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Mut zum gesunden Risiko

Wie soll ich am besten mein Geld anlegen? Im Interview mit stern.de spricht Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim über clevere Anlagestrategien in unsicheren Zeiten und den Mut zum Risiko.

Herr Burghof, so mancher Anleger würde sein Geld zur Zeit am liebsten unter der Matratze verstecken. Wo wartet Ihr Vermögen auf das Ende der Finanzkrise?

Meine wertvollsten Besitztümer sind mein Einkommen und mein Arbeitseinsatz. Da brauche ich keinen ausgeklügelten Investmentplan, mein Geld liegt einfach faul auf einem Tagesgeldkonto. Da wird es einigermaßen verzinst, ist verfügbar und lässt mir alle Freiheiten. Der Aufwand, den man in eine Geldanlage steckt, muss ja immer zum Lebensentwurf passen - und im Verhältnis zu dem stehen, was man tatsächlich hat.

Und wenn ich nun ein paar tausend Euro auf dem Konto hätte ...?

... sollten Sie sich nicht zu viele Gedanken darüber machen. Wenn Sie ein kleines Vermögen unter 20.000 Euro besitzen und Ihren Job lieben, lohnt es sich oft mehr, die Zeit in Ihre Karriere zu investieren. Wenn Sie Spaß daran haben, ist ein kleines Vermögen aber eine ideale finanzielle Spielwiese, um verschiedene Anlageformen zu testen oder sich in Chancen und Risiken einzudenken. Es gibt kein besseres Training, falls man später mehr Kapital zur Verfügung hat. Bei aller Experimentierfreude sollte man jedoch nie ein Produkt kaufen, das man nicht versteht, so passieren die teuersten Pannen.

Was sind die besten Anlagestrategien für ein mittleres Vermögen?

Ich gebe natürlich keine Finanzberatung, das muss jeder Anleger selbst entscheiden. Ich persönlich würde mir vor allem eine krisenfeste Bank suchen. Deutsche Finanzunternehmen sind sicher eine gute Wahl, denn hinter den Banken hierzulande stehen im Ernstfall Bundesbank und Regierung. Die wichtigste Entscheidung für ein mittleres Vermögen ist jedoch, wie hoch die Aktienquote sein soll. Gerade in Krisenzeiten wie diesen sind Aktien besonders attraktiv, da sie von einer möglichen Inflation nicht unmittelbar betroffen sind. Fest- oder Bargeld verliert dagegen unter Umständen dramatisch an Kaufkraft und damit an Wert.

Und wenn ich nun ein großes Vermögen zu Verfügung habe?

Dann kann man sich in sämtlichen Anlageklassen austoben. Denn bei einem richtig großen Vermögen geht es auch darum, den Besitz ohne ernste Einbußen durch schwere Krisen zu bringen. Eine interessante Anlagekategorie dazu sind Edelmetalle wie Gold. Um alle Anlagemöglichkeiten auszuschöpfen, würde man auch in exotischere und riskantere Finanzgefilde vordringen und zum Beispiel in Emerging Markets, also aufstrebende Märkte, investieren. Ein Risiko sollte man allerdings nie eingehen, nämlich alle Produkte vom Fonds über die Aktie bis zur Versicherung bei einem einzigen Finanzanbieter zu kaufen. Gerät der in Schwierigkeiten sitzt man sonst ganz schnell mit im sinkenden Schiff.

Der größten Anlage-Fehler, den wir alle in der Finanzkrise machen können?

Lassen Sie sich nicht von der Gier beraten – oder von der Angst. Viele Anleger hoffen, alle Risiken ausschalten zu können. Genauso wie Sie sich nie hundertprozentig gegen Krankheiten schützen oder gegen Unfälle absichern können, können Sie aber auch nie den Finanzmarkt beherrschen. Sie können das Risiko abmildern, indem Sie sich gut informieren, breit streuen und auf weniger riskante Formen setzen, aber ausschließen können Sie es nicht. Wenn man etwas verliert, ist es deswegen wichtig, nicht in Panik zu geraten, denn unter Stress trifft man nur schlechte Entscheidungen. Ein gut diversifiziertes Portfolio kommt in der Regel auch wieder aus der Krise heraus.

Der Immobilienmarkt ist im Keller und die Bauzinsen sind günstig wie nie. Ist die Finanzkrise der ideale Zeitpunkt für Immobilien als Geldanlage?

Wenn man das Eigenheim bezahlen kann, ist das eine vernünftige Entscheidung. Schließlich ist ein Haus inflationssicher. Zusätzlich spart man sich in den kommenden Jahrzehnten die Miete, die mit einer Inflation ganz schön nach oben gehen kann. Ich hätte allerdings große Zweifel, ob ich mir in einer fremden Stadt eine Immobilie zulegen würde. Es klingt schlüssig, in ein Haus zu investieren, es zu vermieten und die Mieteinnahmen den Kredit abbezahlen zu lassen. Aber man muss auch kontrollieren, ob vor Ort alles nach Plan läuft, beim Bau, bei den Mietern. Wenn ich eine Immobilie kaufen würde, wäre das bildlich gesprochen deswegen immer nur das Nachbarhaus.

Welches Finanzprodukt würden Sie heute einem Kind zur Geburt schenken?

Ganz klar einen Aktiensparplan, in diesen wird regelmäßig Geld eingezahlt und mit dem Gesparten werden Aktien gekauft. Denn gerade, wenn es um einen langen Zeitraum von vielleicht 20 Jahren geht, bis das Kind studiert oder den Führerschein machen will, sind Marktschwankungen nebensächlich. Wahrscheinlicher ist es, dass der Markt wächst und die Firmen einen Gewinn erwirtschaften. Junge Aktienbesitzer profitieren dann langfristig vom Erfolg der Unternehmen.

Wie erkennt man den perfekten Finanzberater?

Beim Blick in den Spiegel! Jeder, der Sie sonst berät, hat eigene Interessen und ist nebenbei auch nur ein Mensch, der sich irren kann. Ich will natürlich nicht abstreiten, dass es sinnvoll sein kann, bei einem Experten einen Termin zur Finanzberatung zu machen. Die letzte Entscheidung sollte man jedoch immer selbst treffen. Mein Appell: Seien Sie mutig! Wenn Sie sich informiert haben und glauben, dass eine Firma auf einem guten Weg ist und ihre Aktien Potential haben, dann vertrauen Sie dem Finanzberater in Ihrem Bauch. Er wird vielleicht nicht immer richtig liegen, aber er wird immer versuchen, das Beste für Sie herauszuholen.

Interview: Kristina Junker

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