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Was Sparer jetzt tun können

Die erneute Zinssenkung verunsichert Sparer: Wenn man sein Geld einfach aufs Konto legt, verliert es real an Wert. Welche Alternativen gibt es zum Sparbuch, wo bekommt man noch Rendite?

Von Frank Donovitz und Elke Schulze

  Wer heute Geld zurücklegen will, muss sich auskennen: Sparbücher bringen keine Zinsen, Lebensversicherungen sind unsicher - und an Aktien wagen sich nur 11 Prozent der Deutschen.

Wer heute Geld zurücklegen will, muss sich auskennen: Sparbücher bringen keine Zinsen, Lebensversicherungen sind unsicher - und an Aktien wagen sich nur 11 Prozent der Deutschen.

Ordentliche Erträge bei größtmöglicher Sicherheit: Keine Geldanlage ist bei den Deutschen beliebter als das Sparkonto. Das Zinstief erwischt deshalb nahezu jeden Bundesbürger. Ob Sparbuch, Tages- oder Festgeldkonto - erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik bedeutet diese Form des Sparens: Das Geld wird weniger, nicht mehr.

Sparkonten: Was ist da los?

Ende 2008, zu Beginn der Finanzkrise, lagen die Zinsen für Tages- und Festgeldkonten noch bei gut drei Prozent. Heute erreichen sie im Durchschnitt etwa 0,6 Prozent - und damit weniger, als das Geld durch Inflation an Kaufkraft verliert. Und es wird weiter abwärts gehen, nachdem die Europäische Zentralbank den Zins, zu dem sie Geld an Banken und Sparkassen verleiht, auf 0,15 Prozent gesenkt hat. Denn dies ist der Zins, den die Geldhäuser ihren Sparkunden sicher, also ohne selbst zu spekulieren, gutschreiben können. Zieht man noch den Arbeitsaufwand der Banker ab, wird so gut wie nichts mehr auf den Sparkonten ankommen. Institute, die höhere Gutschriften versprechen, müssen diese auf dem internationalen Geld- und Anleihemarkt erwirtschaften.

Das fällt immer schwerer. Ähnlich schlecht sieht es bei Bundeswertpapieren aus. Da die deutschen Papiere als sehr sicher gelten, sind sie bei Investoren hoch begehrt. Unangenehme Folge für Sparer: Die steigenden Kurse lassen die Rendite schrumpfen; für kurz- und mittelfristige Laufzeiten beträgt sie höchstens noch 0,3 Prozent.

Lohnt sich das noch?

Streng genommen: nein. Geld an Banken und Sparkassen gegen Zins zu verleihen - nichts anderes ist Sparen - verringert seinen Wert. Wer in den vergangenen fünf Jahren seine Ersparnisse auf Sparkonten verwahrt hat, verlor statistisch - trotz Zinsgutschrift - jedes Jahr rund ein halbes Prozent an Kaufkraft. Denn die jährliche Teuerung, obwohl historisch eher niedrig, überstieg die Zinsen zusehends. Nicht besser sieht es bei Bundeswertpapieren aus. Wer sie vor fünf Jahren gekauft hat, machte nach Abzug der Inflation noch ein Plus von etwa 0,8 Prozent jährlich. Die zuletzt am Markt platzierten Bundespapiere boten lediglich gut ein Prozent nominalen Zins. Zieht man die Inflation ab, ein Minusgeschäft.

Was soll ich tun?

So bitter die Lage ist: Ein Sparguthaben von zwei, drei Monatseinkommen für den kurzfristigen Einsatz ist weiterhin ratsam. Dafür wird man sich mit Tagesgeldzinsen von durchschnittlich einem halben Prozent pro Jahr zufriedengeben müssen. Einige Banken locken mit höheren Zinsen bis zu 1,4 Prozent. Verbraucherschützer warnen jedoch vor Nebenbedingungen. So gelten die Konditionen meist nur für Neukunden, nur für bestimmte Zeit, nur bei Abschluss via Internet oder nur in Kombination mit anderen Geldgeschäften bei dem Institut. Zudem gilt bei einigen Banken nicht die deutsche Einlagensicherung.

