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Schlechter als ihr Ruf

Die Riester-Rente rechnet sich oft nicht. Zu diesem Fazit kommt eine Studie der Zeitschrift Ökotest. Die Gebühren der Anbieter sind bei einigen Verträgen fast so hoch wie die Zulagen vom Staat.

Von Peter Neitzsch

  Eine neue Studie zeigt: Der Riester-Sparer hat immer weniger von seiner Altersvorsorge

Eine neue Studie zeigt: Der Riester-Sparer hat immer weniger von seiner Altersvorsorge

Eigentlich sollte die Riester-Rente Kleinsparern ein finanzielles Polster für den Lebensabend verschaffen. Doch an der Altersvorsorge verdienen vor allem die Versicherungskonzerne: Die Kosten der Riester-Renten sind teilweise fast so hoch wie die Zulagen, die der Staat in über 30 Jahren spendiert. Das zeigt eine Untersuchung der Zeitschrift Ökotest. Für die Juni-Ausgabe analysierten die Tester insgesamt 144 Riester-Verträge von 30 Versicherungen.

Die Probleme beginnen bereits bei den Angebotsunterlagen: Nach Ökotest-Auffassung sind sie häufig irreführend oder gar fehlerhaft. Die bis zu 60 Seiten langen Offerten enthielten häufig unvollständige, widersprüchliche oder verwirrende Angaben. Anbieter würden die zum Teil hohen Kosten in ihren Unterlagen "geschickt verschleiern". Kein einziges Angebot weise die gesamten Kosten für den Riester-Vertrag in einer Summe aus.

In vielen Fällen würde auch "vergessen", im Informationsblatt anzugeben, wie viel die Anbieter von den staatlichen Zulagen kassieren: bis zu 16,5 Prozent. Andere Versicherer weisen monatliche Kosten von vier oder fünf Euro aus, die sich über die Vertragslaufzeit auf mehr als 5000 Euro addieren. Die Tester kommen zu dem Ergebnis: Die Angaben seien "derartig verwirrend, dass nicht einmal Fachleute eine Chance hätten, daraus die tatsächlichen, von den Versicherten zu zahlenden Kosten zu errechnen".

Geringverdiener werden bei Überschüssen benachteiligt

Das Verwirrspiel um die Kosten hat Gründe: So kürzt die Ergo beispielsweise einem 35-jährigen Sparer mit zwei Kindern im Klassiktarif das Garantiekapital um insgesamt 7917 Euro - fast 80 Prozent der erwartbaren staatlichen Zulagensumme von 9954 Euro. Bei der fondsgebundenen Riester-Rente summieren sich bei der Skandia Lebensversicherung die Kosten auf über 18.000 Euro. Beim günstigsten Anbieter, der Alten Leipziger, immerhin noch auf rund 4000 Euro.

Mehr als die Hälfte der Angebote erfüllen laut Ökotest grundlegende vorvertragliche Informationspflichten nicht. So weisen 19 der 30 untersuchten Versicherungen das zu Rentenbeginn angesparte Garantiekapital gar nicht oder zu niedrig aus. Ob die Angaben in den Unterlagen vollständig und korrekt sind, kann jeder anhand der von Ökotest zur Verfügung gestellten Formblätter für den Riester-Klassiktarif mit Garantiezins (PDF) und die fondsgebundene Riester-Rente (PDF) selbst überprüfen.

Besonders die Riester-Produkte der Allianz werden von Ökotest scharf kritisiert. Nach Angaben der Zeitschrift würden ausgerechnet Geringverdiener und durchschnittlich verdienende Familien mit Kindern, für die die staatliche geförderte Zusatzrente besonders wichtig ist, von der Allianz bei der Verteilung von Überschüssen benachteiligt. Denn der Allianz-Sparer wird an den erwirtschafteten Überschüssen nur beteiligt, wenn "die versicherte Leistung einen bestimmten Betrag überschreitet". Die volle Beteiligung gibt es nur dann, wenn ein Vertrag mit mindestens 40.000 Euro Garantiekapital abgeschlossen wurde.

"Völlig unverständlich bis skandalös" nennt die Referentin für Altersvorsorge beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, Dorothea Mohn, diese Praxis. "Die Riester-Rente wurde schließlich vor allem für Geringverdiener und Familien mit Kindern gemacht." Die Verbraucherschützerin fordert "klare und unmissverständliche" Gesetze für alle Anbieter.

Nicht mal jeder zweite Sparer bekommt die Förderung

Verbraucherzentralenchef Gerd Billen plädiert gar für eine grundsätzliche Reform der Riester-Rente: "In Deutschland haben 37 Millionen Bürger Anspruch auf Riester-Zulagen, doch nur 14,6 Millionen haben eine Förderung beantragt", sagte Billen der "Financial Times Deutschland". "Vielleicht ist es Trägheit, vielleicht Unkenntnis oder fehlende finanzielle Möglichkeiten - fest steht, dass der Staat diejenigen, die die Förderung brauchen, nicht erreicht."

Der Verbraucherschützer, der seit Jahren gegen den provisionsgetriebenen Verkauf von Finanzprodukten wettert, fordert daher ein kostengünstiges Riester-Konto zum Beispiel bei der Finanzagentur des Bundes einzuführen. Als Vorbild nennt Billen Schweden: Dort gebe es einen staatlich gemanagten Fonds, in den automatisch jeder Angestellte einzahle. Auf diese Weise würde die Altersvorsorge nicht mehr durch hohe Provisionen belastet.

Einen solchen Systemumbau hat das Finanzministerium allerdings bereits ausgeschlossen. Stattdessen prüfe man die Einführung eines Produktinformationsblatts für Riester-Produkte. "Damit würde den Verbrauchern ermöglicht, sich einen knappen und verständlichen Überblick über die wesentlichen Merkmale des Vertrags zu verschaffen, inklusive der Kosten", sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Von Peter Neitzsch (mit AFP)
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