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Mit Münzen und Barren durch die Krise

Die Schuldenkrise der USA und einiger Euro-Länder treibt die Anleger ins Gold: Sollten auch Sie jetzt zum glänzenden Edelmetall greifen? Was sind die Vorteile, was die Risiken?

  Eine antike römische Goldmünze: Das Edelmetall ist seit tausenden Jahren eine beliebte Währung

Eine antike römische Goldmünze: Das Edelmetall ist seit tausenden Jahren eine beliebte Währung

"Gold ist das Fieberthermometer der Finanzmärkte", hat Alan Greenspan einmal gesagt. Folgt man dieser Weisheit des Ex-Chefs der US-Notenbank, ist es um die Gesundheit der Märkte im Euroland derzeit schlecht bestellt: Nach dem Ausbruch der Krise im Herbst 2008 schoss der Goldpreis innerhalb von drei Jahren von 800 US-Dollar auf zeitweise 1900 Dollar. Ende 2012 schwankte er um 1700 Dollar.

Nicht alles in Gold anlegen

Es ist die Schuldenkrise der Vereinigten Staaten und der Euro-Mitgliedsländer wie Griechenland, Spanien und Portugal, die Angst um die schwächelnde Währung sowie die Furcht vor Inflation, die große und kleine Anleger dazu treibt, Gold zu kaufen. In Krisenzeiten, in denen das Geld droht, an Wert zu verlieren, flüchten sich Anleger in die vermeintlich sicherste aller Währungen. Zwar unterliegt auch das Edelmetall heftigen Kursschwankungen, zwar ist auch Gold Spekulationsgut, aber im Gegensatz zu den meisten Währungen, zu Aktien oder zu Zertifikaten, ist Gold schlicht ein knappes Gut, das definitiv einen Wert behalten wird, wie hoch auch immer.

Nur: Was bedeutet das für Kleinanleger? Sollte man nun darüber nachdenken, Gold zu kaufen? Und wenn ja, wieviel? Lohnt sich das überhaupt in einem Moment, in dem der Preis so hochschießt wie nie zuvor? Und wie kommt Ottonormalverbraucher überhaupt an das Edelmetall heran?

Grundsätzlich gilt: Bei größeren Vermögen ab 100.000 Euro raten Anlageexperten dazu, dass die Goldeinlagen im Portfolio rund zehn Prozent ausmachen sollen. Daran hat sich auch in der Eurokrise nichts geändert. Wenn Sie diesen Anteil noch nicht erreicht haben, sollten Sie sich auch jetzt nicht von den hohen Preisen abschrecken lassen. Aber ganz wichtig: Sie sollten nicht Ihr gesamtes Erspartes in Gold anlegen.

Als Anleger müssen Sie zudem abwägen, wie viel Sicherheit Sie brauchen. "Gold ist durchaus spekulativ. Der Goldpreis kann jederzeit wieder fallen. Deswegen sollten sicherheitsbewusste Anleger lieber vorsichtig in Gold investieren", warnt Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg. Der Kauf von Gold bedeutet auch, dass Sie auf andere Einnahmen verzichten, etwa auf potenzielle Gewinne bei Aktiengeschäften. Gold ist kein Wert, der durch die Erfolgsmeldungen von Unternehmen rasant in die Höhe steigt. Falls Sie also auf hohe Dividenden und den schnellen Gewinn aus sind, wären Sie mit Gold eher schlecht beraten. Auf der anderen Seite gilt das Edelmetall für viele Anleger als Versicherung.

Immenser Aufschlag beim Kauf von Münzen

Wer in Gold investieren will, muss als nächstes über die Form entscheiden: Setzen Sie auf Münzen, auf Barren, investieren Sie in einen Goldfonds oder wollen Sie gar Anteile einer Goldmine erstehen?

Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Stückelung des Goldes, desto größer ist der Unterschied zwischen Ankauf- und Verkaufspreis. Beim Kauf von Goldmünzen etwa müssen Sie einen gehörigen Aufschlag zahlen. Der Goldpreis muss nach dem Kauf also weiter kräftig steigen, damit Sie als Anleger auch wirklich einen Wertzuwachs verbuchen können. Ein Beispiel: Der Aufschlag bei einer Münze, die rund ein Zehntel einer Feinunze an Gold wiegt - also gerade einmal rund drei Gramm - beträgt meist mehr als zehn Prozent. Der Goldpreis müsste also erst um mindestens zehn Prozent steigen, bevor Sie überhaupt einen Gewinn erzielen können. Umgekehrt gilt: Fällt der Goldpreis, vergrößert der hohe Aufschlag Ihren Verlust. Der hohe Aufschlag macht den Erwerb solcher Kleinmünzen also sehr unattraktiv.