Unter Profi-Bankern gelten längst besondere Sicherheitsvorkehrungen, wenn es um ihre eigene Kasse geht. Hört man sich in Frankfurt um, gilt seit der Finanzkrise die Regel: "Nie mehr als 20.000 Euro pro Geldinstitut." Nicht einmal beim eigenen Arbeitgeber. Wer die Inflation mit Bankzinsen zumindest ausgleichen will, muss sein Geld längerfristig festlegen.

  Das Sparbuch hat als Altersvorsorge ausgedient - die Mini-Zinsen decken nicht einmal die Inflation.

Das Sparbuch hat als Altersvorsorge ausgedient - die Mini-Zinsen decken nicht einmal die Inflation.

Tipp: Sparbriefe und Rieser-Rente

Zum Beispiel in Sparbriefen mit Laufzeiten ab drei Jahren. Dafür gibt es bis zu zwei Prozent Zinsen. Die besten Konditionen bieten ausgerechnet die IKB Deutsche Industriebank und die Deutsche Pfandbriefbank (Ex-Hypo Real Estate) - die beiden Institute, die nur durch staatliche Stützung vor der Pleite bewahrt wurden. Kaufkraftverlust müssen Inhaber von Banksparverträgen mit Riester- Förderung nicht fürchten. Die jährliche Gutschrift der staatlichen Grundzulage verschafft ihnen eine Rendite, die deutlich über der von der EZB angestrebten Inflationsrate von zwei Prozent liegt.

Sparer, die im Hinblick auf die spätere Rente darauf vertraut haben, dass es über die Zulage hinaus Zinserträge gibt, müssen ihre Erwartungen nach unten korrigieren. Für jene, die noch länger als zehn Jahre bis zum Rentenbeginn sparen, kann es sich deshalb lohnen, das bisherige Guthaben in einen Riester- Fondssparplan zu übertragen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass internationale Wertpapiere auch künftig höhere Renditen einbringen als deutsche Sparzinsen, ist hoch. Fondsgesellschaften bieten den Abschluss von Riester-Verträgen via Internet und Telefon an - was Provisionen an Vermittler einspart.

Tipp: Globale Rentenfonds

Die Manager solcher Fonds gehen weltweit auf Zinsjagd, handeln dazu mit Anleihen. Einige schütten die Erträge einmal im Jahr an ihre Anleger aus. Anteile an solchen Fonds sind eine einträgliche Alternative zu Tages- und Festgeldkonten. So erzielte der Fonds DekaRent-International (Sparkassen-Gruppe) in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt eine Ausschüttungsrendite von 2,8 Prozent pro Jahr. Beim internationalen Rentenfonds von Fidelity liegt die Ausschüttung derzeit bei 2,3 Prozent. An der Börse lassen sich solche Fondsanteile sogar provisionsfrei erwerben, in aller Regel am günstigsten über ein Depotkonto bei einer Direktbank.

Achtung: Bausparen

Bausparverträge bieten feste Spar- und Kreditzinsen. Weil die Sparzinsen gegen null tendieren, rentiert sich Bausparen nur noch für jene, die den Kredit in fernerer Zukunft wirklich brauchen; sei es für Renovierungen oder Teilfinanzierung von Wohneigentum. Am kundenfreundlichsten sind Angebote dann, wenn Spar- und Kreditzins dicht beieinanderliegen.

Freuen dürfen sich Inhaber älterer Bausparverträge. Denn Gutschriften von zwei oder drei Prozent sind heute ein gutes Geschäft - zum Leidwesen mancher Bausparkassen. Sie versuchen, Kunden aus Altverträgen herauszudrängen, laut Experten jedoch mit geringer Aussicht auf juristischen Erfolg, solange die Bausparsumme noch nicht erreicht ist.

Dies ist Teil 1 einer Serie zur Geldanlage bei Niedrigzinsen. In den folgenden Teilen geht es unter anderem um Lebensversicherungen, Immobilien und Aktien.

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