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Warum sich Aktien für Sie lohnen

Die Zinsen sind niedrig, die meisten Sparmöglichkeiten bringen nichts mehr ein. Aktien dagegen laufen prima. Aber kann man jetzt noch einsteigen oder ist es dafür zu spät? Letzter Teil der Geld-Serie.

Von Frank Donovitz und Elke Schulze

Der deutsche Aktienindex knackte kürzliche die 10.000-Punkte-Marke. Und Anleger können von dem Boom profitieren.

Der deutsche Aktienindex knackte kürzliche die 10.000-Punkte-Marke. Und Anleger können von dem Boom profitieren.

Die Börse feiert einen Rekord nach dem anderen - aber die meisten Deutschen schauen nur zu. Und fragen sich nun: Ist es schon zu spät, oder sollen wir ihn noch wagen, den Weg in die riskante Welt der Aktien? Vergangene Woche kletterte der Dax, der Deutsche Aktienindex, zum ersten Mal auf über 10.000 Punkte. Höher stand er nie. Befeuert wird der Wert, der die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen zusammenfasst, von professionellen Anlegern wie Versicherungen und Pensionsfonds, die auf der Suche nach profitablen Geldanlagen rechtzeitig die Börse wiederentdeckten - auch aus Mangel an Alternativen.

Wer in Aktien investiert, blickt zudem nicht nur auf den Kurs, sondern auch auf die Dividende. Diese jährliche Ausschüttung aus dem erwirtschafteten Gewinn allein macht manches Papier schon reizvoll. Hier sind auch jetzt Renditen bis zu vier Prozent möglich, also Wertzuwachs statt Enteignung.

Lohnt sich das noch?

Endlich mal eine gute Nachricht für Anleger: Es ist trotz des Dax-Rekordwertes nicht zu spät! Aktien gehören gerade jetzt unbedingt in ein gut gemischtes Anlageportfolio.

Ob Aktien teuer oder billig sind, lässt sich nicht so sehr am Kurswert ablesen - und damit auch nicht am Punktestand des Dax. Vielmehr kommt es darauf an, wie hoch der Aktienkurs eines Unternehmens im Verhältnis zu seinem geschätzten Gewinn ist. Fachleute nennen diese Zahl Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Die Zahl wird laufend neu berechnet und zum Beispiel auf den Internetseiten von Direktbanken veröffentlicht. KGVs von weniger als zwölf zeigen relativ günstige Aktienpreise an, Zahlen größer 15 schon recht teure Titel. Im Durchschnitt beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis aller 30 Dax-Aktien derzeit 13,7. Der Frankfurter Markt ist also nicht mehr ganz billig, aber auch nicht heillos überteuert.

Dass so viele Bundesbürger die Börse meiden, liegt daran, dass sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben - auch, weil sie zum falschen Zeitpunkt eingestiegen sind. Stark überteuert waren die Aktien zuletzt um die Jahrtausendwende. Damals sorgte der Börsengang der Telekom für einen Run auf Aktien. Kurz darauf brachen die Kurse ein. Börsianer nennen das despektierlich Hausfrauen-Hausse: Viele Kleinanleger zieht es oft erst dann an die Börse, wenn sich die Jubelmeldungen überschlagen, Aktien also bereits sehr teuer sind. Davon kann aber derzeit keine Rede sein.

Was soll ich tun?

Das Zocken sollte man den Profis überlassen: Wer glaubt, an der Börse mit Kursschnäppchen reich zu werden, irrt sich leider allzu oft. Sinnvoll investieren bedeutet: nur langfristig und gut ausgewählt. Bei einzelnen Aktien spricht viel für eine gewisse Langeweile: Firmenklassiker wie in Deutschland etwa Siemens, Bayer oder BASF haben sich über Jahrzehnte positiv entwickelt. Und sie zahlen in der Regel Jahr für Jahr eine ordentliche Dividende.

Allerdings: Solche Firmen haben auch die Profianleger schon entdeckt, ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis ist schon leicht über dem Marktdurchschnitt. Langfristig orientierte Dividendensammler, denen zeitweise Kurstäler nicht den Schlaf rauben, muss das nicht vom Kauf abhalten. In Einzelwerte zu investieren ist jedoch ausschließlich Börsenkennern zu empfehlen. Für Sparer, die weniger börsenkundig sind, gibt es Aktienfonds. Um leicht den Überblick zu behalten, wie sich die Anlage entwickelt, bietet sich etwa ein Fonds an, der sich an den Dax-Werten orientiert.

Tipp: Dividenden-Aktienfonds

Es gibt auch Fonds, die sich auf dividendenstarke Unternehmen konzentrieren und die einmal jährlich die Erträge aus den Dividenden ausschütten. Dass nicht nur die Kursentwicklung wichtig ist, zeigt ein Vergleich: So hat sich beispielsweise der Wert der beiden Fonds Uni-Global (Volksbanken) und DWS Top Dividende (Deutsche Bank) in den vergangenen fünf Jahren gleich entwickelt: Beide haben sich nahezu verdoppelt. Der Unterschied: Die Ausschüttungsrendite des DWS-Fonds, dessen Strategie auf hohe regelmäßige Anlegerbeteiligung abzielt, betrug in den vergangenen fünf Jahren mehr als vier Prozent jährlich. Die Ausschüttungen des Uni-Global brachten nur 1,4 Prozent jährliche Rendite. Es lohnt sich also, beim Kauf solcher Fonds nach der Ausschüttungspolitik zu fragen.

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