Sollten Sie sich dennoch für Goldmünzen entscheiden, ist das Spektrum recht weit gefächert. Es gibt rund ein Dutzend Goldmünzen mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Für den Laien unterscheiden sich die Münzen nur durch eine unterschiedliche Prägung auf der Vorder- und Rückseite. Doch der Goldanteil variiert, wenn auch minimal - was einigen Münzen aber eine größere Nachfrage beschert als anderen. Ronald-Peter Stöferle, Analyst der österreichischen Erste-Group, rät: "Bei Münzen wie Krügerrand, Wiener Philharmoniker oder Maple Leaf können Sie als Anleger wenig falsch machen. Sie stammen von weltweit anerkannten Prägeanstalten. Falls Sie sie dann wieder eintauschen möchten, werden Sie keine Probleme haben."

Goldbarren sind attraktiver

Goldbarren sind aber die lohnendere Alternative. "Bei Barren können Sie im Gegensatz zu Münzen schneller Gewinne erzielen, da Sie nicht so viel an Wert durch die hohen Aufschläge verlieren", sagt Gold-Experte Stöferle. Der Aufschlag beträgt bei Barren ab 100 Gramm zwei bis drei Prozent.

Planen Sie also eine größere Investition, könnte ein 100-Gramm-Barren durchaus interessant sein. Barren können Sie über Ihre Hausbank kaufen. Sie müssen aber nicht unbedingt in der Schlange vor dem Bankschalter warten, um an Gold zu kommen. Über das Internet können Sie es bequem erwerben und gleich einlagern lassen. Über die Homepage von Pro Aurum etwa können Sie Goldmünzen und -barren von ein Gramm bis 1000 Gramm kaufen und verkaufen. Allerdings kann es im Web mittlerweile zu Lieferengpässen kommen.

Extrakosten für die Einlagerung

Bedenken sollten Sie auch, dass mit der Lagerung von Gold zusätzliche Kosten verbunden sind. Denn irgendwo muss Ihr Schatz ja hin, wenn er nicht unter der Diele oder unterm Kopfkissen versteckt werden soll.

Bei Pro Aurum beispielsweise können Edelmetalle ab einem Nettowarenwert von 5.000 Euro eingelagert werden. Bei einer Anlage in Höhe von 10.000 Euro kostet das den Kunden pro Jahr 75 Euro - also 0,75 Prozent. Sie können sich aber auch bei der Bank Ihrer Wahl ein Schließfach mieten. Bei der Deutschen Bank etwa zahlen Sie dafür ab 59,50 Euro im Jahr. Optional kann für den Inhalt noch eine zusätzliche Tresorinhaltsversicherung abgeschlossen werden.

Eine Alternative zu Goldbarren können Goldfonds sein. Vor allem für Kleinanleger ist das unter Umständen attraktiv. Sie kaufen Anteile des Fonds, der wiederum dem eigentlichen Goldpreis folgt. Um das zu tun, kaufen diese Fonds echtes Gold ein und lagern es in Tresoren. Als Anleger sollten Sie aber immer genau die Geschäftsbedingungen studieren. Dort ist nämlich geregelt, ob Sie im Falle einer Pleite des Anbieters als Kunde theoretisch die Herausgabe der Ihnen versprochenen Menge an Gold fordern können. Andere Gläubiger hätten darauf keinen Zugriff. "Im Vergleich zu Barren oder Münzen ist der Erwerb von Fondsanteilen viel günstiger. Außerdem kann man bei diesen Fonds sicher sein, dass sie mit Gold hinterlegt sind", sagt Verbraucherschützerin Gabriele Schmitz.

Wer es ganz exotisch und riskant mag, der kann nicht nur auf Gold setzen, sondern auch auf den Erfolg der Goldförderer wetten, der Goldminenbetreiber - und entsprechende Aktien kaufen. "Bei einer Goldmine ist das Risiko sehr hoch", meint Stöferle. Tatsächlich ist zumeist unklar, wann die entsprechende Mine wieviel Gold findet, wie lange eine Mine wirklich produzieren kann und ob sich das Ganze letztlich rentiert. Die Angaben der Minenbetreiber lassen sich meist nur schwer überprüfen, denn nur wenige Analysten fahren etwa nach Afrika und machen sich ein eigenes Bild. Natürlich ist der stark gestiegene Goldpreis auch ein positiver Faktor für solche Firmen. Aber wer hier investiert, sollte sich des hohen Risikos bewusst sein.

Felix Disselhoff

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