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Mit ausgewogenem Mix das Risiko streuen

Investmentfonds öffnen auch Kleinanlegern das Tor zu attraktiven Anlagen - ohne dass sie volles Risiko gehen müssen. Die grundlegenden Spielregeln sollte man aber in jedem Fall kennen.

Von Joachim Reuter

  Keine Panik: Mit unseren Tipps investieren Sie in Zukunft auf den richtigen Fonds

Keine Panik: Mit unseren Tipps investieren Sie in Zukunft auf den richtigen Fonds

  • Joachim Reuter

Die Idee ist bestechend: Investmentfonds sammeln das Geld zahlreicher Anleger – bildlich gesprochen – in einem Topf (= Fonds) und kaufen dafür Aktien, Anleihen oder Immobilien. Fondssparer haben gleich zwei Vorteile: Sie können sich mit kleinen Summen an der weiten Finanzwelt beteiligen. Und: Sie setzen nicht alles auf eine Karte.

So kaufen Aktienfonds Dividendenpapiere von Unternehmen, sei es allein aus Deutschland oder Europa, aber auch weltweit. Rentenfonds wiederum erwerben Anleihen (= Rentenpapiere) von Staaten oder Unternehmen, die den Investoren für das geliehene Geld Zinsen zahlen. Immobilienfonds investieren das Geld der Anleger in Gewerbeimmobilien (= Bürohäuser oder Shoppingcenter) und kassieren dafür Mieteinnahmen sowie mögliche Wertzuwächse beim späteren Verkauf der Immobilien.

50 Euro beträgt in der Regel die Mindestanlagesumme für einen Investmentfonds. Für diesen Betrag gibt es – wenn überhaupt – nur wenige einzelne Aktien und Anleihen, garantiert aber keine Immobilie. Da die Fonds aber das Geld tausender Anleger sammeln und investieren, können die Verwalter der Fonds (= Fondsmanager) davon eine große Zahl von Aktien verschiedener Unternehmen oder Anleihen verschiedener Staaten und Firmen kaufen. Die Immobilienfondsmanager erwerben viele Objekte aus unterschiedlichen Branchen, teilweise auch in verschiedenen Ländern.

Totalverlust ist unwahrscheinlich

Weil sich der Fondssparer also an einer Fülle von Aktiengesellschaften, Anleihen oder Gebäuden beteiligt, ist das Risiko eines Totalverlustes seines Kapitals äußerst gering. Der Verlust eines Wertpapiers kann durch Gewinne der anderen gebremst, im Idealfall ausgeglichen werden. Und sollten bei einer Büroimmobilie die Mieter ausfallen, gerät nicht gleich der komplette Immobilienfonds in Schieflage. Die große Streuung reduziert für den Anleger signifikant das Risiko.

Risikostreuung war denn auch immer ein Kernargument, mit dem die Investmentgesellschaften für ihr Produkt geworben haben. Das Argument ist im Prinzip immer noch richtig, doch die Fondsindustrie hat den vernünftigen Grundgedanken durch ihre Produktoffensive ausgehebelt. Statt sich auf eine überschaubare Palette von breit gestreuten Aktien- oder Rentenfonds zu beschränken, brachte sie in den vergangenen Jahren eine schier überbordende Fülle ständig neuer Fonds auf den Markt: Branchen-, Themen- und Regionenfonds, Rentenfonds für Lang- und Kurzläufer oder für Schwellenländer und Unternehmensanleihen.

Gebühren kassieren mit stetig neuen Produkten

Statt Generalisierung stand Spezialisierung im Vordergrund. Grund: Fonds werden nicht gekauft, sondern verkauft. Mit ständig neuen Produkten versuchen die Berater in den Banken und Sparkassen die Kunden in immer neue, vermeintlich renditestärkere Anlagen zu locken. Und mit jedem Kauf kassieren die Berater und die Fondsgesellschaften neue Gebühren.

Für den Kunden ist diese Entwicklung in dreifacher Hinsicht ein Ärgernis. Zum einen haben sich viele der so gepriesenen Spezialitätenfonds als Vermögensvernichter entpuppt. Zum anderen haben die Fondssparer im Dschungel der Produkte den Überblick verloren. Und schließlich: Anstatt mit wenigen, breit investierenden Fonds für den Anleger das Risiko zu streuen, wie der ursprüngliche Gedanke des Fondsinvestments nahe legt, haben die Banken und Sparkassen durch die Fülle des Angebots die Anleger in fokussierte Fonds gelockt, die das Risiko nicht senken, sondern erhöhen.

Offene Immobilienfonds teilweise geschlossen

Auch die soliden, von wenigen Kursschwankungen geprägten offenen Immobilienfonds (OIF), haben ihre Berechenbarkeit verloren. Ihnen macht vor allen Dingen ein Versprechen zu schaffen, das alle Investmentfonds ihren Anlegern bislang gaben: Sie sollten täglich ihre Fondsanteile verkaufen und zu Bargeld machen dürfen. Weil aber im Zuge der Finanzkrise vor allem Vermögensverwalter hohe Summen aus dem Immobilienfonds abzogen, um Verluste in anderen Anlagen auszugleichen, wurden einige offene Immobilienfonds plötzlich geschlossen. Grund: Sie konnten nicht auf die Schnelle Gebäude verkaufen, um die Kunden auszuzahlen.

