Das gebrauchte Abendkleid von Uschi Glas? Ein billiger VW aus Belgien? Strom vom preiswertesten Anbieter? Den Chefsessel zum Hammerpreis? Alles kein Problem - wenn man weiß, wie's geht. Immer mehr Deutsche machen Jagd auf Schnäppchen, Rabatte, Gelegenheiten. UND SIE?

Verdiente mit Auktionen 15.000 Euro© Arne Weychardt
Das Abendkleid von Uschi Glas. Umwerfend und so günstig! Von ihr getragen, als sie noch glücklich war! Gibt's nur in der »Second Hand Agentur« von Monica Arens, Siegesstr. 20, München, Hinterhof. Der Kleidertrödel bietet alles: Ira von Fürstenberg, Hannelore Elsner und die restliche Prominenz aus den Klatschspalten. Einmal fotografiert, schon abgetragen. Hier ein Chanel-Kostüm, statt 2.500 Euro für 880, dort ein Armani-Kleid für 200 Euro und nicht, wie sonst, 920 Euro. Alles Kommissionsware. Alles aus den Kleiderschrankfluchten der gehobenen Damenwelt für die kleinen Alltagsfluchten der preisbewussten Frau. Zum Beispiel dieser blau-violette Mantel, dieser Traum aus Tweed mit angesetztem Leopardentuch von Dolce & Gabbana: statt 2.500 jetzt 800 Euro. Wenn das kein Schnäppchen ist. Wolfgang Rompf-Engert pfiff vor Glück, als er Ende Januar über die Grenze fuhr. Gerade hatte er für 21.534 Euro seinen fabrikneuen VW Passat abgeholt - im belgischen Antwerpen. Mit Comfortline-Ausstattung, Metallic-Lackierung und Garantie. Die Ersparnis des Architekten aus Wertheim: 5.802 Euro, 21 Prozent weniger als der deutsche Listenpreis. Sein Einsatz: lediglich ein befristetes Nummernschild. Wenn das kein Schnäppchen ist.
Einkaufen in Euro-Land - nie war es so billig wie heute. Denn: Wir sind doch nicht blöd. Für den Computer nicht mehr als 1.000 Euro, sonst gehen wir gleich zu Aldi. Die Riester-Rente bitte zu den besten Konditionen, sonst geht's zu Tchibo. Das Auto bitte mit 20 Prozent, sonst hol ich's in Dänemark. Früher mussten nur »die da unten sparen«, sie wollten überleben. Dann kam Aldi und lockte die Hausfrau mit dem Zweitwagen-Golf. Heute gilt der Champagner-Kauf bei Aldi als Indiz für Intelligenz. Beim neuen Fummel zählt nicht nur der aktuelle Schnitt, sondern vor allem die Summe, die frau rausgeschlagen hat - und die sie nun den Freundinnen unter die Nase reiben kann. »Smart Shopper« kaufen bestmögliche Qualität zum niedrigstmöglichen Preis. Sie handeln, vergleichen Preise, und kaum etwas bereitet ihnen so viel Vergnügen wie das Villeroy&Boch-Service fürs halbe Geld. Bei den Händlern buchstabiert sich »smart« so: selbstbewusst, markenorientiert, aufgeklärt, rabattorientiert - und taktlos. Der Smart Shopper ist der Schrecken aller Verkäufer, und das Schlimme dabei: »Heute ist fast jeder ein Smart Shopper.« Das sagt Volker Neuhaus, Stratege der Düsseldorfer Werbeagentur Grey.
Seit dem Fall des Rabattgesetzes scheint alles möglich. In Kaufkathedralen und Discount-Klitschen ist nichts mehr, wie es war. 20 Prozent für alle Kartenzahler bei C&A verbot noch der Richter. Aber längst gibt es kein Halten mehr. Der Handel stöhnt, doch was stört's uns? Wir sammeln Gutscheine, Punkte und Meilen, haben die Karstadt-Kundenkarte für drei Prozent Rabatt oder wenigstens die von »Palmers«-Unterwäsche. Wer sie hat, weiß, warum. Überall locken die Prozentzeichen. Doch welcher Rabatt ist echt? Wie hoch ist der ursprüngliche Preis? Und wurde er je verlangt? »Im Hi-Fi-Bereich gibt es doch schon lange keine realen Preise mehr«, verrät ein Verkäufer im Hamburger Technikkaufhaus Brinkmann. Winterschlussverkauf? Sommerschlussverkauf? Der Termin ist festgelegt, Paragraf 7 des »Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb«: Beginn »am letzten Montag im Januar und am letzten Montag im Juli ... für die Dauer von zwölf Werktagen«. Ein Verkäufer des Textilkaufhauses Peek & Cloppenburg erklärt die Wirklichkeit: »Das beginnt doch schon vor Weihnachten. Einer fängt an, und alle müssen mitziehen.« Und Manfred Dimper, Handelsexperte der Verbraucherzentralen, sagt: »Der Händler, der sich an den Termin hält, ist gekniffen.« Der Paragraf steht nur noch auf dem Papier. Denn Schlussverkauf ist das ganze Jahr.
Outlet-Center werden neuerdings aus deutschen Wiesen gestampft. Sie verkaufen Designerklamotten und Markenware - mal aus vergangenen Kollektionen oder leicht angeschlagen, mal aus Überproduktion, mal einfach nur so - zu Tiefstpreisen. Schon stehen Designer-Outlets dicht vor den deutschen Grenzen: Zum Beispiel im holländischen Roermond, 30 Kilometer westlich von Mönchengladbach. Im exquisiten Einkaufsstädtchen bieten Marken wie Alessi, Bodum, Dolce & Gabbana und Rosenthal Rabatte zwischen 30 und 50 Prozent. Keine 20 Kilometer südlich formiert sich die Konkurrenz im belgischen Maasmechelen in 30 Designer-Lädchen. In Amerika gibt es 350 Outlet-Stores, den größten in Saw Grass Mills in Florida mit 200 Shops auf 176.000 Quadratmetern.