HOME
präsentiert von:

Stern Logo Ratgeber Geldanlage

Warum sich dieser Manager entschieden hat, Winzer zu werden

Wieso schmeißt man seinen hochbezahlten Job, um Weinbauer zu werden? Robert Wurm war Manager in der Automobilindustrie - und hat darauf eine gute Antwort.

Vom Manager zum (Wein-)Bauer: Der mutige Weg von Neu-Winzer Robert Wurm

Vom Manager zum (Wein-)Bauer: Der mutige Weg von Neu-Winzer Robert Wurm

70 Stunden in der Woche zu arbeiten, ist keine Seltenheit für Robert Wurm. Jahrelang schuftete er im hohen Management als klassischer Ingenieur - erst für Procter & Gamble, dann für den Automobilzulieferer Continental. Und das auf der ganzen Welt. Wurm lebte in Japan und Südkorea, reiste von Mexiko nach Shanghai. Korea nennt er seine zweite Heimat. Das Land hat ihn von Beginn an fasziniert, die Menschen, die Sprache und das Essen. Was er sich bewahrt hat? Einmal die Woche kocht er zu Hause koreanisch, Kimchi gibt es bei ihm immer, natürlich selbstgemacht. Außerdem spricht er fließend die Sprache.

Auf seinem Karrierepeak im Management war er einer der Jüngsten in seinem Bereich. Den Gedanken, irgendwann mal ein zu bewirtschaften, hatte Robert Wurm aber immer im Hinterkopf. Eine fixe Idee, die ihn nicht mehr losließ. "Mit 30 wäre der Moment zu früh gewesen, mit 40 wurde der Wunsch aber immer drängender", sagt Robert Wurm. Den Schritt es wirklich durchzuziehen, erfordert Mut – und das gewisse Kleingeld. Das konnte sich Wurm in den Jahren im hohen Management zusammensparen.

"Es dauerte kein halbes Jahr als die Entscheidung zu gehen fiel und ich das erste Mal im Weingut stand", erinnert sich der gelernte Ingenieur.

Robert Wurm kaufte das Weingut Ottes im Rheingau im Jahr 2014. Er übernahm das Personal, stellte einen neuen Kellermeister ein. 2015 war bereits sein erster Jahrgang als Winzer aus seinem eigenen Weingut. Seitdem heißt die Marke auch Wurm. Die Etiketten muten ganz klar asiatischen Schriftrollen an. Die Schrift läuft von oben nach unten. Eine Schreibweise mit denen sich vor allem auch das asiatische Publikum anfreunden könnte. Erste Gespräche, den Wein in Korea zu vermarkten, führt Wurm bereits.

Die Reben von Robert Wurm wachsen auf Steilhängen

Die Reben von Robert Wurm wachsen auf Steilhängen


Japanische Schwertkampfkunst hilft beim Weinmachen

Die Weine sind für Wurms ersten Jahrgang als Winzer sehr gelungen. Der Rosé ist ein würziger Sommerwein aus Spätburgunder und Cabernet Sauvignon, der sehr süffig ist – und auch zu asiatischem Essen passt. Wurm kombiniert diesen Rosé gern zu koreanischem Bulgogi, eingelegtem Rindfleisch, und Kimchi. Eine klassische Kombination in der koreanischen Küche. An den steilen und sehr steilen Weinbergen in Lorch direkt am wächst vor allem Riesling. Darauf legt der Neu-Winzer seinen Schwerpunkt. Aber auch Spätburgunder, Cabernet Sauvignon und etwas Weißburgunder wachsen auf den acht Hektar des Weinguts.

Ohne Steigeisen kann man in den sehr steilen Weinbergen übrigens nicht stehen. Die Böden sind Schiefer, dadurch werden die Weine sehr mineralisch. Das schmeckt man vor allem im Rosé. Aber auch der fast schon cremige Riesling "Schlossberg" hat es mit seiner Dichte und Komplexität in sich.

"Ich bin ein klassischer Quereinsteiger", sagt Robert Wurm. Ehrgeiz und Zielstrebigkeit stehen bei ihm an höchster Stelle. Es ist seine Philosophie. Die Tugenden nimmt der Ex-Manager seit 30 Jahren aus der japanischen Schwertkampfkunst Kendo: "Wenn ich mich entschieden habe anzugreifen, dann muss ich mit allem was ich habe angreifen", sagt Robert Wurm. Das adaptiert er auch auf den Weinbau: 100-prozentigen Fokus und alles einem Ziel unterordnen. Dinge, die sowohl in der Schwertkampfkunst als auch im Weinbau essentiell sind. Deshalb tragen alle Weine auch den Slogan: Zwei Welten, eine Philosophie. Kendo ist Robert Wurms zweite große Leidenschaft.

So sehen die Weine vom Ex-Manager Robert Wurm aus: Riesling (links) und Rosé aus Spätburgunder und Cabernet Sauvignon

So sehen die Weine vom Ex-Manager Robert Wurm aus: Riesling (links) und Rosé aus Spätburgunder und Cabernet Sauvignon

 

Wenn man den Neu-Winzer fragt, warum er seinen gut bezahlten Job geschmissen hat, um heute bis zu 50.000 Flaschen abzufüllen, dann leuchten seine Augen: "Es geht um Emotionen. Am glücklichsten macht mich am Ende die Wertschätzung, die dem Produkt entgegengebracht wird", sagt Robert Wurm. In seinem alten Job hat er viel gelernt und mitnehmen können, aber als Winzer kann er Leidenschaft entwickeln. Er bereue seine Entscheidung nicht, auch wenn er den Papierkram als Weingutsbesitzer unterschätzt habe.

Im Weingut hatte er eines Tages einen wichtigen Moment: Sein Blick streifte über die Weinberge, die Sonne schien, seine Kinder spielten auf dem Gut und Wurm empfand etwas ganz Simples: Glück und Vollkommenheit.   

Auch heute arbeitet Robert Wurm oft 70 Stunden die Woche. Er ist dann zwar müde, aber nicht erschöpft. Und vor allem ist er eins: glücklich.


Partner-Tools