Einige der Fonds werden nun sogar komplett geschlossen. Nach Angaben des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) war im August 2012 rund ein Viertel des gesamten OIF-Vermögens, in Fonds angelegt, die in Auflösung begriffen waren. Es geht um eine Summe von 20 Milliarden Euro.

Aber selbst wenn ein Fonds aufgelöst wird, bedeutet das für den Anleger nicht, dass sein Vermögen völlig dahin ist. Denn sein Geld ist als Sondervermögen insolvenzgeschützt. Der Gesetzgeber gibt den Fonds bei der Auflösung genügend Zeit, das Immobilienvermögen zu Marktpreisen zu verkaufen und das Geld anschließend wieder an die Anleger auszuzahlen. Das Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg rechnet allerdings damit, dass sich Anleger auf Wertverluste bis zu 40 Prozent einstellen müssen.

Die Krise hat also am soliden Image der OIFs gerüttelt, das bis dahin unbegrenzte Vertrauen ist vorerst futsch. Zum Schutz der Anleger hat der Gesetzgeber aber ab spätestens Januar 2013 neue Regelungen vorgesehen. Dann dürfen Investoren ihre Anlage nicht mehr wie bisher täglich kündigen, sondern es gilt künftig eine einjährige Kündigungsfrist. Neuanleger werden zudem verpflichtet, ihr Investment mindestens zwei Jahre lang zu halten. Unabhängig von diesen Fristen dürfen Investoren pro Halbjahr aber Kapital in Höhe von maximal 30.000 Euro abziehen.

>>>Grafik: Die neuen Entnahmeregeln für Offene Immobilienfonds

Regeln für Anleger

Was also folgt daraus für Fondssparer? Sie sollen sich nicht verzetteln und alles kaufen, was ihnen der Bankberater empfiehlt. Wenn sie bereit sind, das Risiko der Börse zu tragen, dann einen wirklich breit gestreuten Aktienfonds kaufen, anstatt irgendwelche Spezialitäten. Ob es Aktien aus Deutschland beziehungsweise Euroland sind, wo es kein Währungsrisiko gibt, oder weltweit anlegende Aktienfonds, hängt von der Risikobereitschaft jedes einzelnen ab. Auf jeden Fall sollte ein Aktienfondssparer Geduld mitbringen und sein Geld für mindestens zehn Jahre anlegen.

Rentenfonds sind mit Fragezeichen zu versehen. Anleger profitieren zwar von den Zinszahlungen der Anleihen. Doch die Fonds haben auch Kursrisiken, weil der Wert der Anleihen täglich an der Börse ermittelt wird. Wer dagegen direkt Anleihen kauft (Bundeswertpapiere oder riskantere Unternehmensanleihen) und diese bis zum Ende ihrer Laufzeit hält, geht keinerlei Kursrisiko ein.

Für Immobilienfondssparer gilt: Nicht unbedingt an die tägliche Verfügbarkeit seines Geldes glauben, sondern langfristig (mindestens fünf Jahre) investieren. Der Immobilienfonds ist kein Ersatz für das Tagesgeldkonto!

Fondsmanager oder Indexfonds?

Bislang sah das Grundkonzept eines Fonds so aus: Das Geld verwaltet ein Fondsmanager oder ein Team und sucht nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Dafür zahlt der Fondssparer eine jährliche Verwaltungsgebühr. Um den Erfolg ihres Fonds zu messen, orientieren sich die Manager an einem Vergleichsindex. Bei deutschen Aktien ist es beispielsweise der Dax, bei deutschen Rentenpapieren der Rex. Wie sich aber gezeigt hat, sind nur wenige der (teuren) Fondsmanager in der Lage, den Index Jahr für Jahr zu schlagen.

Eine Alternative sind börsengehandelte Indexfonds (so genannte ETF = Exchange Traded Funds). Sie verzichten auf ein aktives Management und bilden den jeweiligen Index eins zu eins nach: Der Anleger weiß immer, welche Wertpapiere in seinem Fonds stecken. Indexfonds sind wesentlich günstiger als gemanagte Fonds – und sie sind immer so gut oder schlecht wie der Index.

Welche Fondsart die passende ist, muss jeder Anleger für sich entscheiden. Versierte Manager können in der Lage sein, die Veränderungen und Trends an den Finanzmärkten dynamisch zu nutzen und den Anlegern so eine höhere Rendite zu bringen. Indexfonds dagegen folgen passiv dem Auf und Ab der Märkte. Sie sind für Anleger, die mit dem Durchschnitt zufrieden sind. Fragen müssen sie allerdings selbst danach: Weil Indexfonds den Bankberatern keine Provisionen bringen, werden sie am Schalter selten empfohlen.

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