskräftiger Staat im Notfall gerade steht – am besten wählen Sie ein Institut mit deutscher Konzernaufsicht und Einlagensicherung. Festgeld bringt in der Regel mehr Zinsen als Tagesgeld, ist aber weniger flexibel: Wer sein Kapital vor Ablauf des festgelegten Zeitraumes braucht, muss Strafzinsen zahlen.

Renten- und Lebensversicherungen

Definition: Die Rentenversicherung bietet ein lebenslanges Zusatzeinkommen fürs Alter und endet im Todesfall. Die Lebensversicherung dient auch der Altersvorsorge, sichert aber zudem die Hinterbliebenen ab: Stirbt der Versicherungsnehmer, wird die Versicherungssumme an Partner oder Kinder ausgezahlt.

Vorteile: Beide Versicherungen gelten als sehr sichere Vorsorge für den Ruhestand. Bei der Lebensversicherung erhält der Kunde jährlich eine Aufstellung der garantierten Leistung, hinzu kommen mögliche Schlussgewinne und Überschussbeteiligungen, die aber nicht bindend sind.

Nachteile: Eine Rentenversicherung lohnt sich nur, wenn der Kunde lange lebt. Lebensversicherungen erfordern Disziplin. Wer seinen Vertrag frühzeitig auflöst, macht ein Minusgeschäft. Zudem sind die Renditen in den vergangenen Jahren gesunken, bei Produkten, die zum Beispiel in Fonds investieren (fondsgebundene Versicherung) sind auch Verluste möglich.

Investmenttipps: Nicht alleine auf Versicherungen zur Altersvorsorge setzen, sondern auch staatlich geförderte Vorsorgeprodukte wie Riester- oder Rürup-Rente nutzen, um die Rendite zu steigern.

Zertifikate

Definition: Mit Zertifikaten nimmt der Käufer an der Wertentwicklung von einem zugrunde liegenden Wertpapier oder Index teil. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen.

Vorteile: Leichter Zugang zu vielen Investmentthemen wie Indizes, Branchen, Rohstoffe, einzelne Aktien oder Aktienkörbe ganzer Länder und Regionen. Zudem lässt sich auf steigende und fallende Kurse setzen.

Nachteile: Geht der Emittent pleite (wie etwa die US-Bank Lehman Brothers), ist das Geld verloren.

Investmenttipps: Mit Zertifikaten kann der Anleger in praktisch alles und auf fast jede erdenkliche Weise investieren. Nutzen sollten dieses Produkt allerdings eher Profis. Denn wer die teilweise komplexen Zertifikate nicht genau versteht, kann leicht hohe Verluste bis hin zum Totalausfall machen.

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